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Bochum: Randy Newman begeistert in der Jahrhunderthalle

Bochum : Randy Newman begeistert in der Jahrhunderthalle

Die Bochumer Jahrhunderthalle wird wegen ihrer ehrwürdigen Säulenarchitektur und der weiten Fluchten Industriekathedrale genannt. Andere würden in ihr verloren wirken, so ganz allein auf der Bühne. Doch Randy Newman füllt den Raum scheinbar ohne jede Anstrengung. Indem er in die Tasten des Steinway-Flügels greift und seine auch nach überwundener Grippe typisch nasale Stimme durch den Raum schickt.

Obwohl Auftritte des Songwriters aus Los Angeles eine Seltenheit sind, ist die Jahrhunderthalle nicht ausverkauft. Vielleicht hat er sich in der letzten Zeit allzu rar gemacht. Neue Alben erscheinen alle Jubeljahre, immer wieder zieht er sich zurück, um Filmmusiken zu schreiben. Zwei Oscars und sagenhafte 18 Nominierungen hat ihm das bisher eingebracht. Das Konzert widmet er trotzdem fast ausschließlich seinen Songs von den Studioalben. Über 30 Stücke spielt er. Gut zwei Stunden lang, von denen nicht eine Minute langweilig war.

Randy Newman, Zeitgenosse von Bob Dylan und Joni Mitchell, ist ein Geschichtenerzähler, der immerzu in neue Rollen schlüpft. Dann gibt er diesen Typen, der sich über "Short People" mokiert, oder den Cowboy aus "Rider In The Rain", bei dem die gut 1000 Besucher aus voller Seele mitsingen.

Newman kann zynisch und angriffslustig sein, politisch, gesellschaftskritisch. In knapp drei Minuten besingt er Aufstieg und Fall der "Great Nations Of Europe". Der Song "In Germany Before The War" beschäftigt sich mit dem Sexualmörder Peter Kürten aus Düsseldorf, wo auch Randy Newmans erste Frau geboren wurde. Doch am schönsten ist es, wenn der Sänger die Einsamkeit besingt. "Losing You" etwa ist so schmerzhaft wie schön. Randy Newman lässt die Töne in den hohen Lagen so lange stehen, bis man glaubt, die Streicher von der CD zu hören. "I Think It's Going To Rain Today" vom ersten Album, mit dem der damals 24-Jährige 1968 auf der Bildfläche der Popmusik erschien, ist der großartige Abschluss.

Das Publikum genoss ein lupenreines Best-Of-Programm und ein Idol, das sich so locker gab wie am Kneipentresen nebenan.

(RP)