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Rainer Osnowski: Nächste Lit.cologne wieder vor echtem Publikum

Ein Gespräch mit Geschäftsführer Rainer Osnowski : „Nächstes Mal wieder vor echtem Publikum“

Die erste digitale Lit.Cologne ist mit 54 Veranstaltungen reibungslos über die Bühne gegangen. Manche Formate werden bleiben, doch im Herbst soll es wieder Live-Begegnungen geben, verspricht der Geschäftsführer.

Können Sie nach der ersten digitalen Lit.Cologne auf Bildschirmen überhaupt noch Autoren vor irgendwelchen Bücherwänden sitzen sehen?

Osnowski Na ja, ich für mich kann, auch nach 15 Monaten Pandemie, Zoom-Teams- oder Google-Meets-Calls sagen, dass es, wie so oft, auf die Art der Vermittlung und bei digitalen Veranstaltungen auf die Begegnung und das Miteinander auf dem Screen ankommt. Das interessanteste Übertragungsbild kam für mich von Maye Musk, die gar keine Bücher im Hintergrund hatte. Da war nur eine Schrankwand mit dem Plakat der amerikanischen Ausgabe ihres Buches, relativ unmotiviert angeheftet und auch noch schief. Das war doch sehr bizarr und doch auch aufgrund des wie ich finde großartig moderierten Gesprächs von Marie-Christine Knop eine für mich tolle Begegnung.

Haben wir eigentlich gerade in digitalen Zeiten immer höhere Performance-Ansprüche an Autoren? Leute wie Schätzing, Heidenreich und von Hirschhausen machen es weniger Bühnen-erfahrenen Autoren jedenfalls ziemlich schwer.

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Osnowski Das ist eigentlich auch bei unserem analogen Festival schon so gewesen. Für manche Autoren war es schon eine Überwindung, in Sälen zu lesen, in denen eben viel mehr als 30 Zuhörer saßen. Auch da waren die Anforderungen hoch. Natürlich fühlen sich jetzt auch nicht alle Autoren vor einer Kamera und in virtuellen Räumen wohl. Aber das Bedürfnis der Leser nach Vermittlung von spannender Literatur hat dazu geführt, dass immer mehr Autoren sich darüber Gedanken machen, wie sie ihr Werk vermitteln.

Gab es auch Wünsche von den Autoren?

Osnowski Oh ja.

Und welche?

Osnowski Das nächste Mal bitte wieder vor echtem Publikum lesen zu dürfen. Autoren, Sprecher, Schauspieler sind ja nicht dazu geboren, in einen fehlenden Resonanzraum hinein zu sprechen und darauf zu hoffen, dass es virtuell funktioniert.

Wie war denn die Resonanz?

Osnowski Bei allen Mitwirkenden sehr gut. Die Freude darüber, dass Lit.Cologne stattfindet, wie wir es digital umgesetzt haben, war sehr groß. Zu den Zahlen: Es sind insgesamt 4000 Festivalpässe und etwa 9000 Einzeltickets verkauft worden. Damit können und müssen wir zufrieden sein.

Und wer war das Highlight?

Osnowski Überraschenderweise die virtuelle Gala und weniger überraschend die Lesungen großer Autoren. 1500 waren es etwa bei T.C. Boyle. Das Interessante und Erfreulichste aber war die hohe Verweildauer. Bei manchen Lesungen blieben 90 Prozent der Zuschauer bis zum Schluss. Da waren wir doch sehr überrascht.

Was wir denn vom digitalen Angebot bleiben?

Osnowski In den kommenden zwei Wochen wollen wir erst einmal in Ruhe alle Daten auswerten. Aber das steht schon jetzt fest: Das Digitale wird bleiben, in welcher Form und in welchem Ausmaß und Umfang auch immer. Das wird auch vom Budget abhängen.

Und wie sieht es jetzt im Herbst aus?

Osnowski Wir planen, das Philosophie-Festival im September als auch die etwas erweiterte Lit.Cologne Spezial im Herbst vor Publikum stattfinden zu lassen. Ob und in welchem Umfang dabei auch digitale Formate eine Rolle spielen, kann ich heute noch nicht sagen.

Wird es später mal auch ein Archiv der Lit.Cologne geben?

Osnowski Ja. Wir arbeiten derzeit an einem Audio-Archiv, eine Collection der zurückliegenden 20 Jahre. Das dauert noch ein bisschen. Ob dann noch ein Filmarchiv dazukommt, wird sich zeigen. Das Material haben wir jedenfalls gesichert.

Wird auch der interessante Jingle überleben, der jede digitale Lesung ankündigte und ein bisschen an die Berlinale erinnerte?

Osnowski  Der war zunächst nur fürs Digitale geplant. Aber ich fand ihn eigentlich auch sehr cool. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dieses Jingle als unsere neue Erkennungsmelodie bleibt.