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Mailand: Puccini für alle

Mailand : Puccini für alle

Das Archiv des berühmten italienischen Ricordi-Verlags wird im Internet öffentlich gemacht.

Gelegentlich fragen sich Musikfreunde, die nicht knöcheltief in der Materie stecken, zum Beispiel dieses: Warum werden Handschriften als wertvolles Faksimilie, also als Nachdruck des Originals, zum Kauf oder in Bibliotheken angeboten? Darauf erkennt man doch sowieso nichts.

Das ist ein Irrtum. Kenner lesen in alten Originalhandschriften wie in einem aufgeschlagen Buch, sie können etwa die Tintenfarbe einem Ort oder der Jahreszeit zuordnen, da der Komponist sein Werk schrieb. Sie können überprüfen, ob die einzelnen Orchesterstimmen der Partitur entsprechen oder ob dort Änderungen vorgenommen wurden. Guckt man etwa ins Autograf von Bachs h-Moll-Messe, sieht man bei einer Arie, dass Bach die Flötenstimme rhythmisch modifiziert hat. Die Partitur weiß nichts davon, aber es liegt auf der Hand, dass die Flötenstimme mehr gilt. Bach hat das damals dem Musiker am Notenpult eigenhändig in die Noten nachgetragen, vermutlich bei einer Probe.

Deshalb ist die Mitteilung von unschätzbarem Wert, dass zahllose Dokumente der italienischen Operngeschichte ab sofort über das Internet einsehbar sind. Nach mehrjähriger Vorarbeit ist ein erster Teil des "Archivio Storico Ricordi" in Mailand für die Öffentlichkeit nutzbar, wie das Gütersloher Medienunternehmen Bertelsmann als Besitzer jetzt mitteilte. Im ersten Schritt wurden die ikonografische Sammlung mit mehr als 400 Porträts und 600 Bühnenbildentwürfen sowie 1000 Zeichnungen zu italienischen Opern ins Netz gestellt. Darunter sind Werke von Guiseppe Verdi und Giacomo Puccini.

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Auch dieser Teil der Sammlung ist von größtem Interesse. Man kann so zum Beispiel sehen, wie anhand der diversen Bühnenbilder die Inszenierungsgeschichte einer Oper wie "La Bohème"in Italien oder anderswo verlief. Gab es naturalistische oder symbolistische Episoden? Blieb Paris immer der atmosphärische Hintergrund? Wann hielt das sogenannte Regietheater Einzug?

Ricordi ist bis heute einer der größten Musikverlage der Musikindustrie und der größte seiner Art in Italien, und sein Archiv zählt mit mehr als 7800 Originalpartituren, darunter rund 600 Opern sowie rund 10.000 Textbücher, zu den wichtigsten privaten Musiksammlungen. "Unser Ziel ist es, alle wesentlichen Bestände des Archivs digital verfügbar zu machen", kündigte Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Rabe an. In den nächsten Jahren sollen Geschäftsbriefe, historische Fotografien, Poster, Libretti und Auszüge aus Partituren folgen.

www.ricordi.com/de-DE/Ricordi- Archive.aspx

(DPA)