Programm der Ruhrtriennale Starauflauf im Ruhrgebiet

Bochum · Der neue Ruhrtriennale-Chef Ivo Van Hove bringt Sandra Hüller und Isabelle Huppert, Musik von Herbert Grönemeyer sowie Inszenierungen von Castellucci und Serebrennikov.

Sandra Hüller wirkt bei der Ruhrtriennale schon in der Eröffnungsproduktion mit.

Sandra Hüller wirkt bei der Ruhrtriennale schon in der Eröffnungsproduktion mit.

Foto: dpa/Chris Pizzello

Beim Kulturfestival Ruhrtriennale ist etwas Erstaunliches passiert: Der belgische Regisseur Ivo Van Hove wirkt von der ersten Sekunde an, in der er sein erstes Saison-Programm vorstellt, wie die bestmögliche Besetzung für die Rolle des neuen Intendanten. „Ich habe eine starke Verbindung zum Festival seit den Anfängen mit Gerard Mortier“, sagt er. Sein erstes Programm, das er in einem kürzeren Zeitraum als sonst in nur drei Ruhrgebiets-Städten verdichtet – vom 16. August bis 15. September in Bochum, Essen und Duisburg – liest sich grandios: einerseits wie eine eigene, sehr internationale Handschrift mit neuen Ansätzen und großen Namen, andererseits aber auch wie ein Best of der Vorjahre. Hier ein Überblick über die wichtigsten Produktionen.

Eröffnung Schon die Eröffnung, die Ivo Van Hove selbst inszeniert, hat das Potenzial zu einer Sensation. In der Uraufführung „I Want Absolute Beauty“ bringt er den britischen Popstar PJ Harvey mit Oscar-Gewinnerin Sandra Hüller zusammen. PJ Harvey ist zwar nicht direkt beteiligt, aber es ist eine Auswahl ihrer Songs, mit deren Hilfe Sandra Hüller und die französischen Tänzer von (La) Horde, die schon für Madonna choreografiert haben, die Geschichte einer Frau, ihres Wegs und ihrer Entscheidungen erzählen. Die Zuschauer folgen den Versuchen der Protagonistin, sich selbst zu verwirklichen und soziale Rollen und Erwartungen zu überschreiten. In jeder Begegnung, jeder Beziehung, jeder Stadt erfindet sie sich neu. Van Hove zeigt mit dieser Produktion, dass er offen für populäre Genres und Grenzgänge ist.

Musiktheater Herz des Festivals ist und bleibt das Musiktheater. Noch am Eröffnungswochenende gibt es als Deutsche Erstaufführung „The Faggots and Their Friends Between Revolutions“ zu erleben, ein wildes Musikspektakel, das Philip Venables und Ted Huffman auf der Grundlage von Larry Mitchells Kultroman aus den späten 1970er-Jahren geschaffen haben.

Ein verrückter Höhepunkt in diesem Genre wird aber sicher das als Slapstick-Operetten-Musical bezeichnete „Pferd frisst Hut“, für das zwei berühmte Herberts zusammenarbeiteten: Theatermacher Herbert Fritsch und Musiker Herbert Grönemeyer, der 16 neue Titel dafür schrieb. Ursprünglich mal als Produktion für das Schauspielhaus Bochum geplant, kam das Projekt – warum auch immer – dann am Theater Basel zustande und feiert jetzt seine Deutsche Erstaufführung im Landschaftspark Duisburg-Nord.

Schauspiel Ja, wirklich: Isabelle Huppert kommt ins Ruhrgebiet. Frei inspiriert von Jean Racines „Bérénice“ bringt Regie-Star Romeo Castellucci eine Adaption dieser klassischen Tragödie in Form eines Monologs mit der internationalen Schauspielikone in den Landschaftspark Duisburg-Nord. Begleitet wird sie beim Spiel um die Liebe als Theater der Grausamkeit auf der Bühne nur von zwei Tänzern und Statisten.

Der Filmregisseur Filmregisseurs Sergey Paradjanov ist im Westen nahezu unbekannt. Popstars wie Lady Gaga allerdings verehren sein avantgardistisches Werk. „Er hat uns gezeigt, wie vielfältig die Kaukasus-Region ist, uns die Kulturen Aserbaidschans und Armeniens näher gebracht“, sagt Ivo Van Hove. Mit dem Stück „Legende“ ehrt ihn nun der bekannte Regisseur Kirill Serebrennikov, der auch die aufwändige Gestaltung von Bühne und Kostümen übernimmt.

Tanz Besucher früherer Ruhrtriennalen werden sich freuen: Anne Teresa De Keersmaeker ist wieder dabei und choreografiert das Stück „Y“ im Folkwang-Museum Essen als Uraufführung und lässt sich dafür von Kunstwerken aus der Sammlung inspirieren.

Um unseren Umgang mit der Natur geht es im Stück „Futur Proche“, das der Choreograf Jan Martens mit dem Opera Ballet Vlaanderen und einer Cembalistin umsetzt.

Konzert Auch im Konzert-Programm wird die Ruhrtriennale reicher bestückt als in den Vorjahren: Mit Nils Frahm kommt am 30. August ein Star der beliebten Neoklassik, also des minimalistischen, popaffinen Klavierspiels, in den Landschaftspark Duisburg-Nord und nennt sein Programm „Music for Ruhr“. Am 7. September ist am selben Ort die ukrainische Rapperin Alyona Alyona zu Gast, die als „Naturgewalt auf der Bühne“ beschrieben wird.

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