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Premiere in der „Komödie“​: "Einmal Kö und nicht zurück"

Premiere in der „Komödie“ : Blühender Blödsinn mit froher Botschaft

In der „Komödie“ erlebte das Stück „Einmal Kö und nicht zurück“ Premiere. Frohe Botschaft: An derselben Stelle wird ein neues Theater gebaut

Wann passiert es schon einmal, dass ein Happy-end verkündet wird, bevor der Vorhang sich öffnet? Zu diesem seltenen Ereignis kam es bei der Premiere „Einmal Kö und nicht zurück“ in der „Komödie“. Gar zu gern hätte Theaterleiterin Verena Wüstkamp die frohe Botschaft persönlich überbracht, musste aber wegen Corona-Quarantäne zu Hause bleiben. An ihrer Stelle betrat Hajo Riesenbeck die Bühne.

Der Vorsitzende des Freundeskreises erwähnte den baldigen Abschied von der Steinstraße, den Umzug ins Capitol-Theater auf noch unbestimmte Zeit – und zündete seelenruhig den Knaller: „Wir können davon ausgehen, dass wir hier wieder einziehen dürfen“, verkündete Riesenbeck dem staunenden Publikum. „Mit der Stadt haben wir gut verhandelt und uns auf eine sehr gute Miete geeinigt. Der Besitzer dieser Immobilie wird uns am alten Platz ein schönes neues Theater bauen.“

Die „Abrissparty“ am 1. Juli bietet noch einmal ein buntes Programm mit Anekdoten und Geschichten. Beim Flohmarkt am 3. Juli werden Requisiten, Kostüme und Stühle verkauft – als Andenken an die „Komödie“, die nach langer Zitterpartie wieder an eine gesicherte Zukunft glauben darf. Unter dem Aspekt ihrer berechtigten Hoffnung auf Heimkehr trifft der Titel des aktuellen Stücks „Einmal Kö und nicht zurück“ nicht haarscharf ins Schwarze. Dafür aber ins Herz der Zuschauer. Barbara Schöller und Peter Millowitsch haben einen saftigen, in Düsseldorf verorteten Schwank verfasst, in dem es um die bedrohte Existenz der „Kammerspiele Pempelfort“ und ein Netz aus Notlügen geht.

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Die Figur des Schmierentheater-Direktors ist inspiriert vom Patriarchen Striese aus „Der Raub der Sabinerinnen“. Zu erleben ist auch hier ein „Theater im Theater“, ein Stück Alltags-Wahnsinn hinter den Kulissen. Immanuel Striese blendet die Sorgen aus und schwärmt von seinem neuen genialen Stück, das er gerade verfasst. Diesmal, da ist er sich sicher, wird es ein Erfolg werden.

Vorerst aber führt man „Schweinchen öff öff im Drachenland“ vor Grundschulkindern auf. Der Schauspieler Hans Wurst (Peter Millowitsch) versucht seit Jahren, das Theater vor der Pleite zu retten, und zapft fortwährend seine reiche Schwester in Neuseeland an. Dafür erfindet er Frau, Tochter und Schwager, die alle krank sind und sich bei kostspieligen Kuren erholen müssen. Die familienverbundene Lavinia (Andrea Spatzek) hält die kleine Klitsche über Wasser.

Plötzlich aber steht sie unangekündigt in Düsseldorf vor der Tür, will endlich ihre Verwandten kennenlernen und versetzt ihren Bruder in helle Aufregung. Jetzt, schwant ihm, kommt alles heraus, der Geldhahn wird zugedreht, das Theater ist futsch. Direktor Striese aber gibt nicht auf. Wozu verfügt er über Schauspieler, mit denen er die Familienmitglieder „besetzen“ kann? Dimitri Tellis spielt den Komödianten herausragend, ein Glücksfall für dieses Stück. Unbeirrt treibt er den treuherzigen Hans Wurst in die aberwitzigsten Flunkereien, damit der Schwindel bloß nicht auffliegt. Sprühend vor Spiellust schustert er jedem seine Rolle zu.

Nur widerwillig wird Jung-Schauspielerin Gaby (Swantje Riechers) zum Töchterchen im Pippi-Langstrumpf-Look. Ole (Slim Weidenfeld) mutiert mitsamt seinem drolligen Akzent zum Schwager, der ein schweres Los zu schultern hat. Johanna (Christiane Hecker), von der Mimin zur Nonne geworden, springt als Wursts Ehefrau ein.

Irgendwann kommt der Punkt, an dem man in dem Chaos den Überblick verliert. Schlimm ist das nicht. War Micky nun ein Hamster oder ein Schiffskoch, der in seiner eigenen Erbsensuppe ertrinkt? Egal. Einfach zurücklehnen, den blühenden Blödsinn genießen und an vielen Stellen herzhaft lachen. Mehr will dieses Stück in der Regie von Peter Millowitsch, der den ganzen Abend tapfer sein Schweinchen-Kostüm trägt, auch gar nicht erreichen. Den Zuschauern machte der beschwingte Ausklang einer Ära jedenfalls viel Spaß.