Photo Weekend 2019 in Düsseldorf: Hochamt für die Fotografie

Photo Weekend in Düsseldorf : Hochamt für die Fotografie

In Düsseldorf findet am kommenden Wochenende zum achten Mal das Photo Weekend statt. 50 Galerien und Institutionen sind an dem Fotofestival beteiligt. Wir geben einen Überblick.

Das Frühjahr gehört in Düsseldorf der Fotografie, denn dann ist Photo Weekend. Das ist leichter gesagt als es ist. Denn noch im vergangenen Jahr wurde heftig um das Fotofestival gerungen. Da hatten sich die Macher mit der Stadt so sehr verkracht, dass am Ende zwei Fotofestivals zeitgleich stattfanden. Ein Irrsinn, der sich in diesem Jahr nicht wiederholen wird. Die Konflikte sind beigelegt, sagt Galeristin Clara Maria Sels, die das Festival mit ihrem Team organisiert. So gibt es in diesem Jahr wieder nur ein Fotofest: Vom 8. bis 10. März findet das mittlerweile achte Photo Weekend statt, mit rund 50 Ausstellungen. Wir haben Empfehlungen für drei Orte zusammengestellt, an denen es viel zu sehen gibt. Grundsätzlich gilt: Treiben lassen, und wo Licht brennt, sollte man einen Blick wagen. Vorausgesetzt, es handelt sich um einen Ausstellungsraum.

Rund um den Hauptbahnhof

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Festivalmacher versucht, um den Worringer Platz nahe dem Düsseldorfer Hauptbahnhof einen Schwerpunkt zu setzen. Mit Erfolg. Vielen Menschen mit „Photo Weekend“-Zeitung unterm Arm begegnete man rund um den „Worri“, und es kam tatsächlich so etwas wie Festival-Stimmung auf. In diesem Jahr wird das Teilnehmerfeld dort um ein großes Haus erweitert. Im Central (Worringer Straße 140), der Ausweichspielstätte des Schauspielhauses, wird eine Auswahl von Arbeiten des Theater- und Konzertfotografen Thomas Rabsch gezeigt, darunter Porträts von Nick Cave, Blixa Bargeld und Metallica. Wenige Meter weiter widmet sich das WP5 (Worringer Platz 5) mit einer internationalen Gruppenausstellung dem gesellschaftlichen Wandel in Mitteleuropa, und auf dem Worringer Platz selbst stellen Hochschul-Studenten Paradies-Entwürfe in Bild und Ton aus. Auf dem Weg Richtung Sammlung Philara (Birkenstraße 47a) passiert man zudem zahlreiche Ausstellungsräume. Philara selbst zeigt Fotografien von Ricarda Roggan. Sie inszeniert mit großen Aufwand Ausrangiertes und technisch Überholtes. Sollte man nicht verpassen.

Vom Zentrum zum Ehrenhof

Auf dem Schadowplatz in der Innenstadt parkt die Fotobus Society – initiiert von Christoph Bangert – mit einer mobilen Fotobuch-Bibliothek, auf dem Platz stellen Foto-Studenten aus – „politische und soziale Momentaufnahmen“, so Clara Maria Sels. Im Haus der Universität (ebendort) werden Fotografien von Eva Siao gezeigt. Ausstellungstitel: „Mein China“. Das Land ist ein Schwerpunkt des Photo Weekend, es gibt zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen zum Thema. Am Samstag, 9. März, spricht ab 19 Uhr etwa der chinesische Exildichter und Friedenspreisträger Liao Yiwu im Haus der Universität. Der kulturelle Austausch mit China gewinne an Bedeutung, sagt Sels. Überall in der Stadt finden sich deshalb Ausstellungen: In der Julia Stoschek Collection (Schanzenstraße 54 in Oberkassel) wird der jungen chinesischen Künstler-Generation Platz eingeräumt; im Konfuzius-Institut (Graf-Adolf-Straße 63) zeigt die Düsseldorfer Auswandererin Yolanda vom Hagen ihre Bilder aus China. Auf sie aufmerksam geworden waren die Ausstellungsmacher durch einen Artikel unserer Redaktion.

Erstmals beteiligt sich unsere Redaktion auch mit einer eigenen Ausstellung am Photo Weekend. Gemeinsam mit der Galerie Breckner (Alte Stadt 7) zeigen wir das Düsseldorf der 1960er Jahre, in Bildern unseres früheren Fotografen Volker Krämer. Von Breckner ist fußläufig das NRW-Forum am Ehrenhof zu erreichen, das sich dem Bauhaus in der Fotografie widmet, und im Obergeschoss Porträts skandinavischer Fotografen ausstellt. Außerdem gibt es dort eine Fotobuch-Messe. Gleich nebenan zeigt der Kunstpalast Arbeiten von „Fotografinnen an der Front“. Die Ausstellung zur Kriegsfotografie wird pünktlich zum Wochenende eröffnet.

In der Carlstadt

Im Süden der Düsseldorfer Innenstadt – wo die Fußgängerzone endet – ist die Galerien-Dichte besonders hoch. Dort werden die Möglichkeiten der Fotografie an sich ausgelotet. „Bilder, die nur durch Fotografie entstehen können“, so Sels, werden etwa bei Grisebach (Bilker Straße 4-6) ausgestellt – gezeigt werden die extremen Langzeitbelichtungen von Michael Wesely. Der spanische Fotograf Chema Madoz stellt alltägliche Gegenstände in unerwarteten Kontexten dar – zu sehen bei Galeristin Sels (Poststraße 3). Und bei Beck & Eggeling (Bilker Straße 4-6) fordert Thomas Wrede die Wahrnehmung heraus. Auf seinen Bildern wird eine Pfütze zum See. Es ist eine Frage der Perspektive.

Mehr von RP ONLINE