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Große Ausstellung im Essener Museum Folkwang: Paul Cézanne: Parallel zur Natur

Große Ausstellung im Essener Museum Folkwang : Paul Cézanne: Parallel zur Natur

Essen (rpo). Kurz vor seinem Tod 1906 schrieb Paul Cézanne einem jungen Verehrer die prophetischen Worte: "Eine neue Ära der Kunst bricht an." Cézanne war da schon über 60 Jahre alt. Und konnte auf ein Werk zurückblicken, das den Anstoß für diese neue Ära gegeben hat. Mit dem französischen Maler begann das Zeitalter der Moderne. Pablo Picasso, Georges Braque, Henri Matisse, Fernand Léger - sie alle waren gebannt von Cézanne und seinen Bildern, in denen die Farbe sich nicht der Form unterordnete, sondern selber Formen bildete. Im nächsten Jahr feiert die Kunstwelt Cézanne anlässlich seines 100. Todestages. Schon jetzt widmet das Essener Folkwang-Museum ihm und seinen Schülern eine umfangreiche Ausstellung.

Ab Samstag sind bis zum 16. Januar unter dem Titel "Cézanne - Aufbruch in die Moderne" rund 100 bedeutende Werke zu sehen. In 15 thematischen Gruppen werden Werke Cézannes berühmten Gemälden unter anderem von Henri Matisse und Pablo Picasso gegenübergestellt. Damit werde in reicher Fülle und auf höchstem künstlerischem Niveau die grundlegende Bedeutung Cézannes für die gesamte bildende Kunst des 20. Jahrhunderts anschaulich, sagte Folkwang-Museum-Direktor Hubertus Gaßner am Donnerstag.

Insgesamt 48 Museen konnten als Leihgeber gewonnen werden, darunter das New Yorker Museum of Modern Art, die Eremitage in St. und das Pariser Musée d'Orsay. Dank dieser hochkarätigen Unterstützung konnte eine Schau zusammengestellt werden, die einen fulminanten Einblick in ein halbes Jahrhundert gibt, in dem die Kunst revolutioniert wurde.

Im Mittelpunkt stehen der 1839 geborene Sohn eines Hutmachers und Bankiers, Paul Cézanne, und seine 43 Selbstbildnisse, Frauenporträts, Badende, Stilleben und Landschaften. Vor allem in der thematischen Gegenüberstellung von Werken der nachfolgenden Meister der klassischen Moderne zeigt sich Cézannes Größe.

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In seinen berühmten Stilleben drapiert er zwar fast als Anlehnung an die Stilleben-Kunst des 17. Jahrhunderts Früchte, Geschirr und Gläser. Doch Cézanne sorgt mit seinen Farbverwischungen und immer reduzierter werdenden Arrangements für eine eigene Bildwirklichkeit. Statt auf die äußere Ähnlichkeit setzte er auf Malerei "parallel zur Natur", wie er einmal sagte.

Der Einfluss Cézannes, bei dem Flächen mehr und mehr übereinander fallen und verzerrt werden, spiegelt sich in den einzelnen Ausstellungsschwerpunkten wider. So lassen sich gleich zu Beginn der Schau vier Porträts vom Kunstsammler Ambroise Vollard miteinander vergleichen. Besitzen die impressionistischen Vollard-Bildnissen von Pierre Bonnard noch eine räumliche Stabilität, scheint Vollard bei Cézanne fast in einem dunkel gehaltenen Farbrausch zu verschwinden. Und 1910 wird Picasso ein typisches Meisterwerk des Kubismus schaffen, wenn er den Schädel Vollards aus geometrisch Splittern zusammensetzt.

Kunstgeschichte wird in Essen über ausgewählte, exquisite Gemälde lebendig. Wo schließlich hat man schon die Möglichkeit, einem Picasso-Harlekin und dem Harlekin-Porträt "Mardi Gras" von Cézanne zu begegnen, das seit seiner Präsentation in der Berliner Galerie Cassirer im Jahr 1900 zum ersten Mal wieder in Deutschland zu sehen ist. Und wenn man den abstrahierten Architekturformen eines Georges Braque von 1910 gegenübersteht, weiß man, welches Bild dafür Pate stand: Cézannes "Der Steinbruch von Bibémus" (1895) mit den sich übereinander schiebenden Felsmassen. "Eine neue Ära der Kunst bricht an", hatte Cézanne vorausgesehen. Dass er damit eigentlich sein Werk gemeint haben muss, beweist die Ausstellung nachdrücklich.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Cézanne - Aufbruch in die Moderne

(afp)