1. Kultur

Ostern erzählt von den letzten Tagen Jesu. es beginnt mit Palmsonntag.

Serie über die Karwoche : Zum Einzug Hosanna

Ostern erzählt von den letzten Tagen Jesu. Und es beginnt mit dem Palmsonntag.

Kein anderes christliches Hochfest kennt eine solche Dramatik wie Ostern. Mit all der Hoffnung und den Enttäuschungen, dem Vertrauen und dem Verrat, der unfassbaren Gewalt und schließlich dem Sieg über den Tod. Vor allem die Verzweilfung hat der kommenden Woche ihren Namen gegeben: Das althochdeutsche Wort Kar bezeichnet die Klage, die Trauer und den Kummer. Es sind düstere Tage, von denen die vier Evangelisten der Nachwelt berichtet haben.

Fast wie ein Fremdkörper erscheint dabei der Palmsonntag. In großer Einmütigkeit berichten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes von einem Tag ungetrübter Hochstimmung. Und das ist noch zurückhaltend formuliert: Denn der Palmsonntag steht im Zeichen des Triumphes. Die Botschaft Jesu scheint sich zu erfüllen – hier und jetzt. Auf seinem Pilgerweg hat sich Jesus mit seinen Zwölf Jüngern Jerusalem zum Ziel gesetzt, die Heilige Stadt. Diese Etappe aber wird er nicht zu Fuß gehen; er reitet ein und das war seinerzeit ein Privileg der Könige. Aber es ist kein stolzes Pferd, sondern eine geliehene Eselin, die Jesus trägt. Der König, der nach Jerusalem kommt, ist ein König der Armen.

Und die Menschen sind regelrecht aus dem Häuschen: die messianische Hoffnung scheint sich zu erfüllen. Sie breiten ihre Kleider auf der Straße aus, auf der Jesus kommt. Und sie reißen Zweige von den Bäumen, mit denen sie den neuen König willkommen heißen. Daher der Name Palmsonntag. An diesem Tag ist alles gut und alles richtig. Und doch ist der Palmsonntag für uns kein reiner Freudentag, weil zu ihm immer auch der weitere Verlauf der Geschichte gehört, die Passion Jesu, sein Leiden, sein Sterben am Kreuz. Ist der Palmsonntag somit nur ein trügerischer Prolog der Karwoche? Und der Jubel des Tages nur einer kurzen Sensationslust geschuldet? Der frohe Palmsonntag ist mehr als nur ein Schlaglicht: Er führt zum Ort der Auferstehung und intoniert den späteren und leiseren Sieg des Lebens über den Tod.