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Orgelmusik von Dandrieu

CD-Tipp : Prächtige Orgelmusik aus Versailles

Jean-François Dandrieu war einer der einfallsreichsten Komponisten des französischen Barock. Jetzt stellt eine neue CD seine „Magnificat“-Vertonungen vor.

Klassik Eines Tages – es war das Jahr 1687 – hatte Ludwig XIV., der berühmte Sonnenkönig von Versailles, Besuch der Verwandtschaft. Angemeldet hatten sich seine Schwägerin Liselotte von der Pfalz und deren Gatte, sein Bruder Philippe I. von Orleáns. Ludwig plante nun ein hübsches musikalisches Beiprogramm, und da traf es sich exzellent, dass es einen hochbegabten Fünfjährigen gab, der famos Cembalo und Orgel spielte und mit dem man Staat machen konnte. Jean-François Dandrieu, so hieß das Kerlchen, wurde gebeten, einige Stücke vorzutragen.

Die Schwägerin war entzückt und hielt fortan die Hand über dem Jungen. Als ihr Mann starb, war es dessen Sohn Philippe, der nach dem Tod des Sonnenkönigs zunächst die Regentschaft ausübte und Dandrieu 1721 zum Organisten an der königlichen Kapelle machte, wo es eine neue Clicquot-Orgel gab. Zuvor war der Tastenkünstler bereits Organist an Saint-Merry in Paris gewesen.

Dandrieu, der bald auch als Komponist reüssierte, gehörte zur Gruppe derjenigen französischen Komponisten, die mit Macht aus den strengen Formen der in Frankreich herrschenden musikalischen Konventionen auszubrechen suchten. Sie liebäugelten mit dem italienischen Stil, der weniger rigide angelegt war. Für solche Experimente hat man an Liselottes Hof ein offenes Ohr. Dandrieu dankte ihr diese Gewogenheit. Er stand noch am Anfang seiner Karriere, als er seine Triosonaten veröffentlichte. Gewidmet hat er sie Liselotte, die in der Widmung nur als „Madame“ bezeichnet wird. Sie wusste, dass sie gemeint war.

Jetzt kann man sich ein wunderbares Bild von Dandrieu machen. Jean-Baptiste Robin spielt auf einer CD des Labels CVS eine Reihe von Magnificat-Vertonungen des Meisters, und zwar auf der Orgel der königlichen Kapelle in Versailles – da, wo auch für Jean-François Dandrieu alles begonnen hatte. Wolfram Goertz