1. Kultur

"Opheus steigt herab" feiert in Düsseldorf eine finstere Premiere

Premiere am Düsseldorfer Schauspielhaus : Einer wollte wie Orpheus singen

Am Düsseldorfer Schauspielhaus feierte jetzt „Orpheus steigt herab“ von Tennessee Williams eine finstere Premiere. Inszeniert wurde das Drama von David Bösch.

Nicht erst seit Reinhard Mey zählt Orpheus zu den populärsten griechischen Göttern.  Ein Popstar im mythologischen Kosmos, der mit seiner Lyra das Unmögliche versucht: seine Frau, die an einem Schlangenbiss verstarb, aus dem Reich der Toten herauszuführen. Was auch zu gelingen scheint, bis Orpheus sich zur Gattin umschaut (was ihm strengstens untersagt war) und sie damit auf ewig verliert.

Bei Tennessee Williams ist Orpheus schon in der Hölle angekommen, im Two River County, einem Kaff irgendwo in den Südstaaten und irgendwann in den 1950er Jahren, wo der Rassismus unfröhliche Urständ’ feiert, Sexismus ungehemmt gelebt und Brutalität exekutiert wird. „Orpheus  steigt herab“ heißt das Drama, an dem Tennessee Williams 17 Jahre gearbeitet haben soll, nachdem es unter einem anderen Titel 1940 durchgefallen war.

Unser Orpheus heißt Val, ein in Schlangenlederjacke (!) gewandeter freier Geist in unfreier Gesellschaft, der einen Job, eine Bleibe sucht. Die findet er bei Lady, die eine Konditorei wiedereröffnen möchte. Ihr sterbenskranker Mann liegt oben in seinem Zimmer und bemüht sich mit letzter Luft, seine alte Tyrannei fortzusetzen: Er selbst war mit von der Partie, als Männer der Ortschaft das Haus von Ladys Vater, einem italienischen Einwanderer – nach wie vor Itaker genannt –, anzündeten und ihn ermordeten. Die vermeintliche Schuld: Er hatte auch Schwarzen Alkohol ausgeschenkt.

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Das Stück ist ein graues Sammelsurium von Gestrandeten, Irregeleiteten, Verträumten, Liebesunfähigen. Ein ganz normales Horrorkabinett. Daran krankt  dieses Drama: Im Mythos gibt es noch einen Schimmer der Hoffnung, bei Williams regiert von Beginn an die Ausweglosigkeit. Sicher, dafür finden sich allerlei existentialistische Schlagwörter wie die absurde Sinnsuche des modernen Menschen. Dass dies spätestens mit Georg Büchner immer und immer wieder herbeigeschworen wird, macht es nicht sonderlich brisanter.

Genau das spiegelt auch die Inszenierung in der Regie von David Bösch. Vor einer mehr oder weniger konventionellen Kulisse läuft sich das Stück leer. Es scheint zu implodieren, so spannungslos ist das, was sich stellenweise auf der Bühne abspielt und in klischeehaften Darstellungen erschöpft: Sebastian Tessenow gibt Val als Melancholiker, und Andreas Grothgar muss einen Sheriff spielen, wie man ihn seit „Bonanza“ nicht mehr zu sehen hoffte. Allein Sonja Beißwenger und Lou Strenger können die dankbareren Rollen der Lady und Carol mit Ausdruck beleben. Zwischendurch gibt es wenige, gruselige Videoprojektionen auf den geschlossenen Vorhang, die mit ein paar Liedern zwischendurch der Inszenierung den Anschein von zeitgemäßem Theater geben sollen. Der Showdown am Schluss, bei dem an Munition nicht gespart wird, rettet nichts mehr. „Mal sehen, wie es heute Abend ausgeht“, orakelt Carol zu Beginn. Im Grunde recht finster, so und so.

Info Karten unter Tel. 0211-369911