Jury gibt Entscheidung bekannt: "Opfer-Abo" ist Unwort des Jahres 2012

Jury gibt Entscheidung bekannt : "Opfer-Abo" ist Unwort des Jahres 2012

"Opfer-Abo" ist das Unwort des Jahres 2012. Das gab die Jury der sprachkritischen Aktion am Dienstag in Darmstadt bekannt. Das Schlagwort wurde einer Äußerung von Jörg Kachelmann zugeordnet.

Geprägt wurde der Begriff von Jörg Kachelmann im Oktober 2012. Nach seinem Freispruch von Vergewaltigungsvorwürfen attackierte er Polizei, Medien und Justiz in seinem Buch "Recht und Gerechtigkeit". In mehreren Interviews zur Buchveröffentlichung gab Kachelmann unter anderem die umstrittene Bemerkung ab, Verleumdungen seien für Frauen eine "beliebte und effektive Waffe" geworden.

Sie hätten ein "Opfer-Abo", mit dem sie ihre Interessen in Form von Falschbeschuldigungen, etwa Vergewaltigungen, gegenüber Männern durchsetzten. Die Jury kritisierte den Begriff dafür, dass er Frauen "pauschal und in inakzeptabler Weise" unter den Verdacht stelle, sexuelle Gewalt zu erfinden und damit selbst Täterinnen zu sein. Dies sei vor dem Hintergrund, dass sich in Deutschland nur eine kleine Minderheit der von sexueller Gewalt betroffenen Frauen überhaupt an die Polizei wendeten, "sachlich grob unangemessen". "Das Wort verstößt damit nicht zuletzt auch gegen die Menschenwürde der tatsächlichen Opfer", so die Unwort-Jury.

Platz zwei für die "Pleite-Griechen"

Die Zahl der Einsendungen für das Unwort des Jahres 2012 korrigierte die Jury noch einmal nach oben. Insgesamt waren bei der Aktion 2241 Einsendungen mit 1019 verschiedenen Vorschlägen eingegangen. Bei der Auswahl sei nicht die Häufigkeit der Nennung eines Worts ausschlaggebend, sondern ihr Öffentlichkeitscharakter, erläuterte Jury-Sprecherin Nina Janich.

Auf Platz zwei der Unwörter landete "Pleite-Griechen", vor dem Begriff "Lebensleistungsrente" auf Platz drei. Im Jahr 2011 war "Döner-Morde" für die Mordserie der NSU-Extremisten auf Platz eins der Negativliste gewählt worden, 2010 "alternativlos" und 2009 "betriebsratsverseucht".

Gute Aussichten auf einen Platz auf dem Siegertreppchen wurde zuvor "Schlecker-Frauen" zugeschrieben. Der im Zusammenhang mit der Insolvenz der Drogeriemarktkette geprägte Begriff sei mit 163 Nennungen das mit Abstand am häufigsten eingesandte Unwort. Die Formulierung "Schlecker-Frauen" war bereits bei der Kür zum Wort des Jahres auf Platz vier gelandet. Nach Ansicht der Gesellschaft für deutsche Sprache wird den ehemaligen Mitarbeiterinnen damit "sprachlich ein Denkmal" gesetzt.

Potenzial für ein Unwort haben den Angaben zufolge Begriffe, die die Menschenwürde verletzen, gegen sachliche Angemessenheit verstoßen oder einen Sachverhalt verschleiern.

Zum Börsen-Unwort 2012 wurde "freiwilliger Schuldenschnitt" bestimmt.

Hier geht es zur Infostrecke: Die Worte des Jahres 2012

(APD/dpa/KNA/jre/rm)
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