Olaf Kröck leitet jetzt die Ruhrfestspiele

Theater-Festival : Olaf Kröcks neue Ruhrfestspiele

Seine erste Programm-Pressekonferenz beginnt Olaf Kröck mit einem Zitat des legendären Regisseurs Peter Brook: „Ich kann jeden leeren Raum nehmen und ihn eine nackte Bühne nennen.“ Mit dem neuen Intendanten soll sich bei den Ruhrfestspielen manches ändern.

Unter der Leitung des 47-jährigen gebürtigen Vierseners Kröck werden die Ruhrfestspiele mit 90 Produktionen (1. Mai bis 9. Juni) weniger offensichtliches Star-Appeal haben, aber weiter ein großes Fest des Schauspiels und der Schauspieler sein – und unter dem Motto „Poesie und Politik“ mehr Anspruch und inhaltliche Tiefe bieten.

Dafür steht auch der 93-jährige Peter Brook selbst, dessen aktuelle Inszenierung „The Prisoner“ als Deutschlandpremiere im Recklinghäuser Ruhrfestspielhaus zu sehen sein wird. Dafür steht „Ein wenig Leben“, das der Regie-Weltstar Ivo van Hove nach dem Bestseller von Hanya Yanagihara auf persönlichen Wunsch der Autorin mit einem fulminanten niederländischen Ensemble adaptiert hat. Dafür stehen Karin Beiers „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ mit Maria Schrader und Devid Striesow oder die Bühnenversion von Alexander Schimmelbuschs Roman „Hochdeutschland“, die Christopher Rüping besorgt, der gerade zum dritten Mal zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde.

Mit einer Einladung verweigert sich Olaf Kröck auf besonders spannende Art dem Aktualitätszwang der großen Theaterfestivals: Brechts „Arturo Ui“ ist in einer 24 Jahre alten Inszenierung von Heiner Müller zu sehen, der vor kurzem 90 Jahre alt geworden wäre. Die Hauptrolle verkörpert Martin Wuttke, der am nächsten am Hollywood-Glanz ist, weil er in Tarantinos „Inglourious Basterds“ Hitler gespielt hat.

Ansonsten hat der neue Intendant, der mit einem um eine Million Euro geschrumpften Etat auskommen muss, zwar keine Hollywood-Stars, aber trotzdem große Namen im Gepäck, die an ungewöhnlichen Stellen auftauchen: Lars Eidinger zum Beispiel legt als DJ bei der Abschlussparty auf, weil ein Schauspiel-Projekt mit ihm (noch) nicht zustande kam. Sandra Hüller trifft auf den Düsseldorfer Musiker Hauschka, Literaturpreisträgerin Herta Müller trifft sich mit Denis Scheck zum literarischen Talk, und Charly Hübner, Caroline Peters, Dietmar Bär und Milan Peschel sind bei Lesungen zu erleben.

Ein ziemlich radikaler Bruch mit den Gewohnheiten ist die Eröffnung. Statt einer Inszenierung des Intendanten (Olaf Kröck ist eigentlich Dramaturg und inszeniert äußerst selten) gibt es nach dem traditionellen Kulturvolksfest am 1. Mai am 3. Mai eine Tanz-Choreographie: In „Beytna“ von Omar Rajeh aus dem Libanon finden Choreographen-Kollegen auf der Bühne zu einer gemeinsamen Tanz-Sprache, während Rajehs Mutter an einem Tisch steht und für alle Zuschauer Fatouch kocht. Weitere Höhepunkte in diesem Genre sind „Grand Finale“ des Israelis Hofesh Shechter und „The Great Tamer“ von Dimitris Papaioannou.

Wie angekündigt gibt es unter Kröck kein Fringe-Festival mehr und nur noch ein Festspielzelt. Inszenierungen für Kinder und Jugendliche oder aus dem Bereich Neuer Zirkus finden jetzt auf allen Bühnen statt – eine zeitgemäße Herangehensweise, die für die Integration der künstlerischen Ausdrucksformen steht.

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