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Oberhausen: Oberhausen bestellt den Sparkommissar

Oberhausen : Oberhausen bestellt den Sparkommissar

Oberhausen ist die höchstverschuldete Kommune in Deutschland. Peter Carp, Intendant des dortigen Theaters, hat seine neue Saison jetzt mit "Der Sparkommissar" eröffnet. Weil "Sparkommissar" das erste Wort war, das er in Oberhausen kennenlernte. Das Stück wiederum lernte er auf einer Reise nach Dublin kennen. Der irische Autor Roddy Doyle ("Die Commitments") hat damit vorsichtig Nikolaj Gogols "Revisor" modernisiert. Doch obwohl Irland eines der am stärksten von der Finanz- und Wirtschaftskrise gebeutelten Länder war, hat dies nicht Einzug ins Stück gefunden. Mit Doyle belässt es auch Peter Carp bei der Verwechslungskomödie, dem absurden Rollenspiel, das die Provinzler sich gegenseitig aufführen, damit bloß alles beim Alten bleibt.

"Der Sparkommissar" sagt so mehr über den kommunalen Klüngel als über das Spiel der Finanzjongleure, Banken und Rating-Agenturen. Schon das gelungene Bühnenbild von Kaspar Zwimpfer ist die perfekte Illustration der Aussage. Sein Ratssaal wirkt wie aus der Zeit gefallen, doch jeder, der einmal einer Sitzung in einem Ruhrgebietsrathaus beigewohnt hat, weiß: Genau so sieht es dort aus. Alles beim Alten, seit Jahrzehnten, meist inklusive der Mehrheitsverhältnisse.

Das schmierige, absurde Schauspiel, das der Bürgermeister, seine Familie und die Dezernenten aufführen, als mit dem abgebrannten Beamten Chlestakow der vermeintliche "Sparkommissar" aus der Hauptstadt auftaucht, inszeniert Peter Carp mit leichter Hand als Farce mit Slapstick-Elementen. Gerade, weil er sich hier zum ersten Mal im komödiantischen Fach versucht, ist ihm anzurechnen: Das Publikum lacht und amüsiert sich. Bei Frank Hoffmanns Inszenierung des "Revisors" zur Eröffnung der Ruhrfestspiele war dem nicht so.

Gekonnt auf die Spitze treibt er das Spiel, wenn Chlestakow (Martin Hohner) wild über die Ehefrau des Bürgermeisters herfällt und ihr Gatte (Torsten Bauer, der irgendwo zwischen Theo Lingen und Detlef Buck agiert) unbeholfen daneben steht und versucht, sein längst entglittenes Gesicht zu wahren. Ein Kommentar zur Krise ist diese Party auf der Bühne, der es manchmal ein wenig an Spritzigkeit fehlt, allerdings höchstens im Sinne des Oberhausener Spielzeitmottos: "Krise – welche Krise?"

Termine und Karten: 0208/8578184

(RP)