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Oberhausen: Oberhausen: Amphitryon auf der Tanzfläche

Oberhausen : Oberhausen: Amphitryon auf der Tanzfläche

Auf den Tanzflächen der Diskotheken spielen sich jeden Abend kleine soziale Dramen ab. Menschen sind auf der Suche nach Liebe und nach der eigenen Identität. In ist, wer drin ist – und wer rein kommt, entscheidet der Türsteher. Für den Amphitryon des Theaters Oberhausen wird das zum Problem. Regisseur Sarantos Zervoulakos, der am selben Ort vergangene Saison eine herausragende "Iphigenie auf Tauris" inszeniert hat, verlegt die Geschichte aus dem antiken Mythos auf die Tanzfläche.

Einzige Requisiten sind ein paar Musikinstrumente und ein Absperrband. Es bildet den Eingang zur Party in Amphitryons Haus und Türsteher ist der rüpelhafte Gott Merkur (Peter Waros), der die Gestalt des Dieners Sosias angenommen hat. Merkur macht dicht, denn drinnen macht sich Jupiter in Gestalt des Amphitryon an dessen Frau Alkmene (Elisabeth Kopp) heran. Obwohl die Götter wie coole Clubgänger auf dem Party-Zenit mit nacktem Oberkörper spielen, sprechen sie wie alle anderen Figuren Kleist. Manchmal verliert man ihre neue Verortung so völlig aus den Augen und sieht nur Schauspieler, die – nicht immer sehr packend – ihren Text auf der fast leeren Bühne aufsagen.

Kleist hat Molières Lustspiel um die tragische Dimension des Identitätsverlusts und der Vertrauensprüfung zwischen Liebenden erweitert. In Zervoulakos knapper Fassung tritt sie zugunsten der komödiantischen Aspekte wieder in den Hintergrund. Sosias (knuffig: Klaus Zwick) und Merkur bieten sich eine Slapstick-Käbbelei. Manja Kuhl spielt als Sosias Gemahlin etwas überdreht und unerklärlicherweise im 50er-Jahre-American-Diner-Kostüm. Henry Meyers Amphitryon schaut mehr dumm als traurig aus der Wäsche. Und Martin Hohner will als Jupiter eigentlich nur spielen. So ziehen 100 Minuten sprachlich anspruchsvolle, aber letztlich doch leichte Unterhaltung am Zuschauer vorbei, die leider nie wirklich berühren.

(RP)