Neuer Musikpreis "Opus Klassik"

Neuer Musikpreis : Der „Echo Klassik“ heißt jetzt „Opus“

Nach dem Skandal um zwei Rapper war auch die Klassik betroffen. Jetzt gibt es eine neue Auszeichnung, die sich von der Musikindustrie getrennt hat. Vor allem soll der neue Klassik-Preis mehr als nur Schallplatten würdigen.

Es war nicht alles schlecht beim „Echo“. Der Musikpreis hatte, was seine Klassik-Sparte betraf, Glitter, Glanz und Gloria, das ZDF war ihm medial mit opulenter Ausstrahlung (wenn auch stets zeitversetzt) treu ergeben, und zuverlässig bekamen ihn Künstler für eine Platte verliehen, die sich seit Monaten sowieso gigantisch verkaufte. Man erlebte die Selbstfeier der Schallplattenindustrie.

Als der Tsunami der Empörung über zwei Skandal-Rapper hereingebrochen war, die den „Echo“ gewonnen hatten, färbte die Stimmung auch auf die Klassikkollegen ab. Viele Bewahrer jener Welt, die von Claudio Monteverdi bis zu György Ligeti reicht, distanzierten sich vom Preis, manche gaben ihn sogar zurück. Es war ein Scherbengericht, eine wahre Höllenfahrt. Und alle versprachen, in sich zu gehen und auch die Modalitäten neu zu definieren: Was kann ein Preis wert sein, den eine Branche für ihre erfolgreichsten Verdiener oder für diejenigen auslobt, die dringend der Promotion bedürfen?

Jetzt gibt es einen Nachfolger für den „Echo Klassik“. Er heißt „Opus Klassik“, und nicht mehr der Bundesverband der Musikindustrie, sondern ein Trägerverein vergibt ihn. Im Vorstand sind Konzertveranstalter wie die Firma Rudolf Goette aus Hamburg, Dagmar Sikorski (Chefin des Sikorski-Verlags) und Benedikt Stampa, der künftige Intendant des Festspielhauses Baden-Baden. Vorsitzender ist Burkhard Glashoff, der für Goette die Konzerte der Elbphilharmonie organisiert und auch die Heinersdorff-Konzerte in Düsseldorf managt. Glashoff will den Verdacht, der neue Preis biete „alten Wein in neuen Schläuchen“, gleich ausräumen: „Es wird kein Schallplattenpreis mehr sein, sondern ein Preis von der Klassik für die Klassik.“ Alte Seilschaften wurden aussortiert, es sieht nach einem radikalen Umbruch aus. Das kann der Sache nur helfen.

„Opus“ ist natürlich glänzend gewählt. Opus-Zahlen, das sind die Insignien der Meisterwerke, denken wir an die Beethoven-Sonaten, bei denen die Fans sowieso nur noch „Opus 106“ oder „Opus 111“ kennen – das klingt nach klassischer Wertarbeit aus der Komponistenwerkstatt, nach dem Siegel, das der Güte anheftet. Zwar heißt der Verein selbst etwas zurückhaltend „Verein zur Förderung der Klassischen Musik“, aber die Organisatoren wollen trotz dieses akademischen Labels gerade das Kreative fördern. Glashoff: „Wir möchten die wirklich großen Künstler, aber auch die Newcomer auszeichnen, wollen innovative Konzertformate, originelle Kompositionen und engagierte Konzerthäuser auszeichnen – und hervorstechende Nachwuchspflege.“ Natürlich geht das nicht ohne die Schallplattenfirmen, aber sie sind eben nicht mehr Mehrheitsbeschaffer in eigener Sache.

Erst in der vergangenen Woche wurde der Verein ins Vereinsregister eingetragen, doch da er das vorgebuchte ZDF-Zeitfenster für den 14. Oktober nicht verfallen lassen wollte, wird der neue „Opus“ des Jahres 2018 ausnahmsweise noch mit den bereits erfolgten „Echo“-Auszeichnungen leben müssen. Glashoff: „Wir wollten kein leeres Jahr haben.“ Schauen wir indes uns nur die Sony-Künstler an, so kann man mit den diesjährigen Preisen sehr gut leben, sie wirken nicht wie peinliche Altlast, im Gegenteil. Paavo Järvi wird für seine überragenden Brahms-Aufnahmen mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen als „sinfonische Aufnahme des Jahres“ geehrt, die russische Sopranistin Olga Peretyatko für ihr tolles Album „Russian Light“. Das Ensemble Capella de la Torre unter ihrer Leiterin Katharina Bäuml wird für das Album „Una Serata Venexiana“, eine Co-Produktion mit dem WDR, in der Kategorie „Kammermusikeinspielung des Jahres“ ausgezeichnet.

Natürlich gab es immer zu viele „Echos“ in der Klassik, kaum ein Künstler auf Tournee, dem der Preis nicht nachhallte. Insofern ist die Verschlankung ein enormer Gewinn. Und dass viele Künstler und Kunstschaffende gerade nicht durch Hochglanz- oder Tourneeplakate bekannt sein werden, kann dem Preis nur zu hoher Achtung und Reputation verhelfen.

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