50 Jahre „Village Green“ Die Kinks besingen ihre Kindheit

London · „Village Green“, das beste Album der britischen Band, feiert seinen 50. Geburtstag.

 Englische Songwriting-Giganten: Die Kinks im Jahr 1968, als „Village Green“ erschien.

Englische Songwriting-Giganten: Die Kinks im Jahr 1968, als „Village Green“ erschien.

Foto: Warner

Jeder sollte diese Platte hören, sie macht glücklich, außerdem weiß man danach, wo Damon Albarn seine Inspiration für die beste Phase seiner Band Blur her hat. „The Kinks are the Village Green Preservation Society“ heißt das Album aus dem Jahr 1968, es ist gerade 50 Jahre alt geworden und liegt in einer digital polierten Jubiläumsausgabe vor. Und wer es noch nie gehört hat, aber eine Ahnung davon bekommen möchte, wie es in den Liedern zugeht, möge diese Zeile aus dem Titelsong lesen: „God save Strawberry jam and all the different varieties“. Jedenfalls will man danach gleich ein Tweed-Sakko kaufen gehen.

Die Hitmaschine der Kinks war damals ein wenig ins Stocken geraten, sie hatten in den vergangenen Jahren Klassiker um Klassiker aufgenommen, „Waterloo Sunset“ etwa, „Sunny Afternoon“ und natürlich „You Really Got Me“. Aber nun war der Wurm drin, es gab Streit, die Zeiten waren andere geworden, die Kollegen der Beatles verloren sich in den Weiten der Psychedelia, und Kinks-Songwriter Ray Davies und sein Bruder Dave Davies mochten da nicht mitgehen.

Sie nahmen lieber ein Konzeptalbum auf, sehr idyllisch, bukolisch geradezu, und sie erzählten darauf von einem imaginären Dorf, das im Grunde nichts anderes war als das Merry Old England ihrer Jugend in den 1950er Jahren. Es ist eine Welt vor dem Erwachsenwerden, das die Kinks schildern, und die Platte funktioniert wie eine Kurzgeschichten-Sammlung. Allein das Personal ist großartig: die Phenomenal Cat, Wicked Arabella und Johnny Thunder.

Die Platte war damals ein wirtschaftlicher Flop, aber seit nachgeborene Giganten wie Paul Weller und Noel Gallager ihre Verehrung für die Melodien, die Harmonien und diese Britishness kundtaten, gilt sie als Meisterwerk dieser im Vergleich mit Beatles und Stones stets zu kurz gekommenen Gruppe. „Village Green“ ist ein nostalgisches Vergnügen, man höre nur mal das Lied „Sitting By The Riverside“. Da sieht man sich gleich in einer alten Music Hall in Brighton sitzen; bisschen schicker vom Gin, aber guter Dinge.

Geht eigentlich gar nicht besser.

Info Die Jubiläumsausgabe ist in verschiedenen Formaten bei Warner erschienen.