1. Kultur

Nachruf auf den spanischen Autor Carlos Ruiz Zafón

Spanischer Schriftsteller : „Der Schatten des Windes“: Carlos Ruiz Zafón ist tot

Der spanische Schriftsteller veröffentlichte seinen Weltbestseller vor 20 Jahren. Er starb in seiner Wahlheimat Los Angeles an einer Krebserkrankung. Der Katalane wurde 55 Jahre alt.

(dpa) Es ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie das literarische Leben nur selten schreibt. Vor allem durch Mund-zu-Mund-Propaganda unter Lesern und ohne dass ein Verlag die Werbetrommel rührte, wurde „Der Schatten des Windes“ vor knapp 20 Jahren ein Welterfolg. Seiner Geburtsstadt Barcelona setzte Carlos Ruiz Zafón mit der abenteuerlichen Geschichte um ein verwunschenes Buch und den „Friedhof der vergessenen Bücher“ ein literarisches Denkmal. Jetzt ist er mit nur 55 Jahren in seiner Wahlheimat Los Angeles an Krebs gestorben, wie sein Verlag mitteilte.

Bis heute wurde „Der Schatten des Windes“ mehr als 15 Millionen mal verkauft, und damit gilt der Katalane als einer der erfolgreichsten spanischen Autoren überhaupt. Nur der Klassiker der spanischen Literatur, „Don Quijote“ von Miguel de Cervantes, fand eine weitere Verbreitung. „Der Schatten des Windes“ ist der erste Teil einer Tetralogie, der in den folgenden Jahren die Bände „Das Spiel des Engels“, „Der Gefangene des Himmels“ und „Das Labyrinth der Lichter“ folgten. Auf den Spuren der Romanhelden Daniel Sempere und Fermín Romero de Torres sind in den vergangenen Jahren Heerscharen von Zafón-Fans durch die Altstadt von Barcelona gepilgert.

  • Oscar-Verleihung in Pandemie-Zeiten : Veranstalter erlassen neue Masken-Regeln für Stars
  • Auf rotem Teppich : Stars präsentieren in Los Angeles die Oscar-Mode der Pandemie-Zeit
  • Die Autorin Linda Zervakis berichtet in
    Kulturveranstaltungen in der Corona-Pandemie : Düsseldorfer Literaturtage 2021 notfalls nur digital

Ruiz Zafón war ausgebildeter Journalist. Er verdiente sein Geld als Texter in einer Werbeagentur und dann als Drehbuchautor in Los Angeles, wohin er 1994 übersiedelte. Er schrieb Jugendromane wie „Der Fürst des Nebels“ (1993, dt. 1996) oder „Marina“ (1999, dt. 2011), ehe ihm 2001 mit „Der Schatten des Windes“ (dt. 2003) der Durchbruch gelang. In seinen Romanen mischt sich in der Tradition der Gothic Novel Reales mit Phantastischem. Es geht in ihnen auch um die jüngere spanische Geschichte und um die Liebe zum Buch und zur Literatur.

Dass er als Katalane auf Spanisch schrieb, erklärte Ruiz Zafón damit, dass zu seinen Schulzeiten nur auf Spanisch unterrichtet wurde. Denn das Katalanische war unter der Franco-Diktatur (1939-1975) verboten. „Der Schatten des Windes“ ist Kriminal-, Liebes- und Bildungsroman in einem, es zeichnet das Klima im Barcelona der 40er und 50er Jahre, die bleierne Schwere der Jahre nach dem Bürgerkrieg. Und es geht um die Macht des geschriebenen Wortes. Denn ein Buch spielt darin eine Hauptrolle.

Auf den „Schatten des Windes“ folgte 2008 „Das Spiel des Engels“ und 2011 „Der Gefangene des Himmels“ und schließlich 2016 „Das Labyrinth der Lichter“, die miteinander verknüpft sind und ebenfalls im Bannkreis des „Friedhofs der vergessenen Bücher“ spielen. Manche Kritiker bemängelten eine Neigung zum Trivialen, zu Floskeln und abgedroschenen Bildern oder eine zum Teil verworrene und überkonstruierte Handlung. Den großen Erfolg konnte Zafón mit den Folgebänden nicht wiederholen.

Ruiz Zafón verstand sich selbst als disziplinierter Arbeiter. „Schreiben ist harte Arbeit, die Musen säuseln einem nichts ins Ohr“, sagte er. Seinen Romanheld David Martín lässt er im „Spiel des Engels“ einmal sagen: „Die Inspiration kommt, wenn man die Ellbogen auf den Tisch drückt, den Hintern in den Stuhl und anfängt zu schwitzen.“

(dpa)