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Nachfrage für neue Friedenspreisträgerin Tsitsi Dangarembga steigt

Wie Ehrungen den Buchmarkt ankurbeln : Nachfrage für die neue Friedenspreisträgerin aus Simbabwe steigt

Im Moment ist es schwer, an die übersetzten Romane von Tsitsi Dangarembga zu kommen. Viele sind vergriffen. Aber eine zweite Auflage ihres Debüts „Aufbrechen“ wird gerade gedruckt, und im September soll „Überleben“ erscheinen.

Und jetzt lesen alle Tsitsi Dangarembga? Zumindest können viele, die den Namen zu Beginn der Woche noch nie gehört hatten, ihn jetzt sogar aussprechen. Und manche bemühen sich, auch an die Bücher der neuen Friedenspreisträgerin des deutschen Buchhandels aus Simbabwe zu kommen. Das aber ist nicht so leicht. Fast alles ist vergriffen, und besonders schwer ist es, an ihr gefeiertes Debüt „Aufbrechen“ von 1988 zu kommen. Das liegt natürlich am renommierten Preis, aber eben auch daran, dass von der 62-jährigen Autorin, Feministin und Filmemacherin bislang nicht so schrecklich viele Exemplare verfügbar waren. Der Orlanda-Verlag aber teilte uns mit, dass „Aufbrechen“ jetzt in die 2. Auflage geht. Insgesamt jedoch sei die Nachfrage noch eher mäßig.

Auch das sind die Gesetze des Buchmarktes: Wenn der Literaturnobelpreis verkündet wird, dann knallen in aller Regel reichlich Sektkorken: Im Haus des Preisträgers natürlich, aber auch des Verlegers. Und der ruft umgehend bei der Druckerei an, um möglichst schnell möglichst viele Bücher des Preisträgers in den Handel zu bringen. Ähnlich ist auch beim Deutschen Buchpreis, der mit seiner speziellen und wochenlangen Dramaturgie von Longlist, Shortlist und Verkündigung im Frankfurter Römer auch als Marktinstrument zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse dient.

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Beim Friedenspreis ist das etwas anders. Auch er kann die Verkaufszahlen und somit die Bekanntheit eines Autors steigern. Das war vor allem bei David Grossmann 2010 der Fall, auch bei den Fotobüchern von Sebastião Salgados 2019. Und Boualem Sansal (Preisträger von 2011) wurde durch die Auszeichnung hierzulande erst richtig bekannt.

Dennoch ist der Friedenspreis für die Verleger nicht zwangsläufig eine Lizenz zum Gelddrucken. Das liegt daran, dass nicht jeder Geehrte zwingend auch ein Schriftsteller sein muss und zudem kein einzelnes Werk ausgezeichnet wird. Dadurch werden allerdings andere Effekte erzielt. Gerade bei Autoren unter den Geehrten mit langer Publikationsliste werden häufig Neuauflagen längst bekannter Werke produziert und nach Auskunft des Börsenvereins dann als Longseller konzipiert.

Der Orlanda-Verlag, der die Bücher von Tsitsi Dangarembga im Programm führt und erst vor vier Jahren in Berlin-Weißensee mit viel Enthusiasmus gegründet wurde, will sich durch die Marktdynamiken erst einmal nicht verrückt machen lassen. „Überleben“, Dangarembgas preisgekrönter Roman über den Überlebenskampf von Frauen in der postkolonialen Gesellschaft Simbabwes, soll darum sorgfältig übersetzt werden und – wie vorher geplant – erst am 1. September erscheinen. Noch rechtzeitig zum Start der weltgrößten Buchmesse in Frankfurt und sechs Wochen vor der Friedenspreisverleihung in der Paulskirche.

Möglicherweise wird dann die Verleihung auch für den Verlag lukrativ. Und vielleicht gibt es schon vorher einen Grund zu feiern - weil Orlanda in die engere Auswahl um den Deutschen Verlagspreis gekommen ist. Diesen wird Kulturstaatsministerin Monika Grütters am 1. Juli verkünden. Honoriert werden verschiedene Auszeichnungen mit 60.000 und 24.000 Euro. Auch das  wäre für den Verlag goldwert, der sich zum Ziel gesetzt hat, dass „nur Bewegung in Geist und Körper Raum für neues Denken und Handeln und damit für Zukunft schafft“.