Intendant in Kassel geht Nach Streit: Christoph Nix verlässt die Bühne
Kassel (rpo). Still war er nie: Christoph Nix hat am Kasseler Staatstheater mit seinen unkonventionellen Einfällen stets Schlagzeilen gemacht. Nach fünf Jahren verlässt der streitbare Intendant das Haus und wird am Sonntag offiziell verabschiedet.
Immer wieder eckte der 49-Jährige an, weil er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hielt - ob es nun um das von ihm geleitete Haus, um Kunst oder um Politik ging. "Die politische Einmischung gehört seit Lessing zu den Grundaufgaben eines Künstlers", lautet das Credo des scheidenden Intendanten.
Seine Bilanz nach fünf Spielzeiten an der Spitze des Staatstheaters fällt selbstbewusst aus: "Es ist nichts mehr so, wie es vorher war." Als Nix 1999 antrat, übernahm er ein überregional kaum beachtetes Haus mit Schulden. Seinem Nachfolger Thomas Bockelmann, derzeit noch Generalintendant der Städtischen Bühnen in Münster, wird er nun nicht nur einen Überschuss in der Kasse übergeben, sondern auch ein bundesweit renommiertes Theater. Vor allem zu Beginn seiner Intendanz hatte Nix viele junge Regisseure nach Nordhessen geholt, deren provokante Inszenierungen die Aufmerksamkeit des Feuilletons weckten.
In Kassel hatte Nix deshalb aber nicht nur mit zurückgehenden Besucherzahlen zu kämpfen, sondern auch mit einer Bürgerinitiative, die eine Unterschriftenkampagne gegen ihn startete und eine Verlängerung seines Vertrags über fünf Jahre hinaus verhindern wollte. Dass Stadt und Land sich dann im Mai 2002 tatsächlich gegen eine Vertragsverlängerung entschieden, hatte aber wohl eher mit den zahlreichen Konflikten zwischen Nix und seinen Dienstherren sowie im Staatstheater selbst zu tun.
Im Theater geriet Nix fast schon regelmäßig mit seinem gleichrangigen Gegenüber, Generalmusikdirektor Roberto Paternostro, aneinander. So vergiftet war das Klima, dass die beiden zeitweise nur noch über ihre Anwälte miteinander kommunizierten.
Auch der jüngste Streit, der das Kasseler Staatstheater in die Schlagzeilen brachte, hatte mit dem Orchester zu tun. Anfang Juni spielte das Orchester auf einer Betriebsversammlung von Volkswagen in Baunatal und sollte dabei nach dem Willen von Intendant und Betriebsrat auch die "Internationale", das klassische Kampflied der Arbeiterbewegung, zum Besten geben. Doch die Musiker weigerten sich. Die Komposition sei "unter dem Niveau eines A-Orchesters", hieß es. Erst nach viel Aufregung und einer Intervention aus dem Ministerium einigte man sich auf einen Kompromiss und setzte statt der "Internationalen" die französische Revolutions- und Nationalhymne "Marseillaise" aufs Programm.
Wenn Christoph Nix nun Kassel verlässt, wird er sich auch von der Welt des Theaters wenigstens für die nächsten Jahre verabschieden. Seiner bunten Karriere fügt er wieder einen neuen Beruf hinzu: Die Fachhochschule Neubrandenburg wählte den 49-Jährigen, der bereits als Clown, Strafverteidiger, Schauspieler und Jura-Professor gearbeitet hat, zu ihrem neuen Rektor. Seine vierjährige Amtszeit an der FH für Agrarwirtschaft, Bauinformatik, Pflege- und Sozialwissenschaft beginnt am 1. September.