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Nach Absage: Lit.Cologne ist in seiner Existenz gefährdet

Lit.Cologne : Lit.Cologne ist nach Absage in ihrer Existenz gefährdet

Am Morgen noch hatte Geschäftsführer Rainer Osnowski entschlossen geklungen, als er verkündete, dass ein Großteil der insgesamt 203 Lesungen auf der Lit.Cologne wie geplant stattfinden werden. Wenige Stunden später dann die Verlautbarung: Eins der größten internationalen Lesefestivals Europas wird wegen der Ausbreitung des Corona-Virus abgesagt.

Nach offizieller Verlautbarung sollen zwar so viele Lesungen wie möglich in den Sommer und Herbst irgendwie verlegt werden; doch ist die Realisierung solcher Wünsche derzeit ungewiss.

Traurige Gewissheit scheint dafür diese zu sein: „In der Summe ist die Existenz der Lit.Cologne nach der Absage gefährdet“, sagte Lit.Cologne Geschäftsführer Rainer Osnowski unserer Redaktion. Ab morgen müsse man daher sehen, „wie das Konstrukt Lit.Cologne wieder so stabilisiert werden könne, dass es 2021 noch ein Festival gibt“. Auch nach Absage der Leipziger Buchmesse – die parallel zur Lit.Cologne stattfindet und für das Frühjahrsgeschäft der Buchbranche ein wichtiger Motor ist – sei es „ein schwarzes Frühjahr für die Kultur“.

Stabilität in das Kulturunternehmen Lit.Cologne bekomme man „möglicherweise auch mit Hilfe des Landes NRW, von dem wir bisher noch nie Subventionen bekommen haben“, sagte Osnowski. Vielleicht gibt es nach seinen Worten eine Art Hilfsfonds. „Alle, die Interesse daran haben, dass die Lit.Cologne weiter Bestand hat, sind dazu aufgerufen, jetzt mit uns ins Boot zu steigen."

Die späte Entscheidung zur Absage war letztlich den aktuellen Ereignissen geschuldet. In der vergangenen Nacht erreichten die Veranstalter hunderte von E-Mails besorgter Lit.Cologne-Besucher, „die auch an unsere Verantwortung appellierten oder mit ihrem Alter argumentierten“. Parallel dazu trafen weitere Absagen ein, diesmal auch von Autoren aus Deutschland wie Joschka Fischer und Senta Berger, „die sagten, wir nehmen die Reisewarnung nach NRW ernst und werden im März ungern bis keineswegs nach Köln kommen“. Mit der Absage fällt auch das komplette Kinder- und Jugendprogramm für 20.000 Schüler aus ganz NRW aus, die wegen der Empfehlung des Schulministeriums, auf Ausflüge zu verzichten, nicht nach Köln kommen.

Die 20. Ausgabe der Lit.Cologne sollte vom 10. bis 21. März dauern und prominente Autoren wie die Literaturnobelpreisträger Herta Müller und Mario Vargas Llosa präsentieren sowie Sebastian Fitzek, Nick Hornby, Naomi Klein, Richard David Precht und Ai Weiwei.