Musiktheater im Volksgarten Das rosa Einhorn hat den Blues

Düsseldorf · Das Ufo ist im Volksgarten gelandet. Zum neuen Musiktheater „So oder so oder so“ von Tom Smith und Heili Schwarz-Schütte gibt’s Streusel und Glühwein.

Das Ufo der Jungen Oper am Rhein ist im Volksgarten gelandet.

Das Ufo der Jungen Oper am Rhein ist im Volksgarten gelandet.

Foto: Rainer Schlautmann

Wie zauberhaft Theater sein kann, wie beredt Musik, wie lebensnotwendig die aufgeworfenen Themen – davon erzählt „So oder so oder so“ überhaupt nicht. Erfreulich unausgesprochen bilden die grundlegenden Fragen an die Berechtigung von Musiktheater heute die Basis für die Arbeit der Jungen Oper am Rhein, wenn sie mit der spacigen mobilen Bühne, dem „Ufo“, an immer neuen Orten in Düsseldorf und Duisburg landet und dort Kunstproduktion mit Stadtteilarbeit verknüpft.

Diesmal, bei der insgesamt sechsten Premiere innerhalb des auf drei Jahre mit acht Uraufführungen angesetzten Junge-Oper-Urban-Projekts, ist das silbrige Raumschiff mit seinem knallroten Schalltrichter im Volksgarten gelandet, auf der Ballonwiese. Im Unterschied zur eingezäunten Brache bei Glas-Gerresheim, dem Landeplatz im Sommer, herrscht reges Treiben ums Theaterzelt: Jogger, Radfahrer, Spaziergänger werden gleich mal freundlich persönlich auf ein Stück Streuselkuchen nebst Kalt- oder Warmgetränk vom Gehweg gelockt. Ein junger Singersongwriter macht kreativ mit Gitarre und Stimme Stimmung. An Tischen und Bänken liegen massenweise Malstifte, Wollknäuel, eine große Schüssel für Reisen-Seifenblasen. Auf der Hüpfburg ist reichlich Betrieb. Zum gemeinsam mit der Hochschule Düsseldorf veranstalteten „Begegnungsfest“ duftet Glühwein über die Gänse-Wiese, auf die passenderweise die Sonne scheint.

Im Zelt hocken und sitzen 30 junge und erwachsene Zuschauer dicht an dicht um eine kleine Spielfläche mit Klavier. Es werden aufgerufen: ein Monster, ein Einhorn, ein Tausendfüßler. Alle da, das Spiel beginnt. Am Klavier präludiert Laura Brannath Girlanden fürs Einhorn. Cornel Frey singt aber gar nicht rosa, sondern irgendwie genauso unzufrieden wie die Töne, die aus dem Klavierbauch kommen: da hat der Komponist Tom Smith nämlich ein paar schräge Schepperklänge reinpräpariert. Das Einhorn wäre gern blau, und weil ein Einhorn gern reimt (so hat’s jedenfalls Heili Schwarz-Schütte ins Libretto geschrieben), kommen im Lauf der kommenden Dreiviertelstunde massenweise lustige Au-au-au aus dem Mund des Fabelwesens. Schlau, Grau, Chiao... Und dazu klingt die Begleitung auch mal so richtig nach Blues.

Die Tausendfüßlerin (Katharina von Bülow ist für Kimberley Boettger-Soller eingesprungen) hat lauter linke Füße, mag aber so gern tanzen. Und im Monster (Katarzyna Kuncio) steckt unterm bodenlang behaarten Hut eine Möchtegern-Diva. „So oder so oder so“ erzählt also vom Anders-Sein-Wollen. Und natürlich vom Anders-Sein-Dürfen. Dafür schlüpfen die drei Akteure in schillernde Seifenblasen-Kostüme, erzählen von der Glühwürmchen-Familie, in der eins mal alleine leuchten will. Die Musik säuselt und groovt, poltert und charmiert dazu, mit den Farben der Scheinwerfer ändern sich ganze Welten. Die Akteure sind ganz nah an den Zuschauern, so nah wie das Stück selbst. Zauberhaft.

45 Minuten, für alle ab acht Jahren.

Karten gibt es noch für die Vorstellungen am 28.11. um 12 Uhr, am 14.12. um 11 Uhr, am 15.12. um 11 und 12.30 Uhr. www.operamrhein.de, 0211 8925211

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