Sänger plauderte bei "Geheimkonzert": Xavier Naidoo singt für Soldaten in Afghanistan

Sänger plauderte bei "Geheimkonzert" : Xavier Naidoo singt für Soldaten in Afghanistan

Oberhausen (RPO). Soulsänger Xavier Naidoo will in der kommenden Woche vor Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan auftreten. Das kündigte der Mannheimer Soulsänger am Mittwochabend bei einem "Geheimkonzert" von Radio NRW in Oberhausen an. Er sei allerdings ein absoluter Kriegsgegner, betonte Naidoo, der auf seinen Konzerten jedoch den Bundeswehr-Soldaten am Hindukusch häufiger Lieder widmet.

Nicht nur aufgrund der Gefahrenlage hat die Bundeswehr Schwierigkeiten, prominente Musiker und Bands zu Auftritten vor der Truppe in Afghanistan zu bewegen. Gegen den Einsatz zu sein, ist nicht nicht nur bei Bands & Barden schic. Ins deutsche Heerlager nach Mazar-e Sharif verirren sich daher eher B- und C-Liga-Acts wie die Kölner Band BDF, falls nicht gleich Cover-Bands vom Land, Gunter Gabriel oder ein Esslinger Polizeiorchester anreisen. Und jetzt Xavier Naidoo.

Auch das Oberhausener "Geheimkonzert" von Xavier Naidoo ist ein musikalischer Sondereinsatz, den manch vergleichbar gewichtiger Name aus der Pop-Musikszene ablehnen vielleicht würde: Radio NRW lässt seine Stars im schmucken Gründerzeit-Treppenhaus des Sendergebäudes in CentrO-Nähe auftreten. Es ist eng, es ist knallheiß, es macht richtig Spaß.

Blickkontakt mit den Fans

Maximal 200 Zuhörer passen da rein, die Karten kann man nicht kaufen, sondern nur als Hörer bei den 46 Lokalradios wie Antenne Düsseldorf, Welle Niederrhein oder Radio 90,1 Neandertal gewinnen. Dass Musiker das mitmachen, liegt sicher auch daran, dass die NRW-Lokalradios seit zehn Jahren bundesweit das erfolgreichste und hörerstärkste (Tagesreichweite: 5,21 Millionen Hörer) Radioangebot machen.

Offenkundig gibt es aber auch Musiker, denen das einfach Spaß macht: "Wir suchen diese Nähe immer. Wir haben uns extra einen LKW zusammengebaut, wo man hinten einen Generator mitziehen kann. Mit dem können wir uns immer überall hinstellen und da kommen dann manchmal auch zwei, drei, vier, fünf Leute, weil die gar nicht wissen, dass wir hier auftreten. Das ist dann immer sehr intensiv. Und hier ist es natürlich auch sehr intensiv. Du kannst eigentlich Blickkontakt mit allen aufnehmen, das ist schon geil", so Xavier Naidoo vor dem Konzert im Radio-Interview.

Kaum auf der Mini-Bühne, legt Naidoo direkt los. Diese Stimme, ist nach drei Takten klar, füllt ein Treppenhaus zur Not auch ohne die eher behelfsmäßige Beschallung. Manchmal bricht der Dozent der Mannheimer Pop-Akademie durch: "Willkommen in Oberhausen, der Stadt der Liebe — auf den zweiten Blick. Das kann sich entwickeln. Bei uns in Mannheim hat es auch geklappt." Und zum Bundespräsidenten-Rücktritt doziert er: "Wir werden jetzt noch mehr Politiker sehen, die aussteigen. Wir müssen es selber regeln." Da schweigt das Publikum irritiert. "Ihr seht aber nicht sehr hoffungsvoll aus", lacht Xavier Naidoo und singt "Gib Dich nicht auf."

Und die 200, die eine Karte bekommen haben, können alles mitsingen: "Mut zur Veränderung", "Alles kann besser werden", "Ich kenne nichts", "20.000 Meilen"; jedes Mal gehen die Fotohandys hoch, wo es früher mal Feuerzeuge gewesen wären. Ein schöner Abend. Einen Live-Mitschnitt senden die NRW-Lokalradios am Freitagabend, 4. Juni, ab 20 Uhr.

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