Neues Album von Taylor Swift „Erst die Texte machen es für mich zu einem guten Album“

Interview · Wie finden Fans das neue Album von Taylor Swift, nachdem sie ein paar Tage mit der Musik gelebt haben? Wir haben drei von ihnen zu „The Tortured Poets Department“ befragt.

 In der Diskussion über das neue Album von Taylor Swift: (v.l.) Meryem Saral, Laura Rukavina und Mila Pichler.

In der Diskussion über das neue Album von Taylor Swift: (v.l.) Meryem Saral, Laura Rukavina und Mila Pichler.

Foto: Philipp Holstein

Das Café „Stoak“ in der Düsseldorfer Innenstadt. Die Studentinnen Mila Pichler, Laura Rukavina und Meryem Saral kennen einander aus der Robert-Schumann-Hochschule. Sie bestellen Kaffee, und dann sprechen sie über „The Tortured Poets Department“, das neue Album von Taylor Swift.

Wie findet Ihr das neue Album?

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Foto: AP/Jordan Strauss

Laura Rukavina Ich finde es sehr persönlich, sehr unerwartet, ich hatte mit etwas anderem gerechnet.

Mit was hattest Du gerechnet?

Rukavina Ich hätte gedacht, das neue Album würde wieder ein Uptempo-Album. Weniger „Folklore“. Jetzt ist es emotionaler und ruhiger als ich gedacht hätte. Was ich aber schön finde, weil ich ein Balladen-Mädchen bin. Ich freue mich, wenn 20 Balladen auf dem Album sind.

Wie fandest du das Album, Mila?

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Mila Pichler Ich bin zwiegespalten. Teilweise cool, ich bin auch eher so in dem „Folkore“-Ding drin. Teilweise auch ein bisschen cringe. Lieder wie „I can do it with a broken heart“, da muss ich mich erst mal dran gewöhnen.

Warum findest du es peinlich?

Pichler Das ist vielleicht ein bisschen gemein, aber es ist nicht mehr so ganz ihrem Alter entsprechend. Das wirkt für mich eher wie ein Rückschritt als ein Vorwärtskommen. Das ist wieder eine Jack-Antonoff-Produktion, das hört man einfach. Es summiert sich langsam. Ich finde, es ist nicht mehr so richtig was Neues.

Wie findest du die Platte, Meryem?

Meryem Saral Vor allem, wenn man auf die Texte hört, macht es richtig Spaß, das Album zu hören. Taylor Swifts Musik macht erst richtig Spaß, wenn man sich auch mit den Texten auseinandersetzt. Ich glaube, wenn ich wirklich nur die Musik hören würde, ohne die Texte in Betracht zu ziehen, hätte ich weniger Spaß an dem Album. Vielleicht würde es mich auch langweilen. Es ist vielleicht hart, das zu sagen. Aber erst die Texte machen es für mich zu einem guten Album.

Wie findet Ihr, dass zwei Stunden nach Veröffentlichung des eigentlichen Albums noch mal 15 Lieder dazu gekommen sind?

Rukavina Ich find es voll geil. Es ist genau so ein besonderer Move wie dieses „Ich veröffentliche keine Singles vorab“. Sie kann es halt machen. Es wird sich genauso gut verkaufen. Ich habe vorhin gelesen, dass alle ihre Songs gerade in den Charts sind. Es ist einfach ein Move, das finde ich irgendwie geil.

Pichler Auch wenn man das mit anderen Künstlern vergleicht, die gerade Probleme haben, überhaupt ein Album rauszubringen, ist es einfach beeindruckend, dass sie direkt ein Doppelalbum raushaut. Auch ohne Promotion. Das war einfach: Suprise! Oder?

Rukavina Ja, voll.

Saral In einer Zeit, in der die Songs immer kürzer werden, einfach mal so zwei Stunden Material rauszuhauen, ist ein Power-Move.

Ich finde, es ist ein bisschen zu viel des Guten. Könnt Ihr das nachvollziehen?

SaralTotal. Ich habe mir ehrlich gesagt noch nicht so wirklich die Zeit genommen, diese weiteren Songs in Ruhe anzuhören. Ich habe bisher nur das Hauptalbum in Ruhe hören können. Das hat mich auch ein bisschen überfordert, aber als Konzept finde ich es trotzdem genial. Und ich weiß auch, dass es die Leute gibt, die sich total darüber freuen und alles hören.

Pichler Ich habe das Gefühl, dass das Album produktionsmäßig geteilt ist. Das erste, was ich darüber gedacht habe, war: Oh, das hört sich an wie eine Mischung aus „Midnights“ und „Folklore/Evermore“. Der erste Teil ist „Midnights“ sehr ähnlich. Ein bisschen flotter, mehr wie ein Konzeptalbum, das zweite sind einfach lyrische Stücke. Auf dem letzteren sind auch meine Lieblingslieder.

Welche zum Beispiel?

Pichler „The Albatross“, „I hate it here“. Und „Peter“ mag ich auch echt gerne. Es ist auf jeden Fall noch weiter weg vom Mainstream oder vom klassischen Pop, den man vielleicht erwartet hat, bevor der Titel erschienen ist.

Bisher bedeutete jede neue Era eine Veränderung. Wie ist es mit dem neuen Album?

Rukavina Ich kann das noch nicht einschätzen. Jetzt sind es ihre Lyrics, die für mich im Fokus stehen. Gar nicht das Drumherum. Ich habe mir das Album komplett angehört und dabei die Lyrics mitgelesen. Wenn ich es ohne die Lyrics gehört hätte, hätte ich teilweise nicht mehr gewusst, welcher Song welcher ist. Es ist einiges sehr repetitiv. Sobald man aber die Lyrics mitliest, gibt es diesen Wow-Effekt. Ich habe sofort angefangen, in meine Notizen meine Lieblingszeilen zu schreiben, weil ich so überfordert war und nicht wusste, wohin mit meinen Gefühlen (lacht). Wenn ich an dieses Album denke, ist nur das im Vordergrund. Nicht wie bei allen anderen Eras, wo es irgendwelche Bilder sind, die mir in den Kopf kommen, oder irgendwelche Statements oder Videos. Es ist irgendwie roh, und das finde ich daran auch so schön. Zu dem Punkt, den du gerade gesagt hast, Mila: Die Liedern altern nicht so richtig mit ihr. Ich finde, sie altern voll mit ihr.

Pichler Das war speziell auf den einen Song bezogen: „I can do it with a broken heart“.

Saral Das ist mein Lieblingssong vom Album. Diese eine Zeile „I’m so depressed, I act like it’s my birthday“: Da musste ich lachen. Da ist so viel Witz drin, das ist genial.

Letzte Frage: Was ist Euer Lieblings-Taylor-Swift-Song aller Zeiten? Mila, fang du bitte an.

Alle Uff.

Mila Der erste, der mir einfällt, ist ein Song von „Red“, er heißt „Come back, be here“. Ich habe den eine Zeit lang in Dauerschleife gehört und verbinde ihn mit einem Gefühl. Vielleicht sind es gar nicht so sehr die Lieder, sondern Gefühle, eine Stimmung. Es fühlt sich an wie: irgendwo lang zu fahren.

Laura?

Rukavina Mach du zuerst, Meryem.

Saral Das ist eine gemeine Frage. Ich will jetzt nicht so basic sein, aber ich würde sagen „Style“. Weil es mich total in 2014 katapuliert. Nicht, weil es musikalisch so ein super crazy Song ist, sondern weil es mir so ein 2014er-Gefühl gibt: die Instrumentals, der Text, das Thema, Harry Styles.

Rukavina Ich glaube, bei mir ist es „Soon You’ll get Better“ vom Album „Lover“. Das Album ist gar nicht mein Favorit, aber sie hat den Song darüber geschrieben, dass ihre Mama krank ist. Ich hab das selber durchgemacht. Den Song habe ich damals gar nicht so sehr gehört, aber wenn ich den jetzt höre, ist das der, wo ich am meisten relaten kann. Deshalb wird er mein Liebling bleiben, auch wenn ich das musikalisch gar nicht so krass finde und das Album nicht mein Lieblingsalbum ist.

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