Fanliebe Kein Ticket? Ich fahre trotzdem zu Taylor Swift

Meinung | Gelsenkirchen · Ich gehöre zu den vielen Swifties, die keine Karte für die Konzerte in Gelsenkirchen bekommen haben. Dabei war ich so kurz davor. Zuerst tat es weh, jetzt nicht mehr. Ich fahre trotzdem hin.

Taylor Swift: Country-Sängerin und Pop-Superstar
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Das ist Taylor Swift

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Foto: AP/Jordan Strauss

Ich hatte einen Traum: einmal Taylor Swift live erleben. Die Erfüllung war zum Greifen nah. Einen Klick weit entfernt, um genau zu sein. Leider hat sich in wenigen Minuten alles in Luft aufgelöst.

Die 22 Jahre alte Mila Pichler erzählt von ihren Erlebnissen beim Kartenkauf.

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Foto: Mila Pichler/privat
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Taylor Swift kommt im Juli nach NRW. Wir steigern die Vorfreude mit Geschichten und Infos über den größten Popstar der Welt. Experten und Fans schreiben für Swifties und alle, die wissen wollen, was das Geheimnis dieser Künstlerin ist. Immer montags um 18 Uhr.​

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Rückblende: Sommer 2023.

Freitag, 23. Juni. Der Kampf geht los. Ich habe mich für den Vorverkauf der Eras-Tourtickets registriert. Damit ziehen meine Swiftie-Freundin und ich in die erste Runde ein. Dann heißt es abwarten und hoffen, dass wir für einen Zugangscode des Vorverkaufs ausgelost werden.

Mittwoch 05. Juli. Geschafft. Wir haben die Zugangscodes für die Termine in Gelsenkirchen bekommen. Wir wollen unbedingt auf das Konzert. Ich klopfe dreimal auf Holz für gutes Karma.

Dienstag 11. Juli. Wir haben alles besprochen: „Wo wollen wir sitzen? Wo ist unsere finanzielle Schmerzgrenze?“ Das Portemonnaie liegt bereit. Und noch viel wichtiger: Der Zugangscode ist kopiert, fertig zum Einfügen. Am nächsten Morgen ist es dann soweit. Der Verkauf der Taylor-Swift-Tickets startet. Uns ist klar, wenn wir nicht alles vorbereiten oder nur eine Sekunde zögern, haben wir keine Chance. Dass Ticketkäufe so nervenaufreibend sein können, wusste ich nicht. Und dass ich unter den Fans war, die ihr Monatsgehalt für eine Karte ausgeben würden, erst recht nicht. Abends nervöses Kribbeln im Bauch. Ich checke zum zehnten Mal, ob ich auch wirklich den Wecker auf 8.45 Uhr gestellt hatte, bevor ich das Licht ausmache und einschlafe.

Mittwoch 12. Juli. Die erste Nachricht an meine Freundin schreibe ich um 8.55 Uhr, und sie lautet: „Ich bin irgendwie nervös.“ Meine Formalien sind schon online, und ich warte nur darauf, dass die Uhr endlich auf die nächste Stunde umschlägt. Noch eine Minute, die letzten 13 Sekunden. Nun kommt es darauf an. Klicken wie eine Weltmeisterin. Es bringt nichts. Gemächlich schlendert ein grünes Männchen über meinen Bildschirm. Ich bin im Warteraum gelandet. Na gut.

Mit meiner Freundin am Telefon steigere ich mich in die Vorfreude hinein. „Stell dir mal vor, wir sind bald im selben Raum wie Taylor Swift!“ Zehn Minuten vergehen. Und damit auch meine Vorfreude. So hatte ich mir das alles nicht vorgestellt. Kommt das grüne Männchen überhaupt voran? Die Schlange, die es hinter sich herzieht, scheint nicht länger zu werden. Wie hätten wir noch schneller sein können als auf die Sekunde pünktlich? Wie konnte es sein, dass so viele Menschen vor uns dran waren und vermutlich alle Plätze wegschnappten während wir im Warteraum festsitzen?

Ein Viertel des Weges hatte das Männchen erst hinter sich. Wir warten also weiter. Die ersten grauen Wolken ziehen sich zusammen. Geschlagene 40 Minuten später stürmt es los! Das vertraute Bild des schlendernden grünen Männchens ist weg, und wir sind endlich beim Ticketverkauf angekommen! Überraschung, die Preise sind günstiger, als wir erwartet hätten. Sollten wir dann schlechtere Plätze nehmen und damit etwas sparen? Oder sollten wir unser Limit für bessere Plätze ausnutzen? Wir können uns einfach nicht entscheiden, dabei sind das die entscheidenden Sekunden. Egal, ich klicke schließlich auf irgendwas. „Leider konnte der Vorgang nicht durchgeführt werden“. Ich klicke auf die nächste Kategorie, ebenfalls ohne Erfolg. Ein vergeblicher Versuch nach dem anderen. Damit verwandelt sich der Rest meiner Vorfreude in Enttäuschung.

Wieso wollte denn nichts funktionieren? Es war schon so viel Zeit vergangen. Und dann doch, etwas klappt! Ich kann es nicht glauben, wir können Tickets in den Warenkorb legen! Schnell weiter zum Check-out. Wir stehen so kurz davor, stolze Besitzerinnen zweier Tickets zu werden. „Sie haben zu viele Promotion. Entfernen Sie diese bitte.“ Meine Nerven liegen blank.

Ich hatte wirklich gedacht, dass jetzt alles klappen würde. Stattdessen funktioniert gar nichts mehr. Beim Zurückklicken werde ich auf die Startseite geleitet. Wenn ich ein Ticket anklickte, kommt entweder die eine oder die andere Fehlermeldung. Im Internet erschienen erste Artikel, wonach das Konzert ausverkauft sei. Wir geben auf. Fassungslos, dass innerhalb von wenigen Minuten alles vorbei ist, starre ich auf den Bildschirm. Eine Mischung aus Enttäuschung und Trotz breitet sich in mir aus. „Das ist doch alles Geldmacherei und sowieso alles blöd. Es sind noch Tickets für 600 Euro zu haben. Perfekt! Einmal die Niere gegen ein Ticket tauschen, bitte.“

Mit dem Witz, ich müsste einfach binnen eines Jahres berühmt werden, dann bekämen wir VIP Tickets, verabschiede ich mich von meiner Freundin.

Zurück in die Gegenwart: Mai 2024

Ich bin leider nicht berühmt geworden. Meine Freundin auch nicht. Wir haben den Kampf um Eras-Tickets verloren. Aber wir machen das Beste draus. Auch wenn wir dieses Jahr nicht die Chance bekommen, Taylor Swift auf der Bühne zu sehen, haben meine Freundin und ich beschlossen, sie wenigstens live zu hören. Etlichen Instagram-Videos kann man entnehmen, dass sich nicht nur Swifties im Stadion sammeln, sondern auch davor.

Das heißt: Ticket hin oder her – im Juni heißt es ab nach Gelsenkirchen. Ab zu Taylor Swift.

Unsere Autorin Mila Rosa Pichler ist 22 Jahre alt und lebt in Düsseldorf. Sie studiert Musik und Medien im vierten Semester an der Robert-Schumann-Hochschule.

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