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Rekordpreise für Geigen: Stradivari - das Statussymbol

Rekordpreise für Geigen : Stradivari - das Statussymbol

Für 2,7 Millionen Dollar wurde bei Christie's in New York eine Stradivari versteigert. Teurer war nur "The Hammer" - jene Geige, die 2006 für 3,5 Millionen Dollar den Besitzer wechselte. Die Nachfrage ist riesig - besonders in Asien.

Diesmal kommt die Rekordnachricht aus New York: Für 2,7 Millionen Dollar wurde dort eine Stradivari versteigert - damit erzielte sie die zweithöchste Summe, die jemals für eine Geige gezahlt wurde.

Nur "The Hammer" brachte noch mehr ein, die unter diesem Namen bekannt gewordene Stradivari wechselte im vergangenen Jahr für 3,5 Millionen Dollar den Besitzer. Ihren eigenartigen Namen - "The Hammer" - verdankt diese Stradivari dem ersten urkundlich genannten Besitzer, dem schwedischen Hofjuwelier Christian Hammer. Er hatte die Geige im 19. Jahrhundert erworben.

Ansonsten ist der Handel mit Musikinstrumenten ein diskreter Markt. Wenn die Auktionshäuser ihre Ergebnisse bekanntgeben, schweigen sie meist über Käufer und Verkäufer.

Bei Christie's in New York war im aktuellen Fall nur zu erfahren, dass die Stradivari aus dem Besitz des privaten Sammlers Seymour Solomon stammte, der Mitbegründer der großen Plattenfirma Vanguard war - und Amateurgeiger. 1972 hatte er das Instrument privat einer Profigeigerin in England abgekauft. Preis: keine Angaben.

Die Experten von Christie's hatten den Wert des Instruments allerdings vor der Auktion nur etwa bei der Hälfte angesetzt. Auch über den Käufer, der für die Solomon-Geige nun 2,7 Millionen Dollar zahlte, gibt es keine Auskünfte bei Christie's. Nur so viel will Kerry Keane, Leiter der Instrumenteabteilung in New York, verraten: "Violinen dieser Klasse kaufen private Sammler oder Stiftungen. Meistens geben sie die Instrumente als Leihgaben an große Solisten."

Stradivari, Guaneri, Vuillaume - der Handel mit solchen Instrumenten, deren Name allein schon besten Klang besitzt, ist die Spitze des Eisberges. Doch auch der Handel mit Musikinstrumenten in der Preisklasse zwischen 10.000 und 50.000 Euro boomt. Grund ist die enorme Nachfrage aus Fernost.

Nachfrage übersteigt das Angebot

"In Japan oder Korea ist eine gute Geige ein Statussymbol", sagt Georg Bongartz, Chef eines der international angesehensten Auktionshäuser für Instrumente in Aachen. "Im 18. Jahrhundert haben die großen Geigenbauer nur für Europa gefertigt, also übersteigt die inzwischen globale Nachfrage das Angebot bei weitem."

Für die Händler ist das nicht nur Grund zur Freude, denn das bedeutet zwar steigende Preise, aber auch, dass es auch für die Händler immer schwieriger wird, gute Instrumente zu finden. Bei Georg Bongartz etwa werden jedes Jahr um 1000 hochwertige Instrumente versteigert, dafür muss der Experte aber mindestens ebenso viele Geigen begutachten, die sich schnell als Fabrikgeigen oder Fälschungen erweisen.

Eine gute Geldanlage sind Instrumente aber nur, wenn sie eindeutig einem namhaften Geigenbauer zugeordnet werden können und in gutem Zustand sind. Besonders gefragt sind italienische Geigen aus dem 18. Jahrhundert. Auch französische gelten mittlerweile als sichere Investition, der Markt für deutsche Violinen unterliegt dagegen Schwankungen.

"Auch bei Instrumenten gibt es gewisse Moden", sagt Benjamin Schröder aus Frankfurt, der sich auf Handel und Restauration alter Instrumente spezialisiert hat. Sogar eine der weltweit noch etwa 600 existierenden Stradivaris lag schon auf seinem Werktisch. "Stradivari hat schon im 18. Jahrhundert Geigen gebaut, die dem Klangideal von heute entsprechen", sagt Schröder, "darum versuchen alle bedeutenden Geiger, an seine Instrumente zu kommen."

Ob eine Stradivari tatsächlich mehrere Millionen Euro wert sei, darauf hat Schröder nur eine einfache Antwort: "Wenn jemand 2,7 Millionen Euro zahlt, ist sie ihm wohl so viel wert."

(RPO)