Er gibt das Tempo an: Stones-Drummer Charlie Watts wird 65

Er gibt das Tempo an: Stones-Drummer Charlie Watts wird 65

Frankfurt/Main (rpo). "Die Band ist mein Leben", sagt Charlie Watts und blickt dabei auf die 43 gemeinsamen Jahre der Rolling Stones zurück. Neben den Frontmännern Mick Jagger und Keith Richards ist Watts die Konstante in der weltbekannten Rock'n'Roll-Band. Mittlerweile hat der Jazz-Liebhaber den größten Teil seines Lebens mit den Stones verbracht: Am 2. Juni feiert der Mann am Schlagzeug seinen 65. Geburtstag.

Charlie Watts und die Stones, das ist die Geschichte über den Mann, ohne den es nicht geht. Die "Glamour Twins" der Band, Sänger Mick Jagger und Gitarrist Keith Richards haben das in allen Stones-Dekaden immer wieder gesagt und dabei immer ziemlich ehrlich gewirkt. Bassist Bill Wyman, der Anfang der 90er Jahre plötzlich keine Lust mehr am Um-die-Welt-Touren hatte, war ersetzbar. Brian Jones, der 1969 tot aus seinem Swimming-Pool gefischt wurde, konnte durch Mick Taylor und der wiederum mit Ron Wood ersetzt werden. Die Stones blieben die Stones, weil es nicht nur Jagger/Richards, sondern eben auch Charlie Watts gab.

Eigene musikalische Ziele hat Watts außerhalb seiner Band nicht verfolgt. Er hat sich aber einige Wünsche erfüllt und Jazz-Platten gemacht; Swing-Klassiker mit Orchester gespielt und dabei den Drumstick mit dem Jazz-Besen ersetzt. In den 70er und 80er Jahren war Watts alkohol- und heroinabhängig, überwand die Sucht aber mit der ihm eigenen Willensstärke. Seit 1964 ist er mit derselben Frau verheiratet - untypisch für einen Rolling Stone. Das Ehepaar Charlie und Shirley Watts hat eine Tochter, die 1968 geborene Seraphine.

Weitermachen trotz Krebs

Vor zwei Jahren wurde bei dem ehemals starken Raucher Kehlkopfkrebs diagnostiziert. "Wenn man gesagt bekommt, dass du Krebs hast, denkt man, dass man sterben muss", sagte Watts Anfang April in Tokio. Mit einer Strahlentherapie wurde die Krankheit zurückgedrängt, und die derzeit von einem seltsamen Unfall Richards' etwas aus dem Plan gebrachte Welttournee ist für Watts eine willkommene Ablenkung "dass man nicht dauernd darüber nachdenkt".

Die britische "Rock-Invasion" der 60er Jahre hat mit Ginger Baker von Cream, Keith Moon von den Who und John Bonham von Led Zeppelin Schlagzeuger hervorgebracht, die höchst innovativ Eleganz und Dynamik (Baker), Anarchie und Exzentrik (Moon), Kraft und Puls (Bonham) ihrer Band waren. Watts war immer der ruhende Pol. Ob "Jumping Jack Flash", "Street Fighting Man" oder "Satisfaction": Watts machte immer genau das, was der Song brauchte. Er war und ist der Schlagzeuger, der ohne Effekthascherei, nur mit dem Notwendigen den Rhythmus seiner Band bestimmt - alle richten sich nach seinem Tempo. "I play the drums, you know", sagt er. Und auch wenn er immer so stoisch aussehe: "Hinter dieser japanischen Maske bin ich eigentlich ekstatisch."

Die Europatournee der Stones wird wegen der Verletzung von Richards - er soll im Urlaub auf einer Fidschi-Insel von einer Palme gestürzt sein - erst im Juli starten.

Die Rolling Stones sind auf Tour:
10. Juli Nürnberg - Frankenstadion - ABGESAGT
12. Juli Leipzig - Zentralstadion - ABGESAGT
14. Juli Frankfurt - Commerzbank Arena - VERSCHOBEN, neuer Termin noch nicht bekannt
16. Juli München - Olympiastadion
19. Juli Hannover - AWD Arena
21. Juli Berlin - Olympiastadion
23. Juli Köln - RheinEnergie Stadion
03. August Stuttgart - Gottlieb-Daimler-Stadion

Die Tickets für Nürnberg und Leipzig können bis zum 9. Juni an den Vervorkaufsstellen zurückgegeben werden. Wer eine Karte für ein andres Konzert in Deutschland kauft, erhält einen Rabatt von 20 Euro.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Rolling Stones 2003 in München

(ap)
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