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Starsopranistin Edita Gruberova im Alter von 74 Jahren gestorben

„Königin der Koloratur“ : Starsopranistin Edita Gruberova im Alter von 74 Jahren gestorben

Die slowakische Sopranistin Edita Gruberova ist tot. Sie starb am Montag im Alter von 74 Jahren in Zürich, wie ihre Familie über die Münchner Agentur Hilbert Artists Management mitteilen ließ.

Wenn Edita Gruberová sang, konnte sie die Menschen verzaubern. Ein wunderbarer Sopran, mit dem sie sich zu höchsten Tönen aufschwang, ausdrucksstark, gefühlvoll. Vor allem für ihre so mühelos wirkenden Koloraturen war die Opernsängerin berühmt.

Am Montag ist die berühmte Diva im Alter von 74 Jahren gestorben, wie Gruberovás Familie über ihre Agentur mitteilen ließ. „Ein schmerzlicher Verlust für uns alle, ein schmerzlicher Verlust für die Kunst“, beklagte Serge Dorny, Intendant der Bayerischen Staatsoper in München, wo die Sängerin oft gesungen hatte.

Gruoberová hat sich ihren Weg an die Spitze mühsam erkämpft. Am 23. Dezember 1946 wurde sie in Bratislava geboren, in einfache Verhältnisse hinein. Ihr Vater war dem Alkohol zugeneigt. Zu ihrer Mutter dagegen war das Verhältnis eng. Ihre gemeinsame Liebe: Die Musik.

„Ich habe mich immer in den Gesang gerettet. Auch meine Mutter hat gerne gesungen, von ihr habe ich die Stimme bekommen“, sagte Gruberová mal dem Bayerischen Rundfunk (BR). Und in einer Biografie schrieb sie poetisch: „Wir haben durch unser Singen unsere Seelen gelüftet.“

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Ihre ausdrucksstarke Stimme fiel auf. Vom Schulchor kam sie zum Rundfunkkinderchor, studierte in Bratislava am Konservatorium. Doch trotz der Erfolge hatte sie es schwer, sich in der damaligen Tschechoslowakei durchzusetzen. Ihr Vater galt als Antikommunist, und ihre Heimat wurde ihr künstlerisch zu eng.

Nach dem Ende des Prager Frühlings floh Gruberová deshalb 1969 mit ihrer Mutter und konnte nach schwierigen ersten Anläufen an der Wiener Staatsoper endlich ihren Durchbruch zum Weltstar feiern. Mehr als fünf Jahrzehnte lang sang Gruberová an den bedeutendsten Opernhäusern der Welt.

Sie war die Zerbinetta in „Ariadne auf Naxos“, die Violetta in Verdis „La Traviata“, die Königin der Nacht in Mozarts „Zauberflöte“, um nur einige zu nennen. Mailand, London, New York, Paris Berlin, München, Genf, Zürich, Florenz, Madrid und Barcelona - überall stand sie auf der Bühne. Eigens für sie hoben Regisseure sogar selten gespielte Opern mit schwierigen Gesangspartien ins Programm, vor allem Belcanto-Rollen.

Gruberová selbst liebte es, ihre Stimme für individuelle Interpretationen zu nutzen. Einer ihrer Lieblingskomponisten: der Italiener Gaetano Donizetti. Der habe sich ausdrücklich gewünscht, dass Sängerinnen und Sänger kreativ seien, anstatt sich streng an detaillierte Vorgaben zu halten, verriet sie 2015 in einem Interview.

Auszeichnungen gab es viele, etwa die Titel Österreichische und Bayerische Kammersängerin, das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, den ECHO Klassik oder den Bayerischen Verdienstorden. Und dann waren da noch die Beinamen - Ausdruck höchster Bewunderung: „Edita Gruberová ist die Primadonna assoluta, die Einzigartige, die große Diva“, schwärmte etwa der langjährige Münchner Opernintendant Nikolaus Bachler, als die Starsopranistin 2019 dort ihren Abschied von der Opernbühne feierte.

Andere nannten sie Königin der Koloraturen, und für die „Wiener Zeitung“ war sie 2010 gar die „ewige Hohepriesterin des Belcanto“. Klar, dass sie bei all der Verehrung nicht einfach Edita Gruberová genannt. Sie war „die Gruberová“ - so wie „die Callas“ oder „die Caballé“.

Wenn sie nicht auf den Bühnen der Welt stand, lebte die Operndiva in Zürich, wie sie zwei Töchter groß zog. Ihrem Geburtsland fühlte sie sich aber stets verbunden. „Die Slowakei ist und bleibt mein Heimatland. Dort fühle ich mich zu Hause, entspannt und freudig“, sagte sie 2016 der Deutschen Presse-Agentur.

Nun also die letzten Ehren für die leidenschaftliche Sängerin, die ihre Kunst als Mentorin an Jüngere weitergab. Auch die Schauspielerei habe sie interessiert, hat Gruberová mal gesagt. Aber in der Oper komme noch die Dimension der Musik hinzu. „Das ist das Allerhöchste, was uns der Himmel, was uns Gott geschenkt hat.“

(felt/dpa)