Band veröffentlicht Album "When the Night": St. Lucia malen mit Noten

Band veröffentlicht Album "When the Night" : St. Lucia malen mit Noten

Jean-Philip Grobler ist der Kopf des Projektes St. Lucia, das denselben Namen trägt wie die karibische Insel. Die Musik auf dem Debütalbum könnte auch als Soundtrack zu dem seichten Tom-Cruise-Film "Cocktail" aus den 1980er Jahren dienen.

St. Lucia setzt voll auf elektronische Klänge, die an vielen Stellen an frühe Werke von Madonna oder spätere Werke von Fleetwood Mac erinnern. Mitunter wirkt das Projekt St. Lucia aber auch wie ein schüchterne Version der Gute-Laune-Electro-Band "MGMT".

Der Einstieg des Albums: "The Night comes again" mit seichten und atmosphärischen Klängen. Wer immer schon eine musikalische Begleitung für einen Abend gesucht hat, an dem man kurz gedöst hat, in der Küche das Abendessen vorbereitet und sich auf ein Essen mit Freunden und eine anschließende Tour durch Bars und Clubs freut: Hier ist sie! Zum Ende wird das Stück immer kraftvoller und baut damit eine gelungene Dramatik zum Folgestück "The Way you remember me" auf.

Ab den Stücken drei und vier mit den Titeln "Elevate" und "Wait for Love" verfliegt die anfänglich vermittelte Aufbruchstimmung ein wenig. Das ist aber nicht als Grundsatzkritik zu verstehen, da jedes folgende Lied für sich genommen gute Musik darstellt. Um bei dem Bild eines Abends mit Freunden zu bleiben, endet dieser mit St. Lucia nicht in einer Großraumdisko, sondern bei einer Kunstausstellung, nach der im Foyer des Museums noch mit entspannter Musik gefeiert wird.

St. Lucia malen dabei mit dem Keyboard. Die Kunstwerke, die dabei entstehen, sind musikalische Ölgemälde mit weichen Linien, aber kraftvollen Farben. Stücke wie "Closer than this" wirken ein wenig einfallslos und erinnern eher an das Werk, bei dem die Klangfarben zu sehr verwässert sind. Auch die sehr hohe Stimmlage des Sängers und der Sängerin in diesem Stück sind etwas gewöhnungsbedürftig.

Es fällt schwer, ein überragendes Stück aus diesem Album hervorzuheben, weil die Platte insgesamt sehr gut zusammengestellt ist und kein Ton fremd oder unangebracht ist. Es passiert nichts Spektakuläres auf dem Album "When the Night", aber am Ende hat man einfach gute Laune. Es ist, wie wenn man einen Abend mit guten Bekannten verbracht hat.

(ac)
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