„Mädchen auf dem Pferd“ Der Hit des Sommers, der keiner war

Düsseldorf · Der Song „Mädchen auf dem Pferd“ wurde zum offiziellen Sommerhit gekürt. Er ist die Techno-Version eines Lieds aus dem Pferdefilm „Bibi und Tina“ und klingt wie aus den 1990er-Jahren.

Die Sommerhits der vergangenen Jahre im Überblick
Infos

Das waren die Sommerhits der vergangenen Jahre

Infos
Foto: dpa/Daniel Bockwoldt

Dieser Sommer war genau genommen keiner, aber ist nicht schlimm, einen Sommerhit gibt es trotzdem. Er heißt „Mädchen auf dem Pferd“ und stammt von Luca-Dante Spadafora, Niklas Dee und Octavian, und was die drei gemacht haben, entspricht in etwa dem, was die Thekenhilfe in der Strandbar tut, wenn sie die Eiswürfel und die Orangenscheibe in den vorgemischten Aperol Spritz gibt. Das Lied „Mädchen auf dem Pferd“ existiert nämlich schon seit neun Jahren, es stammt aus dem Soundtrack des Pferderomantik-Films „Bibi und Tina“. Hinzugekommen sind Beats und eine nervöse und kaum einen technischen Effekt ungenutzt lassende Techno-Ästhetik aus den frühen 90er-Jahren, die einen an das Bewerbungsgespräch aus dem Film „Trainspotting“ denken lässt: „Was interessiert Sie an der Freizeitindustrie?“ – „Die Freizeit.“

„Mädchen auf dem Pferd“ wurde von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zum offiziellen Sommerhit ausgerufen. Sie macht das seit 1990, damals war es „U Can’t Touch This“ von MC Hammer. Und im vergangenen Jahr wurde es „Layla“, ein Lied, das viele nicht nur deshalb mitsingen können, weil es auf Jahrmärkten in Dauerschleife lief, sondern auch, weil ständig Verse daraus zitiert und mit der Frage verbunden wurden, ob sie sexistisch seien. Wer waren nochmal die Interpreten? Ach, ja: DJ Robin & Schürze. „Layla“ war am Ballermann besonders beliebt, und das „Mallorca Magazin“ freut sich nun über einen Trend: „Schon wieder ein Mallorca-Erfolg!“ Auch „Mädchen auf dem Pferd“ dient auf der Insel nämlich als Soundtrack zum Zuprosten: „Überall, wo gefeiert wird, läuft das Lied rauf und runter.“

Geschrieben haben den Ursprungssong übrigens Peter Plate von der Gruppe Rosenstolz, Daniel Faust und – perfekter Nachname! – Ulf Leo Sommer. Im Liedtext gibt es einen zufälligen Bezug auf den Kinohype dieses Jahres: „Ich bin dein Iron Man, du meine Barbie, ich dein Ken“, heißt es da, und das geht heute natürlich doppelt gut auf. „Mädchen auf dem Pferd“ soll denn auch nächste Woche Platz eins der Media-Control-Charts erreichen, heißt es. Allein bei Spotify wurde es 37 Millionen mal gestreamt.

Sommertrends 2023: Das sind die Trends im Sommer 2023
11 Bilder

Das sind die Sommertrends 2023

11 Bilder
Foto: dpa/Daniel Karmann

Waren Sommerhits lange Zeit durch eine gewisse Gesinnungssüdlichkeit gekennzeichnet, die entweder durch Übernahme von Elementen karibischer Musikstile zum Ausdruck gebracht wurde („Mambo No. 5“, „Bailando“, „Samba de Janeiro“, „Macarena“) oder durch Heiterkeit und Lebensfreude, die man mit Barfüßen am Strand und Tarifurlaub assoziiert („Don‘t Be So Shy“, „Wake Me Up“, „I Follow Rivers“, „Mr. Saxobeat“, „Jungle Drum“), entwickelt sich das Genre seit einiger Zeit in eine andere Richtung. Als wichtigste Kriterien nennt die GfK nun: „ein einfacher Text, den man gut mitsingen kann, eine eingängige Melodie, die gute Laune verbreitet sowie ein Rhythmus, der zum Tanzen einlädt“.

„Mädchen auf dem Pferd“ ist Teil eines Phänomens, das in diesem Jahr stark in den Charts vertreten war: das Polieren und Aufporschen alter Song-Chassis zu Hochgeschwindigkeits-Sonderanfertigungen. „Friesenjung“ unter Beteiligung von Otto Waalkes ist ein anderes Beispiel dafür.

 Das Cover von „Mädchen auf dem Pferd“.

Das Cover von „Mädchen auf dem Pferd“.

Foto: dpa/Universal Music

Der Sommer, der keiner war, geht bald offiziell vorbei. Was bleibt, ist ein Ohrwurm: „Du sitzt hinten und ich vorne / Komm, sag mir deinen Namen und ich werd ihn für dich buchstabieren / Dann inhalieren und nie verlieren.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort