Berliner Band veröffentlicht viertes Album: Seeed heißt das Album, Seeed heißt die Band

Berliner Band veröffentlicht viertes Album: Seeed heißt das Album, Seeed heißt die Band

Sieben Jahre nach ihrem letzten Studioalbum haben Seeed das gleichnamige Album "Seeed" veröffentlicht. Dabei ist das öffentliche Bild der Band in den letzten Jahren nicht verblasst. Die drei Frontmänner Peter Fox, Boundzound und Dellé haben mit ihren Soloalben daran weitergemalt und für sich eigene Musikentwürfe gezeichnet. Das Album "Seeed" kann zwar durchaus überraschen, das Ergebnis ist aber nicht besser als die Summe seiner Einzelteile.

Es gibt viele Gründe voreingenommen und voller positiver Erwartungen an das Album "Seeed" heranzugehen. Da wäre zunächst die siebenjährige Pause seit dem letzten Album, die sowohl Fans als auch Kritiker denken lässt: "Wer so lange Zeit hatte eine Platte aufzunehmen, der wird auch etwas Geniales abliefern." Zweitens haben die letzte Veröffentlichung "Next!" und grandiose Konzerte die Latte für eine Neuerscheinung selber sehr hoch gelegt. Mit ihren Soloalben haben die Sänger der Band zudem einen so großen Erfolg gefeiert, dass die Erwartungen an "Seeed" noch einmal gestiegen sind.

Die Single wirkt gewagt und poppiger

"Beautiful" ist das erste Lied und nach "Wonderful Life" und "Molotov" auch die dritte Single des neuen Albums. Die Band ist hier poppiger, liefert gleichzeitig aber einen klassischen Big-Band-Sound. Man könnte an Roger Cicero mit jamaikanischem Akzent denken, ist sich aber beim ersten Hören sicher, dass einen das Lied mindestens das nächste halbe Jahr mehrfach täglich im Radio begegnen wird. Ob einem der Sound nun gefällt oder nicht, kann man nicht abstreiten, dass Seeed sich auf eine gewisse Weise entwickelt und mit dem poppigen Sound einiges gewagt hat.

Dass man auch zu viel wagen kann, beweist "Seeeds Haus". Auf einem durchgängigen Techno-Beat versucht sich die Band an einem Partysound, für den sonst die Berliner Kollegen "Die Atzen" stehen. Der Ansatz mag gut gemeint sein, doch erstens wirkt das Lied wie ein Fremdkörper auf dem Album und zweitens wartet man vergeblich auf einen dröhnenden Refrain, wie ihn der wummernde Bass der Strophen immer ankündigt. Wie man solch einen Song konsequent umsetzt, hat vor kurzem Marteria mit "Feuer" bewiesen.

Es gibt auf "Seeed" durchaus einige Lichtblicke, wie das sphärische "Feel for You" oder die Roots-Reggae-Nummer "You and I". Überzeugen können die Songs "Waste my Time" und "Augenbling", wobei letzteres im Stile eines Schlagersongs jedoch am Ende einmal zu viel den Refrain wiederholt. Auf beiden Songs spielt die Band ihre gesamte instrumentale Breite aus.

Die Mischung stört das Gesamtbild

Das Gesamtbild des Albums stören letztendlich drei Punkte. Zunächst ist hier die Länge von nur 12 Songs genannt. "Next!" hatte auch nur zwei mehr, aber genau genommen bietet "Seeed" sogar nur elf Lieder, schließlich ist "Beautiful Reprise" nur eine orchestrale Instrumentalversion der aktuellen Single. Dass die sich wiederholende Komposition im Sinne von "Intro" und "Outro" nicht einen Rahmen um das Gesamtwerk bilden, liegt auch an der Abmischung des Albums und vielleicht auch der Auswahl der Lieder.

Auf "Next!" gab es perfekt inszenierte Übergänge wie der vom temporeichen "Goosebumps" hin zum traumwandlerisch langsamen "Slowlife". Solche Momente fehlen auf "Seeed" leider. Der Eindruck mag ein sehr subjektiver sein, aber es fällt schwer auf dem neuen Album ein gemeinsames Thema zu finden. Frühere Alben konnten dies sehr gut. "New Dubby Conquerors" stand für das neue Berlin der 2000er Jahre und auf "Next!" sind die einstigen "Conquerors" mit ihrem kompromisslosen Dancehall-Sound zu ihrem Triumph in die Charts geritten.

Hoffen auf die Live-Auftritte

Der letzte Kritikpunkt dürfte vor allem für Fans ein Hoffnungsschimmer sein. Beim Hören der Platte hat man stets den Eindruck, dass die Band mehr auf ihre Stärke, die große Orchestrierung mit ihren elf Mitgliedern, hätte setzen können. Gleichzeitig zeigt dies aber auch: das Album wird Live garantiert funktionieren. Sucht man nach Seeed auf einer Plastikscheibe, kann man also vielleicht besser auf die kommende Live-DVD warten.

(ac)