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Brian Ferry und Co. begeistern in Bonn nur mäßig: Roxy Music: Kult sein ist nicht immer genug

Brian Ferry und Co. begeistern in Bonn nur mäßig : Roxy Music: Kult sein ist nicht immer genug

Bonn (rpo). Bei neun Grad Celcius Außentemperatur ist der Sommer in weite Ferne gerückt und das letzte Open Air liegt schon geraume Zeit zurück. Trotzdem versammelten sich auf dem Bonner Museumsplatz 2.500 überwiegend ältere Musikfans, um Roxy Music, die Helden ihrer Jugend, zu feiern.

Immerhin hatte die Band um Sänger Bryan Ferry ihre größten Erfolge Mitte der Siebziger und avancierte aufgrund ihrer musikalischen wie auch visuellen Einzigartigkeit schnell zum Kult, der bis heute aufrechterhalten wird. Diesen Erfolg hat die Band zu einem großen Teil ihrem Gentleman-Frontmann Bryan Ferry zu verdanken. Kaum betritt dieser, bekleidet mit Anzug und schwarzem Lodenmantel, die Bühne, entlockt er nicht nur den anwesenden weiblichen Fans verzückte Schreie. Ja, er ist immer noch ein Dandy, doch wird er heute, im gesetzten Alter, seiner Rolle als Charmeur und bestangezogener Sänger mehr gerecht denn je.

Roxy Music sind alt geworden und die Wildheit früherer Tage ist längst dem Bewusstsein gewichen, dass man Musikgeschichte geschrieben hat und heutzutage kein neues Kapitel mehr aufschlagen muss. So agieren Phil Manzenera (Git.), Andy Mackay (Sax. und Oboe) sowie Schlagzeuger Paul Thompson, alles Musiker der Ur-Besetzung, lässig und manches Mal schon fast zu cool für einen Live-Auftritt. Der Sound klingt, trotz musikalischer Verstärkung durch Percussion, zwei Keyboarder und Background-Chor, zu glatt und drucklos.

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Doch es gibt auch kleine Sternstunden. Gleich zu Anfang lässt Phil Manzenera bei "Streetlife” mit wilden Gesten seine Gitarre in einem fünfminütigen Solo aufschreien, oder bekommt "Out Of The Blue” durch Andy Mackays virtuoses Oboe-Spiel diese ganz besondere Stimmung, die den Sound von Roxy Music schon immer prägte. Fixpunkt bei den vielen Hits der Band ist und bleibt Bryan Ferry, der mit wenigen Gesten und ebenso wenigen Worten zwischen den Stücken, überwiegend seinen Gesang für sich sprechen lässt. Dieser klingt einschmeichelnd und gewohnt lässig, allerdings auch oftmals sehr statisch. Zudem wendet er seinen Blick oft vom Publikum ab, kehrt diesem den Rücken zu oder verlässt auch mitten in den Stücken die Bühne. Nicht gerade das, was man unter einer hingebungsvollen Performance verstehen würde. Und warum blättert er ständig die Seiten, auf einem Notenständer vor ihm, um? Muss Bryan Ferry etwa seine eigenen Texte ablesen?

Zum Glück gibt es aber noch die Sängerinnen Michelle John Douglas und Shar White, die bei Stücken wie "My Only Love” durch soulige Gesangssolos ein kleines vokalistisches Feuerwerk voller Emotionen darbieten. Weitere Hits wie "Avalon”, "Dance Away” oder das John Lennon-Cover "Jealous Guy” lassen im Publikum auch zum ersten Mal so etwas wie Bewegung erkennen. Man will seine Hits feiern und lässt sich dies auch nicht durch eine mittelmäßige Performance nehmen.

Mit den rockigeren Klassikern "Virginia Plain” und "Editions Of You” machen Roxy Music zum Ende hin noch einmal den Versuch, es richtig krachen zu lassen, was aber erneut aufgrund der Lässigkeit von Bryan Ferry und seinen Mitstreitern nicht so recht gelingen will.

Es bleibt die Frage, wie ein solcher Auftritt wohl ankommen würde, wenn man nicht eine große Anzahl von Hits vorweisen könnte. Kult sein und diesen zelebrieren ist nicht immer genug. Vor allem, wenn man Selbigen nicht zerstören will.