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Neues Album: Roxette sind zurück und feiern den Klemptner

Neues Album : Roxette sind zurück und feiern den Klemptner

Berlin (rpo). Nur weil er auf sein iPod lauter Songs aus seiner Jugend überspielte, war Per Gessle angetan von den Erinnerungen an die Musik der späten 60er Jahre. Und nur weil er so angetan davon war, entstand kurzerhand das neue Album des Schweden-Duos Roxette. "Son of a Plumber" erscheint am Freitag und ist eine Reminiszenz an Gessles Kindheit.

Denn der "Son of a plumber", der Sohn eines Klempners, ist niemand anders als Gessle selbst: "Mein alter Herr war Installateur", verrät der 47-Jährige, der sein Album in einem Studio aufnahm, das neben modernster Computertechnologie auch eine altmodische Echo-Kammer und historische Mikrofone vorweisen kann: "Ich wollte unbedingt, dass sich das Album organisch und authentisch anhört."

Bewusst habe er keine Demo-Bänder produziert oder aufwändige Proben gefahren: "Wir wollten, dass das Album quasi aus sich heraus entsteht" - kuriose Songtitel inbegriffen, die sich mit "Eine Woche mit vier Donnerstagen" oder "Kurt, der schnellste Klempner des Westens" übersetzen lassen. Letzterer ist eine Ehrung des britischen Slapstick-Komikers Benny Hill, wie Per Gessle erläutert. Besonders das Stück "Ich habe die Trennung der Beatles nicht wirklich verdaut" sei ihm wichtig gewesen: "Wenn die Plattenfirma gesagt hätte, wer soll das altmodische Zeug kaufen, wäre mir das auch wurscht gewesen."

Qualitäten als Songsschreiber

Musikalisch bietet das Album das, was auch Roxette erfolgreich gemacht hat: eingängig-melodiöser Pop, der hier seine Wurzeln in den späten 60er-Jahren ernst nimmt. Dabei kann Gessle seine Qualitäten als Songschreiber zeigen: "Das reizt mich mehr als zu singen. Da bin ich immer eine Verlegenheitslösung gewesen."

Als Roxette waren Per Gessle und Sängerin Marie Fredriksson der erfolgreichste schwedische Musikexport seit Abba. Popsongs wie "The Look", "Joyride" oder "It must have been love" wurden weltweite Erfolge. Insgesamt verkaufte das Duo 35 Millionen Alben. Auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs erkrankte Marie Fredriksson im Jahr 2002 an einem Gehirntumor, seitdem ruht das Bandprojekt.

In der krankheitsbedingten Zwangspause von Roxette war Gessle nicht untätig. Es gab eine viel beachtete Wiedervereinigung mit seiner früheren Band Gyllene Tider, die Anfang der 80er Jahre die schwedische Pop-Szene beherrschte. Dazu legte er 2003 das Solo-Album "Mazarin" vor, das in Schweden wegen der herausragenden Verkaufszahlen mit drei Platin-Auszeichnungen geehrt wurde.

20-jähriges Band-Jubiläum

In diesem Jahr feiert Roxette 20-jähriges Bestehen. Für eine "Best of"-CD-Box will Gessle mit der wieder genesenen Marie Frediksson auch neue Stücke aufnehmen: "Wir haben zwar noch keine neuen Songs geschrieben, aber wir werden im Sommer auf jeden Fall wieder ins Studio gehen."

Das neue Roxette-Material soll im gleichen Studio wie "Son of a plumber" aufgenommen werden. "Es ist so abgelegen und unluxuriös, das noch nicht einmal das Handy funktioniert", sagt Gessle: "Marie war noch nicht da, aber ich bin sicher, sie wird es lieben."

Zu Beginn ihrer gemeinsamen Karriere sei er der Überkorrekte und Marie die Chaotin gewesen. Das habe sich über die Jahre komplett gedreht: "Wenn wir jetzt in dieses Studio gehen, dann bedeutet das für uns auch ein Stück zurück zu den Wurzeln."

(afp2)