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Rolling Stones: So klingt die Deluxe-Ausgabe von "Goats Head Soup"

Rolling Stones : Als Mick Jagger mit Luzifer tanzte

Das Stones-Album „Goats Head Soup“ von 1973 erscheint in neuer Edition. Die Platte beendete die goldene Ära in der Biografie dieser Band. Und lieferte mit „Angie“ ihren größten Hit.

Sie waren die größte Rockband der Welt, zwischen 1968 und 1972 hatten sie vier Meisterwerke veröffentlicht und ganz nebenbei die Beatles überlebt. Nun kumpelten sie mit Luzifer rum und feierten schwarze Messen auf dem Olymp: „Pleased to meet you / Hope you guess my name.“

Aber dann kam das Jahr 1973, die Rolling Stones brachten das Album „Goats Head Soup“ heraus, und das war zwar ganz gut, aber auch nicht mehr. Es ist die Platte, auf der man „Angie“ findet, ihren erfolgreichsten Song. „Doo Doo Doo Doo“ ist dabei, ein irres Brett von einem Lied. Und die Voodoo-Beschwörung „Can You Hear The Music“, bei der sich der Hörer in den schwül dampfenden Sümpfen von New Orleans wähnt. „Dancing With Mister D“ hingegen ist nur noch Teufelchen-Krabbelgruppe im Vergleich zu „Sympathy For The Devil“. Und „Winter“ schaukelt gemütlich, klingt aber total nach Van Morrison.

Die Stones waren keine Kumpel-Gang mehr wie damals im Keller von Keiths französischer Villa, wo sie viel Rotwein tranken, aber nur, damit das Heroin verdünnt wird. Sie hatten dort „Exile On Main Street“ aufgenommen, das vernebelteste, schlüpfrigste, klebrigste, widerlichste und zugleich herrlichste Stück Rock’n’Roll jener Ära.

Dass die zu Ende ging, dokumentiert „Goats Head Soup“. Keith versuchte in Schweden, gegen ausgewählte seiner diversen Abhängigkeiten vorzugehen, Mick tanzte mit Bianca um die Welt, und Mick Taylor war auf dem Absprung. Sie produzierten in London, Kingston und L.A., sie bildeten nicht mehr die Einheit der Vorjahre. So klingt diese Platte trotz großer Momente disparat, sie hat keinen roten Faden. Den Blues-Anteil schraubten die Stones zurück, stattdessen wurden Soul und Funk wichtigere Einflüsse.

Nun gibt es eine Deluxe-Ausgabe von „Goats Head Soup“, die toll ist, weil der Sound aufpoliert wurde und ungemein gut klingt. Im Bonusmaterial findet sich das Stück „Scarlet“, für das sich Jimmy Page den Stones anschloss. Aber der Höhepunkt ist das beigelegte Konzert. Brüssel, Oktober 1973. Zweitletzte Station mit Mick Taylor an der Gitarre. Sie haken „Goats Head Soup“ mit vier im Block gespielten Stücken ab. Und konzentrieren sich auf den guten Stoff. „Gimme Shelter“, „Brown Sugar“ und diese übertourige Vollgas-Version von „Jumpin’ Jack Flash“. Gitarre, Schlagzeug: „I was born in a cross-fire hurricane.“ Das ist es.