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"Rausch" von Helene Fischer - Kritik zum neuen Album

„Rausch“, das neue Album von Helene Fischer : Weniger Maschine, mehr Mensch

Nach fast drei Jahren künstlerischer Pause meldet sich Helene Fischer mit einem neuen Album zurück. Der Hype ist riesig. Aber was taugt „Rausch“ wirklich?

Irgendwann schafft sie es dann doch wieder: Gerade hat man sich bei dem Gedanken ertappt, ausgerechnet dieses neue Album von Helene Fischer könnte keinen einzigen Titel bringen, bei dem in guter alter „Atemlos“-Tradition einfach nur die Post abgeht – da kommt auf der zweiten CD endlich „Jetzt oder nie“.

Und schon können Kopf, Arme, Füße, Herz und Hirn gar nicht anders, als mitzuwippen, mitzuschnippen und mitzugrooven. „Morgen kann alles vorbei sein, / das wird hier unsere Zeit sein“, singt die Fischer wieder von dem Gefühl, nur auf diesen einen großen Augenblick in dieser einen heutigen Nacht komme es in unserem ganzen Leben an. Und wir feiern mit, obwohl wir wissen, dass dies alles nur ein Hirngespinst ist. Aber ein bisschen Illusion und süße Erinnerung an die deutschlandweiten „Atemlos“-Ekstasen von einst dürfen schon sein – auf diesem neuen Album der 37-jährigen Sängerin. Das anders ist als die sieben zuvor.

Für ihre weitere Karriere ist es von Bedeutung. An ihren Qualitäten als Sängerin und Performerin zweifelt niemand. Sie ist eine Entertainerin, wie es keine zweite in Deutschland gibt. Und sie könnte jederzeit mit neu zugeschnittenen Songs große Shows in den USA bestreiten. Aber dazu muss sie ihr Spektrum erweitern, muss neue Stile wagen, die Grenzen vom deutschen Popschlager zum internationalen Pop überschreiten – aber ohne ihre alten Fans zu Tode zu erschrecken. Schafft ihr neues Album diesen Spagat?

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Mit den Vorabveröffentlichungen „Vamos a Marte“ und „Volle Kraft voraus“ steckte Fischer dieses Terrain ab. Letzteres ist ein klassischer opulenter Helene-Song für die alte Fangemeinde, der als stille Ballade beginnt, um sich zur Feuerzeug-Hymne zu entfalten. Die Künstlerin kann hier ihre wunderbar klare Stimme strahlen lassen – und zugleich suggeriert der Text, der vom konstruktiven Abschiednehmen am Ende einer langjährigen Beziehung erzählt, dass auch für Fischer ein neuer Lebensabschnitt beginnt. 

Ganz anders dagegen „Vamos a Marte“ („Lass uns zum Mars gehen“); hier singt Fischer nicht nur teilweise auf Spanisch, sondern hat auch den Latin-Pop-Star Luis Fonsi engagiert. Mit ihm im Duett entwickelt sie den Song ebenso zielstrebig wie energisch vom Schlager zum clubtauglichen Dancesong mit einem ordentlichen Schuss Elektrobeats.

So sehr die beiden Vorab’s polarisierten, das Album „Rausch“ selbst mit insgesamt 24 Titeln macht einen anderen Gesamteindruck, will da gar keine Richtungsentscheidung erzwingen, sondern probiert lieber hier und da ein bisschen was aus, während andere Titel so klingen, als hätte man sie früher schon gehört.

In der Summe ist das weder richtig großballadig noch verrückt tanzversessen und schon gar nicht grenzüberschreitend; es ist eher eckig und kantig als rund und mitreißend. Man merkt das Bemühen, jedem einzelnen Songs einen singulären Charakter zu geben, ohne damit stets zum Ziel zu kommen. Immerhin: Helene Fischer möchte die Aufmerksamkeit offenbar endlich auf sich als wahre Interpretin ziehen. Weniger Maschine, mehr Mensch.

Das gelingt ihr am überzeugendsten bei zwei ruhigen Nummern: „Danke für Dich“ und „Luftballon“ erzählen einfühlsam von dem Gefühl, einen Menschen für immer verloren zu haben, und von dem Wunsch, ihm doch verbunden zu bleiben. Das singt sie sehr schön und eindringlich – zu bemerkenswert sparsamer musikalischer Begleitung. Da wird man still.

TV-Tipp Helene Fischer: „Im Rausch der Sinne“, Konzertfilm, ZDF, Samstag, 16. Oktober, 21.45 Uhr.