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"Atoms For Peace": Radiohead-Sänger Thom Yorke hat eine neue Band

"Atoms For Peace" : Radiohead-Sänger Thom Yorke hat eine neue Band

Bei Radiohead war es zuletzt so, dass man sich auf eine neue Platte zwar freute, dass man aber zugleich sehr in Sorge war: Wie wird sie klingen? Mag man das noch hören? Die Band um Sänger Thom Yorke produziert auf hohem Niveau, aber arg verkopft, und tatsächlich ist die letzte Veröffentlichung "King Of Limbs" eher etwas fürs Hirn und weniger fürs Herz.

So durfte man auf die neue Band hoffen, mit der Yorke ins Studio ging, Atoms For Peace heißt sie, und das erste Album "Amok" erscheint an diesem Freitag. Flea von den Red Hot Chili Peppers spielt Bass, da kann nichts schiefgehen, der Mann ist Spezialist im Tieferlegen von Kompositionen, er bringt Lieder zum Grooven. Außerdem dabei: Radiohead-Produzent Nigel Godrich an den Keyboards, der brasilianische Perkussionist Mauro Refosco sowie an den Drums Joey Waronker, der sonst für Beck und R.E.M. trommelt.

Das Album klingt nun stark nach Radiohead, lockerer allerdings, entspannter. Das ist elektronischer Jazz für die Gegenwart, eine gelungene Mischung aus Laptop-Programmierung und Live-Improvisation. Der Höhepunkt ist sicher die Vorab-Single "Default", die darf man schon mal notieren für den Dezember, wenn wieder die Listen der Songs des Jahres zusammengestellt werden.

Yorke hört sich an, als habe er Spaß — das ist bemerkenswert, denn er ist ja bekannt für seine Versonnenheit. Seine Stimme umschmeichelt die vertrackten Song-Gebilde, die aus Synthesizer-Sounds, gebrochenen Beats und exotischen Beigaben wie afrikanischen Zupf-Instrumenten errichtet wurden. Yorke flirtete bereits auf seinem Solo-Album "The Eraser" von 2006 mit der Club-Szene, und das hier darf man geradezu als Bekenntnis zu den aktuellen Trends in der elektronischen Musik verstehen, zu Techno, Dubstep und so weiter.

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Bei aller Bewunderung für die Entwicklung und Versiertheit Yorkes: Am Ende von "Amok" bleibt er doch unter seinen Möglichkeiten. Es ist seltsam: Nach Klasse-Songs am Anfang rutschen die übrigen der neun Lieder so durch. Kein Widerhaken, keine Verblüffung, statt dessen Stagnation. Das ist zwar immer noch ansprechend, aber nicht mehr begeisternd.

(RP/pst)