Am 18. Juni in Düsseldorf: Norah Jones auf Kuschel-Tour

Am 18. Juni in Düsseldorf : Norah Jones auf Kuschel-Tour

Frankfurt/Main (rpo). Norah Jones ist mit ihrer sanften Jazz-Country-Pop-Mixtur zu einem Mega-Kracher der Musikszene aufgestiegen. Und hat es doch lieber kuschelig: Auf ihrer Deutschlandtour funktioniert sie Konzertsäle zu Wohnzimmern um.

Ihre inzwischen so populäre Mischung aus Blues, Country und Jazz verströmte im ausverkauften Großen Saal am Freitagabend Wohlfühlatmosphäre. Jones spielte mit ihrer vorzüglichen Handsome Band Lieder, die man von ihren beiden bisher erschienenen Alben kennt und solche, die es noch nicht auf eine CD geschafft haben.

Das alles mit einem unwiderstehlichen Charme und ohne Starallüren. Norah Jones ist eine der aktuell erfolgreichsten Musikerinnen - aber sie ist nicht das, was man unter einem Superstar versteht. Die Mittzwanzigerin wirkt manchmal schüchtern, wenn sie nicht am Klavier sitzt. Und wenn sie stehend singt, sieht das sogar etwas linkisch aus. Dazwischen aber ist sie auch einfach nur natürlich sympathisch oder plötzlich herausfordernd: Als sie mit Band zur Zugabe wieder auf die Bühne zurückkam, forderte jemand lautstark "Freebird". Sie wollte ganz genau wissen, wer und sagte, er solle doch bitte selbst nach oben kommen und das Lied spielen. Auf den Konter, sie könne das wohl besser, sagte sie, er könne hochkommen und sich neben sie auf die Klavierbank setzen, während sie "Freebird" spielt. Der Mann kam nicht, und Jones spielte das Lied nicht.

Etwas rockiger

Dafür gab es die populären Songs wie "Come Away With Me", "Don't Know Why" und "Sunrise" neben einem exquisiten Mix aus den beiden Alben und Liedern, die sie bisher noch nicht auf CD veröffentlicht hat. Oder eins wie das wunderschöne "Sleepless Nights" von den Everly Brothers, das sie im Duett mit Daru Oda singt und das es nur auf der japanischen Pressung eines Albums gibt - "ich weiß auch nicht, warum die Japaner immer noch einen Bonus bekommen." Die Musik ist etwas rockiger geworden, die E-Gitarren - neben ihrem vorzüglichen Handsome-Band-Mitglied Adam Levy wird sie auf der Tour vom ehemaligen Pretenders- und Paul-McCartney-Gitarristen Robbie McIntosh begleitet - drängen ihr Klavier hin und wieder in den Hintergrund. Schlagzeuger Andrew Borger schlägt den Takt hin und wieder etwas härter, nur Bassist und Lebensgefährte Lee Alexander zupft den Bass weiterhin sehr jazzig.

Kuschelig

Jones Musik ist weiter in Richtung Pop gegangen, das aber auf hohem Niveau und eher aus der Notwendigkeit heraus, dass größere Säle doch ein etwas anderes Programm erfordern als Clubs wie der in New York, der den kuscheligen Namen "Living Room" trägt und wo sie vor noch gar nicht allzu langer Zeit aufzutreten pflegte. Zu den reflexiven Liebesballaden gesellen sich die ersten Midtempo-Stücke, zu denen Levy beispielsweise ein Solo zu spielen weiß, wie es einem Carlos Santana noch nicht eingefallen ist.

Irgendwo in Frankfurt fand danach noch eine Doppelplatin-Verleihung statt - im kleinsten Kreis, denn Jones macht nicht viel Aufhebens von sich. Auch ohne großen Einsatz in der Promotion, mit weltweit sparsamst gegebenen Interviews hat sie von ihrem zweiten Album "Feels Like Home" seit Februar neun Millionen Stück verkauft. Die verkaufte Auflage des hierzulande erst nach dem achtfachen Grammy-Triumph im vergangenen Jahr erfolgreichen Debüts "Come Away With Me" hat seit der Veröffentlichung 2002 inzwischen die Marke von 18 Millionen überschritten, teilt ihre Plattenfirma Blue Note/EMI mit. Das Beispiel des Antistars Norah Jones zeigt, dass Pop-Musik auch ohne so genannten Hype und Image-Kampagnen Erfolg haben kann - vorausgesetzt, man hat eine echte Musikerpersönlichkeit.

Weitere Tourdaten: 05.05. Genf (Arena), 12.06 Zürich (Kongresshaus), 18.06. Düsseldorf (Philipshalle), 19.06. Hamburg (CCH 1), 20.06. Berlin (Tempodrom).

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