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"Ballast der Republik": Neues Album der Toten Hosen

"Ballast der Republik" : Neues Album der Toten Hosen

Ihre Magical-Mystery-Konzerttour neigt sich bereits dem Ende zu, doch die Feier zum 30. Geburtstag der Toten Hosen tobt weiter: Heute erscheint "Ballast der Republik", das mittlerweile 15. Studioalbum der Düsseldorfer – eine Standortbestimmung, auf der die Band mit Mut zum Kontrast und großer Spielfreude begeistert.

Ihre Magical-Mystery-Konzerttour neigt sich bereits dem Ende zu, doch die Feier zum 30. Geburtstag der Toten Hosen tobt weiter: Heute erscheint "Ballast der Republik", das mittlerweile 15. Studioalbum der Düsseldorfer — eine Standortbestimmung, auf der die Band mit Mut zum Kontrast und großer Spielfreude begeistert.

Der Schlussakkord des tiefgründigen Meisterwerks "In aller Stille" ließ 2008 die Frage zurück, welche Tonart die Toten Hosen wohl in Zukunft anschlagen würden. Das Titelstück ist nur ein Teil der Antwort, wenn Campino zum lauten Hämmern der Gitarren brüllt, was die Stimmbänder hergeben. Er beschreibt ein politisches System auf den Knien und die innere Zerrissenheit der darin gefangenen Menschen. "Man tanzt bis in den Morgen / doch die Sorgen fallen nicht ab", heißt es da.

Sorgenfrei hingegen wirkt die entspannte Single "Tage wie diese". Eine Hymne auf die Schönheit des Moments, die Geborgenheit in der Gemeinschaft zu Hause am Rhein. Das klingt ein wenig schmalzig, pathetisch sogar — doch besser ließe sich Harmonie nicht beschreiben.

Spaß und Ernst, laut und leise liegen nah beieinander, wenn selbstironisch die Gefahren des Musikerlebens beschrieben werden ("Traurig einen Sommer lang") und die Festung Europa kritisiert wird ("Europa"). Zentral ist das Thema Liebe. Warum ein Mensch manchmal statt der ersehnten "Drei Worte" Sprachlosigkeit erntet und auch in "Alles hat seinen Grund" auf den Schrei nach Liebe nur Schweigen folgt, bleibt ein Rätsel.

Textlich unterstützt wurden die Toten Hosen von Schauspielerin Birgit Minichmayr und Rapper Marteria alias Marten Laciny. Doch "Draußen vor Tür" blieb Familiensache. Campinos versöhnliche Aufarbeitung der Beziehung zu seinem Vater ist einer der ergreifendsten Songs des Albums und erinnert an die Ballade "Nur zu Besuch".

Den Ballast der frühen Jahre haben die Toten Hosen hörbar abgeworfen. Coverversionen von Liedern aus der Feder so unterschiedlicher Künstler wie Falco, Kraftwerk und Hermann Hesse findet man zuhauf auf dem Jubiläumsalbum "Die Geister, die wir riefen", das als Teil einer Doppel-CD erhältlich ist. Auch der klassische Punkrocksong "Champions League" wurde frühzeitig mit der Single veröffentlicht. Ein potenzieller Hit fürs Fußballstadion wird nun mit "Schade, wie kann das passieren?" nachgereicht.

In "Das ist der Moment" machen die Toten Hosen die letzten Minuten hinter der Bühne spürbar — jenen Schwebezustand zwischen Privatleben und Rock'n'Roll-Zirkus. Hier sind sie nach 30 Jahren als Band verortet. Dass aus diesem Lebensgefühl heraus ein vielseitiges und packendes Album entstehen kann, haben sie mit "Ballast der Republik" erneut bewiesen. Die Premierenfeier mit exklusivem Clubkonzert fand gestern nicht wie anzunehmen in Düsseldorf, sondern im Kölner Gloria-Theater statt. Ein Beleg dafür, dass auch die zwanghafte Rivalität zur Domstadt der Vergangenheit angehört und die Toten Hosen nach eigenen Regeln spielen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Toten Hosen stellen "Ballast der Repblik" vor

(RP/sap)