„Schlager unter Palmen“ Festival wegen Kritik an Wendler-Auftritt abgesagt

Kreta · Der geplante Auftritt von Michael Wendler beim „Schlager unter Palmen“-Festival hat zu mehreren Absagen von Musikern geführt. Wegen der Kritik wurde jetzt sogar das gesamte Festival abgesagt.

Michael Wendler: Schlagersänger, Dschungelcamper und TV-Star - seine Karriere
15 Bilder

Das ist Michael Wendler

15 Bilder
Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

2024 wird kein „Schlager unter Palmen“-Festival auf Kreta stattfinden. Das hat der Veranstalter des Musikfestivals, René Ulbrich, der selbst Schlagersänger ist, am Donnerstag auf Instagram bekannt gegeben. Ursprünglich war die „Schlager unter Palmen“-Reise eine Woche lang im April und Mai 2024 geplant gewesen.

„Wir haben alle Künstler ausschließlich nach ihrem musikalischen Werk und Schaffen und keinesfalls nach ihren politischen Ansichten ausgewählt“, erklärte Ulbrich. Das Festival sei eine „musikalische Unterhaltungsshow und keine politische Veranstaltung“. Aufgrund der Kritik von Fans habe man sich jedoch zur Absage entschieden. In seinem Instagram-Posting berichtet Ulbrich zudem von Hasskommentaren und Beleidigungen gegen ihn. Er selbst distanziere sich „klar von jeglicher Art Diskriminierung, Hass und Hetze“.

Zuvor hatte der Sänger Ross Antony seine Teilnahme am „Schlager unter Palmen“-Festival abgesagt – wegen des Wendlers. „Ich kann euch versichern: Als ich den Auftritt zusagte, war keine Rede von einem Auftritt von Michael Wendler“, schrieb er am Donnerstag in Kommentaren unter zwei Postings auf seinem Facebook-Account. „Natürlich möchte ich mich zu 100% von Michael Wendler und seinen Aussagen distanzieren. Dazu gehört auch, dass ich nicht auf der gleichen Veranstaltung wie er auftreten möchte.“ Medienberichten zufolge hatte auch der Sänger Julian David wegen des Wendlers seine Teilnahme an dem Schlager-Festival abgesagt.

Der Wendler reagierte am Freitag in einem Statement bei Facebook: Die Distanzierung seiner Musikerkollegen bezeichnete er als „lächerlich“. Ross Antony und Julian David wirft er vor, sich „ewig grinsend“ gegen Diskriminierung zu positionieren, doch durch ihr Verhalten genau dies zu tun. Für die Absage des Events hat der Sänger aber Verständnis. Veranstalter Ulbrich habe es nicht nötig, sich im Internet „zu Unrecht beleidigen“ zu lassen.

Wendler hat in der Vergangenheit eher mit öffentlichen Eklats als mit Musik von sich reden gemacht. Auf der Plattform Telegram teilte Wendler immer wieder Beiträge mit Falschbehauptungen und extremen Inhalten wie Verschwörungstheorien. Zur Corona-Pandemie, die er als „Fake-Pandemie“ bezeichnete, teilte er etwa einen Beitrag eines anderen Nutzers mit dem Titel „Impfung – die Endlösung der Menschheitsfrage“ – eine Anspielung auf die nationalsozialistische Vernichtungspolitik gegen Juden. Auch Parolen wie „Impfung macht frei“ teilte er auf Telegram. Die Corona-Impfung bezeichnete Wendler selbst wiederholt als „Giftspritze“.

2020 löste er einen Skandal aus, als er der Bundesregierung mit einem Video zur Corona-Politik „grobe und schwere Verstöße gegen die Verfassung“ vorwarf. Der Sender RTL, für den er damals als Juror in der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ tätig war, distanzierte sich. Nach einer weiteren Äußerung von Wendler über Deutschland als „KZ“ wurde er dann komplett aus dem Castingformat herausgeschnitten. Angeblich sei „KZ“ eine Abkürzung für „Krisen Zentrum“ gewesen, behauptete er später. In der breiten Öffentlichkeit waren die Buchstaben jedoch als Synonym für die Konzentrationslager der Nationalsozialisten verstanden worden.

Vor einem Monat hatten der 51-Jährige und seine 22-jährige Frau Laura Müller die Geburt ihres Sohnes bekannt gegeben. Der Sender RTL ZWEI hatte noch im März dieses Jahres nach heftiger Kritik eine geplante Doku-Soap über die werdenden Eltern vom „Geburtsvorbereitungskurs bis zum Babybett-Kauf“ abgesagt. Zur Begründung hieß es seitens des Senders damals, dass man die „Vehemenz der Reaktionen wahrgenommen“ habe und Stimmen des Publikums ernst nehme.

(mba)