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Bayreuth gibt Lohengrin zum Auftakt: Merkel besucht Wagner in Creme

Bayreuth gibt Lohengrin zum Auftakt : Merkel besucht Wagner in Creme

Bayreuth (RPO). Die 99. Wagner-Festspiele sind eröffnet. Wie üblich erschien ein Großaufgebot an Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Bundeskanzlerin Angela Merkel erschien im cremefarbenen Hosenanzug. Zum Auftakt wurde die Oper "Lohengrin" in der Inszenierung von Hans Neuenfels aufgeführt.

Unter den rund 200 geladenen Premierengästen war erneut Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie erschien in Begleitung ihres Ehemanns Joachim Sauer und trug einen schlichten Hosenanzug. Cremefarben. In vorherigen Jahren hatte sie bereits mehr Mut zur Mode gezeigt. Seitdem sie bei einem Opernbesuch in Oslo mit einem gewagten Ausschnitt Merkel für Aufruhr in den heimischen Medien sorgte, ist sie offensichtlich vorsichtiger geworden. Schon seit Jahren ist Merkel Stammgast auf dem Grünen Hügel.

Hatten Merkel und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im Vorjahr beim traditionellen Promi-Schaulaufen vor dem Festspielhaus noch eine ähnlich herzliche Begrüßung erlebt, ist die Begeisterung der rund 1500 Zuschauer in diesem Jahr deutlich abgekühlt: Auch fernab von Berlin können Merkel sowie ihr Vize-Kanzler und Außenminister Guido Westerwelle den politischen Dissonanzen offensichtlich nicht völlig entkommen. Die Kanzlerin reagiert prompt: Sie lächelt und winkt nur kurz der Menge zu, bevor sie ins Festspielhaus enteilt.

Auch die beiden Alt-Ministerpräsidenten von Bayern, Günther Beckstein und Edmund Stoiber, werden nur verhalten begrüßt. Dennoch finden sie wie in den Vorjahren ihren Weg zu den wartenden Zuschauern, schütteln vereinzelt Hände und geben Autogramme.

Margot Werner als Hingucker

Neben zahlreichen Vertretern der Bundes- und Landespolitik ist in diesem Jahr auch wieder viel Prominenz aus Kultur und Gesellschaft der Einladung nach Bayreuth gefolgt: Darunter Schauspielerin Veronika Ferres, ihr Kollege Sebastian Koch mit Dreitage-Bart, Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick und der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich.

Für den gewohnten Hingucker sorgt einmal mehr Sängerin und Schauspielerin Margot Werner. Sie trägt ein leuchtend orangefarbenes Haarband zu goldgelben Haaren und einen wallenden Umhang mit großem Blumenmuster.

Trotz des gewohnten Promi-Auflaufs sind die Festspiele in diesem Jahr anders als sonst: Erstmals finden sie ohne den langjährigen Patriarchen Wolfgang Wagner statt. Der Enkel des Komponisten Richard Wagner war im März im Alter von 90 Jahren in Bayreuth gestorben. Er hatte die Festspiele 57 Jahre lang geleitet. Nach seinem Rücktritt im August 2008 hatte der Stiftungsrat Wagners Töchtern Katharina und Eva die Leitung übertragen.

Wagners Fehlen sei bedauerlich, sagen die beiden Bayreutherinnen Karin Hein und Rosemarie Baierlein unisono. Die 71 und 68 Jahre alten Opernfans kommen seit Jahrzehnten auf den Grünen Hügel, das Festspielhaus kennen sie in- und auswendig. "Wir haben noch den Wieland Wagner erlebt", erzählt Rosemarie Baierlein stolz. Wielands Bruder Wolfgang sei "ein toller Mensch" gewesen, gleichsam eine Institution in Bayreuth. Dass jetzt seine beiden Töchter die Festspiele leiten und so einiges, wie etwa die Kinderoper oder das kostenlose Public Viewing eingeführt haben, finden sie aber klasse. "Bayreuth wird dadurch moderner", schwärmen sie.

Die Festspiele dauern noch bis zum 28. August. Auf dem Programm stehen unter anderem zum fünften Mal Tankred Dorsts Interpretation des vierteiligen Musikdramas "Der Ring des Nibelungen" und die weiterhin umstrittene Inszenierung der "Meistersinger von Nürnberg" von Katharina Wagner.

Wie schon im Vorjahr wird auf Initiative der 32-jährigen Katharina auch wieder eine Kinderoper aufgeführt: Diesmal wurde der "Tannhäuser" kindgerecht inszeniert und feiert am Sonntagmittag seine Premiere.

Auch eine Fortsetzung des bereits zweimal von vielen Tausend Bayreuthern begeistert aufgenommenen Public Viewings ist vorgesehen: Interessierte können am 21. August die Oper "Die Walküre" auf einer 90 Quadratmeter großen Leinwand auf dem Bayreuther Festplatz genießen.

Überschattet wurde das Opern-Ereignis von dem Unglück auf der Loveparade in Duisburg mit 19 Toten. Merkel kondolierte aus Bayreuth und forderte umfassende Untersuchungen. Das sei man den Opfern schuldig. "Auch die Eltern, die ihre Kinder zu so einer Großveranstaltung ließen, müssten sicher sein können, "dass so etwas nie nie wieder passiert". Zugleich sprach Merkel erneut den Angehörigen der Opfer ihr herzliches Beileid aus. Den Verletzten wünschte die Kanzlerin baldige Genesung. "Es war ein sehr, sehr schrecklicher, trauriger Tag."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bayreuth: Guttenberg sonnt sich, Merkel in Creme

(APN/pst)