ASP startet neuen Zyklus mit "Fremd": "Melancholie in allen Schattierungen"

ASP startet neuen Zyklus mit "Fremd": "Melancholie in allen Schattierungen"

Düsseldorf (RPO). Über zehn Jahre hat der "Schwarze Schmetterling" die Fans der Gothic-Rocker um Alexander Spreng begleitet. Der Zyklus ist nach fünf Alben beendet worden – ASP beginnt einen neuen Zyklus mit dem Album "Fremd". Der Schmetterling selbst bleibt den Fans aber erhalten und die Melancholie findet wie gewohnt den ihr gebührenden Raum.

Düsseldorf (RPO). Über zehn Jahre hat der "Schwarze Schmetterling" die Fans der Gothic-Rocker um Alexander Spreng begleitet. Der Zyklus ist nach fünf Alben beendet worden — ASP beginnt einen neuen Zyklus mit dem Album "Fremd". Der Schmetterling selbst bleibt den Fans aber erhalten und die Melancholie findet wie gewohnt den ihr gebührenden Raum.

ASP (Alexander Spreng) hat einen neuen Zyklus begonnen. Foto: Rosenheim Rocks

Schon der Blick auf das edle und aufwändig gestaltete Booklet zeigt, dass der neue Zyklus "Fremd" ein Nachfolger zum "Schwarzen Schmetterling" ist: das schwarze Insekt ziert das Cover der CD in all seiner Pracht.

Mit "A prayer for sanctuary" eröffnet die Platte die Reise in die Abgründe der Seelen. Leise Keyboardtöne bilden das Grundgerüst des Songs während ASP mit fast sakralem Gesang die Hörer auf das Komemnde einstimmt.

Die Singleauskopplung "Wechselbalg"

Schon folgt das erste Highlight des Albums: Die Singleauskopplung "Wechselbalg" ist ein typisches ASP-Stück mit treibenden Beats. Der Kampf gegen das fremde Ich bzw. den schwarzen Schmetterling scheint verloren und der Protagonist erwacht in einer fremden Welt. Dieser Song ist wohl der eingängigste auf der Scheibe und wird sicherlich den Weg in die Clubs finden.

Auch das folgende Stück, "Eisige Wirklichkeit", hat das Potential zu einem Dauerbrenner für ASP-Fans werden zu können. Noch ein Tick härter und schneller als "Wechselbalg" lädt der Song zum Tanzen ein.

Mit "The mysteriuous vanishing of the Foremar familiy" beweist ASP mal wieder, warum sie sich selbst dem Genre "Novel Rock" zurechnen. Der Titel wird als "A Real Gothic Tale" und tatsächlich beweist ASP in über neun Minuten, dass sie eine ganze Geschichte atmosphärisch dicht und fesselnd musikalisch umsetzen können. Erzählt wird die Story von dem rätselhaften Verschwinden einer Familie.

In "Rücken an Rücken" zeigen sich wieder direktere Bezüge zur Hauptgeschichte. Das erzwungene Bündnis zwischen dem Protagonisten und dem Schmetterling wird ebenso thematisiert, wie der gemeinsame Kampf, ohne gegenseitige Akzeptanz. Erstmals wir dhier aus der Sicht des Schmetterlings erzählt — erstmals erhält er so etwas wie einen Charakter.

Die "Angstkathedrale" - ein Geniestreich

Doch das musikalisch und auch textlich anspruchsvollste Stück ist definitv das 17-Minuten-Epos "Angstkathedrale" - man kann es wohl durchaus das Herzstück des Albums nennen. Minutenlang baut ASP ein angsteinflößendes monotones Klanggebilde auf, bevor nach circa 8 Minuten ein kompletter Tempowechsel einsetzt. Der Charakter des Stückes variiert nun deutlich — Keyboards lockern die aufgestaute Schwermut etwas auf, lassen dadurch allerdings den Rest nur umso dunkler erscheinen lassen. Ohne wenn und aber ist das Stück schwer zugänglich — aber phantastisch arrangiert.

"Fremd" wirkt das Album nicht

Auch wenn ASP mit dem neuen Zyklus zu neuen Ufern aufgebrochen sind, so wird den Fans dieser Künstler das neue Album nicht fremd erscheinen. Sprengs auffällige und doch vertraute Stimme bestimmt nach wie vor das Sein seiner Alben und zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk. Und auch die gewählte Thematik des "Anders-Seins" ist hier wie in allen Alben des "Meisters" grundlegend musikalisch verarbeitet worden.

Allerdings hat sich der Blickwinkel etwas verändert — es geht nicht mehr nur um den Prozess der Veränderung, sondern auch und vor allem um den eigentlichen Zustand des Anderen. "Das Anderssein ist immer eine Chance, eine Keimzelle für neue Gedanken und Ideen", so Asp über das Grundthema seines neuen Albums. "Das sich Fremdfühlen in einer Gesellschaft fördert auch das Hinterfragen von Bestehendem, von Traditionen, und ruft letztendlich Veränderung hervor."

Doch trotz aller Düsternis bewahrt sich (wie so oft bei ASP) "Fremd" eine ganz eigene musikalische und textliche Ästhetik. Die aber muss sich der geneigte Fan durch mehrmaliges Hören erarbeiten.

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