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Meat Loaf ist gestorben: Der Chef-Romantiker des Rock and Roll

Meat Loaf ist gestorben : Der Chef-Romantiker des Rock and Roll

Meat Loaf gehörte zu den populärsten Künstlern der Rockgeschichte. Sein Album „Bat Out Of Hell“ brach Rekorde. Nun ist der 74-jährige Amerikaner gestorben.

Die Musik von Meat Loaf kann man am besten als „Heart Rock“ bezeichnen. Er schüttete sein Herz aus, jeden seiner großen Songs füllte er bis zum Rand mit Emotionen und mit den ganz großen Gesten. Er war der ölverschmierte und tief erschütterte Chef-Romantiker im Rüschenhemd, und er segelte stellvertretend für sein Publikum über die stürmische See des Lebens. „I’d Do Anything For Love“ dauert in der Album-Version zwölf Minuten. Wenn das bombastische Lied nach mehreren Tempowechseln, Zwischenstücken und mächtigen Paukenschlägen endet, sieht man seinen völlig erschöpften Sänger in Gedanken vor sich, wie er sich mit einem roten Seidentuch den Schweiß von der Stirn wischt.

 Marvin Lee Aday, den alle Welt unter dem Namen Meat Loaf kannte, ist gestorben. Der Mann aus Texas wurde 74 Jahre alt. Es ist faszinierend zu sehen, wie sehr dieser Kerl geliebt wurde. Die Platte „Bat Out Of Hell“ mit dem Hit „You Took The Words Right Out Of My Mouth“ gehört zu den fünf meistverkauften aller Zeiten. Und vielleicht rührt diese Zuneigung von der Menschlichkeit, die Meat Loaf verkörperte und in seiner Musik und auf der Bühne ins Dramatische steigerte.

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Sein Vater war alkoholkrank, er nannte den zweijährigen Sohn wegen dessen Übergewicht und seiner geröteten Haut „Meat“. Ein zorniger Footballtrainer machte daraus zehn Jahre später „Meat Loaf“ (Hackbraten), weil der Junge ihm auf den Fuß getreten war.  Diese beiden Ereignisse deuten schon darauf hin, dass hier jemand vor der Zeit sensibilisiert wurde. Nachdem die geliebte Mutter gestorben war, ging Meat Loaf alleine nach Los Angeles und bewarb sich in Castings um Musical-Rollen.

 Er spielte in „Hair“ und den Eddie in der „Rocky Horror Picture Show“. Aber  noch wichtiger war die Begegnung mit dem Musicalkomponisten und Songwriter Jim Steinmann. Der mochte Rock and Roll ebenso gerne wie Richard Wagner, und so klangen seine Stücke dann auch: larger than life, wie man so sagt. Ganz dicke Soße, volles Aroma.

 Meat Loaf und Steinman planten ein Musical mit dem Namen „Neverland“, es sollte eine Art Lederjacken-Version des alten „Peter Pan“ Stoffes werden. Sie gaben den Plan auf, aber der Geist des Projekts durchzog noch „Bat Out Of Hell“, das Album, das sie 1977 in die Welt schickten. Das irre Cover mit dem Motorrad, das aus einem Grab hervorstößt! Die ersten Verse: „The sirens are screaming, and the fires are howling / Way down in the valley tonight“! Und dann: Abfahrt! Meat Loaf warf sich mit voller Wucht in seine Lieder. Ein Liebender, ein knallharter Softie, ein Mensch, in dessen enormem Resonanzraum so viel Zuneigung und Sehnsucht war, dass Piano und E-Gitarren sich Verstärkung von Bläsern und Streichern holen mussten, um ihn durch die Verheerungen des Erwachsenwerdens zu tragen.

 Meat Loaf war der Meistersänger des Bombasts, der Prediger des Too Much, eine Märchenfigur mit Schmauchspuren. Er interessierte sich nicht für Vernunft, Rationalität und Logik. Er kam von der Dark Side of the Moon, und die Musik rettete ihm das Leben. Nun stand er da und wollte geliebt werden: „I started swearing to my god and on my mother’s grave / That I would love you to the end of time“. Man hörte das, es war aufwühlend, und eigentlich auch offensichtlich eins drüber. Aber es wärmte so schön.

 Die 80er Jahre waren nicht so gut zu Meat Loaf. Er plagte sich mit einer Stimmerkrankung. Er zerstritt sich mit Jim Steinman. Er soff, erlitt einen Nervenzusammenbruch. Das Geld ging ihm aus, und er produzierte Flops, darunter eine von Frank Farian verantwortete Fürchterlichkeit. Und das eigentlich für ihn gedachte Lied „Total Eclipse Of The Heart“ wurde von Bonnie Tyler in die Charts gebracht. Später wurde eine schwere Herzerkrankung diagnostiziert. Immerhin rauften sich Meat Loaf und Steinman gegen Ende des Jahrzehnts wieder zusammen: „Bat Out Of Hell II“ erschien 1993 und wurde ein Triumph.

 Das darauf enthaltene „I’d Do Anything For Love“ ist so etwas wie der späte Signature Song von Meat Loaf: Ein ausladendes Vehikel, das einmal in Fahrt gekommen, kaum aufzuhalten ist. Darauf thront der Heldentenor der verwelkten Adoleszenz und singt mit großem Pomp davon, wie er zur Hölle und zurück rennen würde. Nur für ein bisschen Liebe. Jeder würde das tun. Aber ihm nahm man ab, dass es ihm tatsächlich gelänge.

 Man kann gut nachvollziehen, dass sich Meat Loaf selbst in erster Linie gar nicht so sehr als Sänger begriff, sondern als Schauspieler. Er trat ja nicht nur in der „Rocky Horror Picture Show“ (1975) auf, sondern auch in „Fight Club“ und „Wayne’s World“. Auch seine Songs waren im Grunde Theaterstücke. Dramen, in denen alles auf den letzten Akt zulief. Sie lieferten Atmosphäre, filmische Handlungsbögen, Melodrama.

 Meat Loaf ist tot. Einer seiner schönsten Verse lautet: „I was just about to say I love you.“