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Jay-Z veröffentlicht neues Album: "Magna Charta Holy Grail" ist Jay-Zs Familienalbum

Jay-Z veröffentlicht neues Album : "Magna Charta Holy Grail" ist Jay-Zs Familienalbum

Mit dem neuen Album "Magna Charta Holy Grail” hat Jay-Z schon vor der regulären Veröffentlichung einen Verkaufsrekord aufgestellt. Auch musikalisch kündigte sich dank namhafter Produzenten ein neues Meisterwerk an.

Jay-Z geht mit seinem neuen Album in wirtschaftlicher Hinsicht revolutionäre Wege. Er hat gemeinsam mit dem Elektronikkonzern Samsung das Album als eigene App vermarktet. Eine Woche vor dem offiziellen Verkaufsstart konnten sich die Nutzer dieser App das Album schon anhören. Damit hatte Jay-Z schon vor dem Erscheinen in anderen Läden hatte Jay-Z eine Millionen Einheiten des Albums verbreitet. Die künstlerischen Erwartungen an das Album waren ebenfalls hoch. Als zentrale Figuren in der Produktion waren Timbaland, Rick Rubin, Pharrell Williams und Swizz Beatz beteiligt. Fans erwarteten eine Neuauflage des legendären "Black Albums”, auf dem Rick Rubin den Klassiker "99 Problems” produziert hatte. Während Fans sich in etwa vorstellen konnten, was sie musikalisch erwartet, gaben die Spekulationen um den lyrischen Inhalt wenig her.

Familienalbum statt Hochglanzmagazin

Inhaltlich steht das Album im starken Kontrast zu seiner Verpackung. Das Cover und das Booklet zeigen Kunstwerke aus dem Metropolitan Museum of Art in New York. Zu sehen sind antike Skulpturen und Fotografien, die Jean-Michel Basquiat abbilden. Alles wirkt wie ein Ausstellungskatalog oder eine großflächige Werbung in einem Mode- oder Kunstmagazin. Tatsächlich ist das Album aber kein hochglänzendes Druckerzeugnis, sondern ein selbstgebasteltes Familienalbum. Die moderne musikalische Begleitung wie auf "F.U.T.W.” lassen es aber nicht wie ein abgegriffenes Erinnerungsstück mit Ledereinband wirken.

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Schon das erste Wort von Jay-Z auf dem Titelsong "Holy Grail” deutet auf die Familiengeschichte hin. Mit dem Wort "Blue” bezieht er sich auf die gemeinsame Tochter mit Beyoncé mit dem Namen Blue Ivy Carter. Das Titellied ist mit Abstand das stärkste Stück. Es wandelt zwischen den gefühlvollen und weichen Einlagen von Justin Timberlake, dessen Stimme so klar wirkt, wie selbst auf seinen eigenen Stücken nicht und den brachialen Versen von Jay-Z. Diese werden unterstützt durch verzerrte Basslinien und geschnittene Schlagzeugklänge. Auch auf dem Lied "Heaven” thematisiert Jay-Z das Familienleben, dass für ihn der Himmel auf Erden ist.

Gäste arbeiten im Hintergrund

Gäste auf dem Album sind unter anderem Frank Ocean, der auf dem passenden Titel "Ocean” zu finden ist, sowie Rick Ross, Nas und Beyoncé. Das Stück "Part II (On the run)” mit Gattin Beyoncé klingt trotz vieler Gesangseinlagen der Popdiva nach einem Jay-Z-Track. Bei bisherigen Duetten war die Zusammenarbeit weniger harmonisch und beide versuchten sich jeweils in den Vordergrund zu spielen.

Während die Stücke "F+ckwithmeyouknowigotit” mit Rick Ross und "BBC” mit Nas klassische und technisch ansprechende Rapsongs sind, ist das Stück "Tom Ford” wie ein Fremdkörper. Zum einen langweilt der Beat schon nach wenigen Sekunden, da man ähnliches schon wesentlich besser von Künstlern wie Lil' Wayne gehört hat, zum anderen ist ein Lied über einen Modedesigner und den materiellen Lebensstil zusätzlich ermüdend.

Jay-Z als Biograf anderer Künstler

Während sein Kollege Kanye West immer wütender und aggressiver seine Kunst zum Ausdruck bringt, stimmt Jay-Z wesentlich ruhigere Töne an. Er wirkt nachdenklich, wenn er andere Künstler und Idole erwähnt oder auf einem Lied lediglich das Husten oder kurze Ausschnitte des verstorbenen Notorious B.I.G. einbaut. Mit "Biggie” hatte Jay-Z einst "Brooklyn's Finest” aufgenommen, für Fans eines der besten Duette der Rapgeschichte. Dabei erinnert Jay-Z mit seinen Referenzen auch an den Rapper The Game, der in seinen Liedern als Biograf anderer Musiker auftritt und immer wieder ihre Einflüsse auf seine Arbeit erwähnt. Dazu passt auch, dass Jay-Z auf "Holy Grail” Zeilen aus dem Nirvana-Song "Smells like teen spirit” rappt oder auch R.E.M.s "Losing my religion” mit in das Album einbaut.

(ac)