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Liam Gallagher von Oasis: „Noel wünschte, er wäre ich“​

Ex-Oasis-Sänger Liam Gallagher : „Noel wünschte, er wäre ich“

Liam Gallagher hat Probleme mit der Hüfte. Eigentlich müsste der frühere Oasis-Frontmann sich operieren lassen – aber er will erst nochmal Musikgeschichte schreiben. Im Interview spricht er über Knebworth rund 25 Jahre danach, gute Musik und seinen Bruder.

Liam Gallagher will noch einmal Musikgeschichte schreiben. Am ersten Juni-Wochenende kehrt der 49-Jährige in den Park von Knebworth zurück. Dort, rund eine Stunde nördlich von London, gab er vor gut 25 Jahren zusammen mit seinem Bruder Noel jene zwei legendären Oasis-Konzerte, von denen Fans heute noch träumen. Im Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht Gallagher über die wenigen Erinnerungen, die er an damals noch hat, beleidigt seinen Bruder - und erzählt, wie er mit seiner angeschlagenen Hüfte zurecht kommt.

Wie geht es Ihrer Hüfte denn?

Liam Gallagher: Sie tut schon weh, aber ich kann da jetzt nichts machen, weil ich Knebworth abwarten muss. Nach der Operation kann ich mich ja wochenlang gar nicht bewegen, und ich kann ja in Knebworth nicht einfach auf meinem wunden Hintern sitzen oder über die Bühne krabbeln.

Fordert das Leben als Rockstar seinen Tribut?

Gallagher: Das glaube ich nicht. Das scheint eher ein genetisches Problem zu sein. Meine Mama hat nie gesoffen, nie geraucht und, soweit ich weiß, war sie auch nie ein Rockstar. Aber sie hatte es auch mit der Hüfte.

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Sprechen wir über Ihr Album, es ist Ihr drittes. Fühlte es sich anders an?

Gallagher: Es fühlt sich wirklich anders an, ja. Einfach weil wir eine Pandemie haben und einen verdammten Krieg. Ich bin ja nicht politisch und will auch keine verdammten politischen Botschaften in die Welt setzen. Aber einfach weil die Situation so ist, wie sie ist, ist es schon ein anderes Album - aber nicht zu anders.

Hat Corona Ihre Art zu arbeiten verändert?

Gallagher: Nicht wirklich. Allerdings hätte es ohne die Pandemie dieses Album vielleicht gar nicht gegeben. Wir saßen ja alle zu Hause rum, konnten nicht raus und haben uns Ideen hin und her geschickt. Und auf einmal waren es immer mehr Lieder. Da waren gute Sachen dabei.

Der Titelsong „C'Mon You Know“ ist ein ziemlicher Partysong. Aus Ihrer Sicht das, was wir in Zeiten wie diesen brauchen?

Gallagher: Das brauchen wir nicht nur jetzt, sondern immer. Die Leute denken viel zu viel nach. Aber Musik muss verdammt nochmal kicken und die Leute dazu bringen, zu saufen und zu springen. Einfache Lyrics, in die Fresse. Aber auf dem Album sind auch ein paar bedeutungsvollere Lieder dabei, die meinem Bruder gefallen werden.

Ist es Ihnen wichtig, dass Ihre Musik Ihrem Bruder gefällt?

Gallagher: Das ist mir scheißegal. Ich weiß von anderen Leuten, dass es Musik von mir gibt, die ihm gefällt. Aber er wünschte, er wäre ich. Ich kann Leute bezahlen, die das, was er kann, viel besser können. Die schreiben mir Lieder, die tausendmal besser sind als die von Noel. Aber er kann keine Leute wie mich engagieren. Er steht da auf der Bühne mit seinen kleinen verdammten Kaninchen.

Stehen Sie deshalb in diesem Jahr - gut 25 Jahre nach den legendären Oasis-Konzerten - ohne ihn in Knebworth auf der Bühne?

Gallagher: Dieses Mal ist es nicht Oasis, dieses Mal bin ich es. Viele Leute in meinem Alter, die damals da waren, haben heute Kinder, mit denen sie nach Knebworth kommen. Und ich werde bestimmt nicht so saupeinliche Sachen machen wie „Wonderwall“ in 900-facher Geschwindigkeit. Und klar will ich die Erinnerungen von damals wieder aufleben lassen - aber auch ganz neue schaffen.

Wie erinnern Sie sich an Knebworth?

Gallagher: Kaum. Ich weiß noch, dass wir auf das Feld kamen und diese Menschenmassen gesehen haben. Das war unglaublich. Helikopter flogen da rum. Aber ich hatte überhaupt keine Angst und war nicht nervös. Große Gigs sind einfach - kleine sind viel schwieriger, weil man die Gesichter der Leute sieht und ihnen in die Augen gucken kann.

Könnte eine neue, junge Band das, was Sie damals in Knebworth gemacht haben, heute auch?

Gallagher: Blur vielleicht... Wir waren ja als Oasis nichts Besonderes. Wir waren so alt wie unser Publikum, wir haben gesoffen, was die gesoffen haben, und wir sahen aus wie die. Aber die Musik war verdammt großartig. Es ist ja immer ein schmaler Grat - auch bei jungen Musikern heute. Nur weil Du mit verbundenen Augen und Deinen Füßen Gitarre spielen kannst, bist Du noch lange kein Gott. Heutzutage gibt es viel zu viel hohle Angeberei im Musikgeschäft. Das ist alles nicht echt. Ich sag immer: Normal bleiben, einfach bleibe

(ahar/dpa)