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Kulturtipps mit eder Lesung von "Drive my Car" von Haruki Murakami

Kulturtipps zum Wochenende : Axel Milberg liest „Drive My Car“ von Haruki Murakami

Für dieses Wochenende gibt es Lesetipps: das neue Buch von Emine Sevgi Özdamar und eine Erzählung von Haruki Murakami. Außerdem das neue Album des Jazz-Pianisten Vijay Iyer.

 Lesen

Auf den Roman „Ein von Schatten begrenzter Raum“ habe ich mich seit Wochen gefreut. Es war eine kleine Sensation, als er angekündigt wurde. Seine Autorin, Emine Sevgi Özdamar, hatte 18 Jahre lang kaum etwas von sich hören lassen. Ihre von 1992 an erschienene Roman-Trilogie „Sonne auf halbem Weg“ ist ein Klassiker der Gegenwartsliteratur. Die drei Bücher fächern das Leben einer mit der Autorin weitgehend identischen, 1946 in Ost-Anatolien zur Welt gekommenen Erzählerin auf. Der türkische Militärputsch von 1971 trieb die Schauspielerin von Istanbul nach Berlin. Dort arbeitete sie unter dem Intendanten Benno Besson an der Ostberliner Volksbühne, folgte ihm 1978 nach Paris, wechselte bald darauf ans Bochumer Theater. Vor allem den dritten Band, in dem Özdamar vom WG-Leben in Berlin berichtet, von einer Zeit, als jeder die neue Peymann-Inszenierung und den aktuellen Godard gesehen hatte, mag ich sehr.

 „Ein von Schatten begrenzter Raum“ mutet nun wie eine Lebensbilanz an. Özdamar schrieb zehn Jahre daran, erst mit der Hand, dann diktierte sie; vielleicht gibt dieses Verfahren dem Text diesen eigentümlichen Sound, diesen Groove, der über die Distanz von 760 Seiten anhält.

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 Das ist ein kolossales Prosagemälde, zusammengefügt aus Erinnerungsfragmenten. Die Aufbruchsepoche der 1970er Jahre wird darin porträtiert, Filme und Bücher sind enorm wichtig, werden ernst genommen und diskutiert. Und vor allem ist da diese typische Mischung aus Bericht und märchenhafter Anmutung. Diese Atmosphäre aus Geräuschen und Licht.

 Es hat sich jedenfalls gelohnt, so lange auf das Buch zu warten.

Vorlesen lassen

Wer Literatur lieber vorgelesen bekommt, sei auf die Mediathek des Bayerischen Rundfunks verwiesen. Dort gibt es noch bis Ende Januar eine Lesung von Haruki Murakamis Erzählung „Drive My Car“. Der Schauspieler Alex Milberg liest den schönen Text, der die Vorlage für den ebenso empfehlenswerten dreistündigen Kinofilm gleichen Namens liefert. Der Film läuft derzeit im Kino, und darin wird die Geschichte eines Schauspielers erzählt, der sich von einer jungen Frau chauffieren lässt. Sie wurde ihm als Fahrerin zugeteilt, er mag sie erst nicht, aber dann kommen die beiden miteinander ins Gespräch, sie erzählen sich ihre Biografien, und es tun sich Gemeinsamkeiten auf. Der Schauspieler hat vor einigen Jahren seine Frau verloren, er ist einer dieser einsamen und melancholieumwehten Murakami-Schweiger. Die junge Frau vertraut dem Schauspieler schließlich ein Geheimnis an. Währen der erste Teil der in zwei Episoden kommenden Lesung sehr allmählich beginnt, hört man den zweiten umso gebannter. Ach so: Und auch der Soundtrack zum Film, den die japanische Avantgarde-Musikerin Eiko Ishibashi beisteuert, ist toll.

Zuhören

Mit herrlicher Musik geht es weiter. Es gibt ja nicht so viele Alben, die man beim Arbeiten hören kann und die einerseits nicht stören, anderseits aber auch keine bloße Klangtapete sind. Eines dieser seltenen Exemplare ist das bei ECM erschienene „Uneasy“ von Vijay Iyer. Er hat es mit seinem Trio eingespielt, zu dem auch der Schlagzeuger Tyshawn Sorey und die Bassistin Linda May Han Oh gehören. Das ist eine empathische Platte mit erhebenden Momente. Extrem menschenfreundliche Musik, in der Iyer seinen Blick auf die Obama-Jahre verarbeitet. Er versammelt neun Stücke, sie reichen von Bearbeitungen eigener, älterer Kompositionen bis zu Interpretationen von Cole Porter.