Der Superstar muss ins Kloster: Küblböck bekommt sechs Punkte in Flensburg

Der Superstar muss ins Kloster: Küblböck bekommt sechs Punkte in Flensburg

Eggenfelden (rpo). Wegen fahrlässiger Körperverletzung und Fahren ohne Führerscheins ist Daniel Küblböck am Mittwoch zu einer Geldstrafe von 25.000 Euro verurteilt worden. Außerdem muss der "Superstar" acht Stunden Sozialarbeit leisten.

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p class="text"><P>Eggenfelden (rpo). Wegen fahrlässiger Körperverletzung und Fahren ohne Führerscheins ist Daniel Küblböck am Mittwoch zu einer Geldstrafe von 25.000 Euro verurteilt worden. Außerdem muss der "Superstar" acht Stunden Sozialarbeit leisten.

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p class="text">Von einem Auftritt im Kloster hat der quirlige "Superstar"-Sänger Daniel Küblböck wahrscheinlich nie geträumt. Doch demnächst muss der 18-Jährige in Klausur und acht Stunden Sozialarbeit leisten, die ihm als Strafe für seinen Zusammenstoß mit einem Gurkenlaster aufgebrummt hat.

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p class="text">Küblböck erschien mit gequältem Gesichtsausdruck zur Gerichtsverhandlung in seinem niederbayerischen Heimatort. Der schmächtige junge Mann im rot-weiß-karierten Hemd wurde von Fotografen und Kamerateams schier erdrückt. Auch einige Zuschauer zückten den Fotoapparat, um inmitten des Getümmels ein Bild des Teenie-Schwarms zu ergattern.

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p class="text">Einige "Faniels" hatten schon Stunden vor Verhandlungsbeginn vor dem Gerichtsgebäude gewartet, um einen der nur 50 Plätze im Saal 117 zu ergattern. Eine ältere Dame wollte Daniel "a bissl beistehen". Die 33-jährige Verwaltungsbeamtin Claudia wollte ihren Liebling einmal aus der Nähe sehen.

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p class="text">Dieser machte einen zerknirschten Eindruck. Während der gut einstündigen Verhandlung seufzte er häufig und schaute schuldbewusst zu Boden, als Jugendrichter Josef Ritzer von Küblböcks Fehlern sprach, die ihm und anderen "fast das Leben gekostet hätten". Den Autounfall vor genau vier Monaten wertete Ritzer als "jugendtypische" Leichtsinnstat, weshalb er das mildere Jugendstrafrecht anwendete. Seinen Denkzettel habe der 18-Jährige schon bekommen.

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p class="text">Bei der Höhe der Geldstrafe folgte der Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, nachdem Küblböcks Anwalt versichert hatte, dass sich die Einkommensverhältnisse des Sängers nicht in Zahlen fassen ließen. Bei 25.000 Euro stand für das Gericht fest, "dass der Angeklagte das spüren muss und dass er sich einschränken muss".

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p class="text">Für den Sozialdienst schlug Ritzer ein Kloster vor, damit Küblböck, der von der Presse "überfallartig bedient" werde, die Arbeitsstunden ungestört ableisten könne. Küblböck hatte sich zuvor zur Sozialarbeit bereit erklärt, aber Bedenken geäußert, dass er ins Altenheim oder in den Kindergarten von Reportern verfolgt würde. Mit Sozialarbeit hat Küblböck Erfahrung - nicht nur, weil er Kinderpfleger gelernt hat. Als 14-Jähriger klaute er eine CD und musste 16 Sozialstunden abarbeiten.

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p class="text">Die Idee von der Buße im Kloster gefällt Küblböck, wie er anschließend sagte. "Das wird mir gut tun." Außerdem habe er dort Ruhe zum Nachdenken. Über das Urteil sei er erleichtert, aber: "Es hätte auch besser ausfallen können. Am meisten schockiert mich die Geldstrafe." Küblböcks Anwalt hatte 15.000 Euro beantragt.

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p class="text">Sechs Punkte in Flensburg

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p class="text">Beim Urteil stützte sich Richter Ritzer auf den Bericht eines Sozialarbeiters, der dem 18-Jährigen attestierte, "in seiner Persönlichkeitsentwicklung einem Jugendlichen nahe" zu stehen. Aus Küblböcks Kindheit kamen unerfreuliche Details ans Licht: frühe Scheidung der Eltern, Beziehungs- und Alkoholprobleme der Mutter, häufige Orts- und Schulwechsel. Ein älterer Bruder driftete den Angaben zufolge in die Neonazi-Szene ab, ein anderer gelte als Schläger.

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p class="text">Unter schwierigen Familienbedingungen habe sich Küblböck gut durchgesetzt, wertete der Richter. Der 18-Jährige sei "ein intelligenter junger Mann", der sich als Medienstar "eine achtbare Stellung in der Gesellschaft erworben hat". Eine Entwicklungsverzögerung sah er nicht.

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p class="text">Das Gericht hielt Küblböck zugute, dass er die Tat voll eingeräumt hatte. Obwohl er noch keinen Führerschein besitzt, hatte sich der 18-Jährige am Faschingsdienstag ans Steuer eines Opels gesetzt, der einer Anhängerin gehörte. "Ich wollte fahren und einfach frei sein. Es war so ein Druck", erzählte er später in einem Interview. Küblböck passte beim Abbiegen nicht auf, krachte dem mit Essiggurken beladenen Lastwagen in die Seite und wurde hinterm Steuer eingeklemmt. Er musste zwei Mal an der Schulter operiert werden. Eine Mitfahrerin wurde ebenfalls verletzt, der Lkw-Fahrer erlitt einen Schock. Der Sachschaden betrug 150.000 Euro. Um die Gurkengläser rissen sich anschließend im Internet die Fans.

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p class="text">Noch vom Krankenbett richtete Küblböck eine Videobotschaft von seiner Genesung an die bangenden Bewunderer. Später bedauerte er sein Verhalten als "absolute Dummheit". Bei dem 57-jährigen Lastwagenfahrer, der als Zeuge aussagte, entschuldigte sich Küblböck persönlich.

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p class="text">Vor Gericht wiederholte er in stockenden Worten seine Entschuldigung: "Mir tut wahnsinnig Leid, was passiert ist." Es liege ihm am Herzen, dass er seinen Führerschein endlich machen könne. Ob und wann er zur Prüfung zugelassen wird, entscheidet das Landratsamt. In der Verkehrssünderdatei in Flensburg hat Küblböck schon sechs Punkte.

Seine Erfahrungen bei dem Unfall sind Küblböck nach früheren Angaben eine Lehre für die Zukunft. Und Geld kann der Sänger mit der quietschigen Stimme damit offenbar auch noch verdienen: Die Erlebnisse hat er in seiner neuen CD verarbeitet.

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