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Konzertante „Walküre“ der Rheinoper jetzt auf CD

Rheinischer „Ring“ auf CD : Diesem Wagner-Helden glaubt man die Leidenschaft in jeder Sekunde

Die Deutsche Oper am Rhein hat eine konzertante Aufführung von Richard Wagners „Walküre“ unter Leitung von Axel Kober jetzt als großartige CD-Box veröffentlicht.

Das Homeoffice hat für den Musikkritiker einen wichtigen Vorteil: Er kann Plattenrezensionen auf der Basis eines uneingeschränkten Hörvergnügens in seinem Wohnzimmer verfassen. Hören und schreiben gleichzeitig – im Büro möchte man das den Kollegen nicht zumuten. Und Wagner unter dem Kopfhörer ist keine Erbauung. Aber daheim macht es Spaß. Es ist sogar unersetzlich.

Damit wären wir direkt bei einer neuen „Walküre“ auf drei CDs im hochwertigen Schuber, die uns die Deutsche Oper am Rhein im Rahmen ihrer Gesamtaufführung des „Ring des Nibelungen“ beschert hat (beim Label Cavi). Und tatsächlich ist es eine schöne Bescherung im Sinne eines Geschenks. Hier hört man nämlich, wie großartig das Ensemble besetzt ist und dass es kaum eine Schwachstelle gibt. Vor allem klingt die Aufnahme exzellent: Wegen des Wasserschadens im Duisburger Theater musste das Team im Jahr 2019 kurzfristig für konzertante Aufführungen in die Mercatorhalle umziehen. Dort waren Transparenz und Staffelung des Klangs allerdings deutlich besser und leichter zu bewerkstelligen.

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Glanzpunkte sind ohne Zweifel Michael Weinius als Siegmund und James Rutherford als Wotan. Der Tenor überwältigt durch seine präzise Deklamation, durch Mut zum Risiko und durch nie erlahmende Strahlkraft; diesem Siegmund glaubt man die Leidenschaft, doch auch die Getriebenheit in jeder Sekunde. Rutherford dagegen ist ein herrischer Bassbariton, dem im zweiten Akt zugleich die Nachdenklichkeit gelingt, wenn Fricka (ebenfalls sehr gut: Katarzyna Kuncio) ihm in die Parade fährt und ihn vor einer Rechtsbeugung warnt. Ein prächtiger Finsterling: Lukasz Konieczny als Hunding.

 Das Cover der neuen CD.
Das Cover der neuen CD. Foto: Cavi

Linda Watson als Brünnhilde ist in der Höhe nicht immer ganz unangestrengt, macht das aber durch exzellente Präsenz wett. Sarah Ferede als Sieglinde klingt leider recht flach. Gut das Ensemble der Walküren.

Doch zum Ereignis wird der Mitschnitt durch die Duisburger Philharmoniker unter Generalmusikdirektor Axel Kober. Ihr Musizieren ist von lodernder Intensität, fast immer bestechend gut im Timing – mit hervorragenden Sololeistungen bei den Bläsern. Kober hat der Autor dieser Zeilen vor einiger Zeit mit diesem Werk an der Wiener Staatsoper erlebt – das hier ist nicht schwächer. Und gern haben wir es bei voller Lautstärke gehört. Die Nachbarn sind nämlich nicht im Homeoffice.