Köln: So war das Konzert von ZZ Top am Tanzbrunnen

ZZ Top-Konzert in Köln : Hypnotischer Blues am Tanzbrunnen

Kurz, aber cool war der Besuch der sonnenbebrillten Texas-Blues-Giganten im beschaulichen Tanzbrunnen. Rund 10.000 Zuschauer wippten mit.

Man müsste lügen, wollte man behaupten, dass ZZ Top den Kölner Tanzbrunnen am Dienstagabend abgerissen haben. Nein, sie haben sich nett mit ihm unterhalten, ein, zwei Bier mit ihm getrunken, und sich dann gemütlich verabschiedet. Was sich angenehm dazwischen eingeschlichen hat, sind 50 Jahre geballter Bluesrock, wie man ihn heute eigentlich gar nicht mehr bekommt.

Und das Setting könnte schöner nicht sein: Das orangefarbene Abendlicht fängt sich in der chromglitzernden Mechanik an den Gitarren von Dusty Hill und Billy Gibbons. Leider nur für Zuschauer über 1,80 Meter ist Frank Beard am Schlagzeug zu erkennen, das einzige Bandmitglied ohne Bart (natürlich der Running Gag seit Jahrzehnten). Der lädt die kratzigen Riffs und gut geölten Ausflüge in Solo-Höhen der beiden Gitarristen in ein solides Bett, und nicht zuletzt der Rhythmus, das Verzögernde, Vorwegnehmende ist es, was den Liedern den Teufel eintreibt.

Der Groove von „Tush“, „Sharp Dressed Man‘“ und „Legs“ geht in die Beine, doch die Coolness der Band, der Situation (und mitunter sicher auch das Alter) erlaubt nur ein Kopfnicken, ein Wippen, ein Lächeln: Ja, das kenne ich, da bin ich dabei. Wenn Dusty Hill mit dem ausgestreckten Zeigefinger das Publikum abfährt, fühlt sich jeder gemeint. Die staubigen Späße, die die beiden Frontmänner des Trios reißen, das o-beinige Hampeln, das Pistolenschießen mit den Fingern, alles sagt: Ganz richtig, wir sind’s, und wir sind immer noch da!

Und kein Song könnte das mehr ausdrücken als „La Grange“, das selbst vom Bassisten Hill einfach als „das Ding“ angekündigt wird. Das Böse-Jungs-Stück fehlt in kaum einem Road-Movie, und im Publikum leuchten nicht nur die Augen der Motorrad-Kutten-Träger. Doch nicht nur sie sind auch enttäuscht, als eine sichtbar fitte und warmgespielte Band nach nur 73 Minuten die Bühne zum zweiten und letzten Mal verlässt. Wo war „Viva Las Vegas“, wo „Velcro Fly“ und „Sleeping Bag“?

Dafür gab es eine volle Ladung 80er, „Legs“ spielen die beiden Bärtigen sogar mit den berühmten, weißen Plüsch-Gitarren – leider ohne die legendäre 360-Grad-Drehung der Instrumente vor den Bäuchen der Musiker. Vielleicht war das Kugellager eingerostet.

Etwas ratlose, aber insgesamt zufriedene Gesichter treffen sich schließlich beim Abgeben der Pfandbecher. Wäre das Konzert nicht so unerhört toll gewesen, wäre man wegen des frühen Abgangs verärgert. Aber so bleibt der Eindruck, dass der Auftritt wie ein typisches ZZ-Top-Lied war: kurz und gut.

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