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"Justice": So klingt das neue Album von Justin Bieber

Neues Album „Justice“ : Justin Bieber feiert die Langeweile

Das neue Album von Justin Bieber heißt „Justice“. Der 27-Jährige erzählt darauf von seinem Glauben und vom Eheglück. Man weiß oft gar nicht, ob er nun über Gott oder Hailey Baldwin singt.

Das letzte Album von Justin Bieber erschien 2020, es hieß „Changes“ und ließ darauf hoffen, dass der heute 27-Jährige seinen Stil gefunden hat. Das war eine R&B-Platte, auf der Produzent Poo Bear Vorlagen lieferte, die Bieber gut aussehen ließen. Er ist ja stimmlich nicht gerade das, was die Amerikaner ein Powerhouse nennen, aber ist er ziemlich gut in der Mittellage, er kann grooven und den Zuhörer einspinnen. Das gelang auf „Changes“, und man dachte, da würde er weitermachen.

Bieber entschied sich anders. Das neue Album heißt „Justice“ und kommt ohne die Unterstützung von Poo Bear aus. Bieber probiert verschiedene Stile, er wirkt an allen interessiert, wenn auch nur ein bisschen. Genres werden anprobiert wie Kleider. Vielleicht kann man das Album so zusammenfassen: Justin Bieber hat seinen Spaß an der Langeweile entdeckt.

„Die For You“ verbreitet 80er-Jahre-Flair, „As I Am“ klingt nach Ed Sheeran, und in „Off My Face“ liefert Bieber zur akustischen Gitarre eine seiner besten Vokal-Performances. Mit Ausnahme von „Peaches“ und eventuell „Holy“ fehlt ein Hit. Überhaupt fällt auf, dass die meisten Songs einfach durchlaufen: ereignislos und ohne Haken. Die „goose bumps“, um die es in „Love You Different“ geht, spürt man nicht.

Das heißt nicht, dass das ein schlechtes Album wäre Jede Note ist hochwertig produziert, in „Ghost“ gibt es sogar so etwas wie einen Grime-Rhythmus. Aber irgendwer verkleistert alle Kanten, so dass alles nach halb geschlossenen Lidern klingt.

Es gibt zwei längere Ausschnitte einer Rede von Martin Luther King. Das ist rätselhaft, weil sie keine Verbindung zum restlichen Album haben. In Biebers Texten geht es neuerdings ausschließlich um die Rettung durch den Glauben und das Glück de Ehe. Man weiß oft gar nicht, ob er über Gott oder Hailey Baldwin singt.

Das ist Musik, zu der man ein bisschen mit dem Kopf wackelt. Viel mehr geht ja gerade ohnehin nicht.