Band nach vierjähriger Pause wieder da Juli gehen den Weg des Schmerzes

Frankfurt/Main (RPO). Nach vierjähriger Funkstille melden sich Juli mit dem Album "In Love" (Universal) zurück. Viel ist passiert in den letzten vier Jahren rund um das hessische Poprock-Quintett. Nach dem letzten Album "Ein Neuer Tag" und ausgedehnten Tourneen war die Luft einfach draußen, um sofort weiter zu machen.

Nach vier Jahren wieder da: Juli mit neuer CD
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"Es kam vieles zusammen. Einmal natürlich gab es diese Routine. Man ist auf Tour, auf Promotour oder im Studio. Und man ist halt nie zu Hause", sagte Gitarrist Simon Triebel im dapd-Gespräch in Frankfurt am Main. "Wir brauchten einfach mal wieder ein bisschen Input und irgendwas, was uns wieder fesselt."

Neue Kraft musste getankt und neue Erfahrungen gesammelt werden. Dafür zogen sich die fünf Hessen zunächst aus dem Musik- und Showgeschäft zurück. "Es gab knapp ein Jahr, was dann doch recht privat war. Es war mein geringstes Problem, dass ich jetzt die Vier nicht mehr sehen konnte. Ende 2007 war ich in meinem Leben noch nie so leer im Kopf. Ich glaube, ich habe drei Wochen geschlafen", beschreibt Gitarrist Jonas Pfetzing seinen Erschöpfungszustand.

"Das Musikmachen ist auch nach dem Erfolg der ersten Platte erst mal ein bisschen in den Hintergrund getreten. Auf einmal waren andere Sachen wichtig: Shows, Partys und Aftershow-Partys. Und wir haben auch alles gerne mitgenommen", fügt Sängerin Eva Briegel hinzu. "Bis wir irgendwann gemerkt haben, jetzt setzt so eine leichte Ermüdung ein: die gleichen Partys, die gleichen Leute, die gleichen Häppchen. Und dann haben wir überlegt, was hält uns eigentlich noch dabei und das ist ja die Musik", sagt Briegel.

Neues Album ohne Erfolgsdruck

Anschließend haben sich Juli zu einer Bastelstunde im Studio getroffen. "Wir haben keinen Erfolgsdruck verspürt", sagte Pfetzing. "Wir haben uns gefragt, woher der Druck kommt? Ist das unser Problem, dass wir in einem halben Jahr da nicht mehr auf die Aftershow-Party kommen, weil der Typ an der Tür uns nicht mehr kennt? Ist das für irgendjemand ein Problem? 'Nö, scheißegal!' Es war klar, wir wollen einfach nur zusammen etwas erschaffen, uns austoben und frei sein von irgendwelchen Erwägungen."

Und je länger sich dieser Prozess hingezogen hat, umso befreiender wurde es für die Band. "Irgendwann war dann auch klar, egal, was wir machen, die Leute werden sowieso sagen, es ist ein Comeback-Album, weil einfach genügend Zeit vergangen ist. Deshalb müssen wir uns jetzt nicht mehr beeilen."

Als Schüler Vorliebe für Elektro-Beats

Für die Band stand von Anfang an fest, dass die neue Platte definitiv in eine andere musikalische Richtung gehen wird. "Wir waren uns einig, dass das neue Album auf keinen Fall eine klassische Rockpop-Platte werden wird", sagte Triebel.

"Ich finde auch, dass man als erfolgreiche Band, die zu lange den gleichen Stiefel fährt, einfach Gefahr läuft, in seiner eigenen Maske zu erstarren und zu seiner Karikatur zu werden, also sein Markenzeichen zu übertreiben", erklärte Briegel. "Und irgendwann weiß jeder zwar sofort, ah ja, dass sind doch die mit... und dann bist du aber auch schon so eine Lachnummer. Zu einem kreativen Prozess gehört ja immer eine Veränderung dazu." Außerdem haben Juli seit der Schulzeit eine Vorliebe für Techno und House.

Zusammen mit dem Langzeitproduzenten Olaf Opal und Tobias Siebert von Klez.e haben die Hessen "In Love" eingespielt. "Mit Olaf haben wir auch die ersten Alben gemacht. Er hat sofort verstanden, was wir wollten und die Veränderungen auch begriffen", sagt Pfetzing.

Und Triebel ergänzt: "Ich glaube, wir wären mit einem anderen Produzenten erst Mal auf Unverständnis gestoßen." Opal sei von der Idee sofort begeistert gewesen. "Ihr wollt den Weg des Schmerzes gehen, das finde ich super! Da bin ich dabei, aber es wird ewig dauern", erklärte er der Band. "Und er sollte recht behalten", so Pfetzing. "Ewig heißt betriebswirtschaftlich gesehen viel zu lang." "Ja, wir haben ein Jahr lang Skizzen ausgetauscht und dann eineinhalb Jahre aufgenommen", fügte Briegel hinzu.

Songs über Selbstfindung, Entwurzelung und Liebe

Die Texte auf "In Love" entstanden ähnlich wie die Musik in Teamarbeit. "Es war schon ein bewusster Vorgang, dass wir uns viel mehr gegenseitig reingelassen haben", erklärte die Sängerin und frisch gebackene Mutter. Doch um Muttersein gehe es überhaupt nicht auf der Platte, sagte sie. Briegel und MIA-Gitarrist Andy Penn sind stolze Eltern der vier Monate alten Yoko.

"Jeder von uns hat sich mit sich, seiner Beziehung zum Erfolg oder seinem Bezug zur Welt auseinandergesetzt. In dem Song 'Seenot' geht es um das Gefühl, sich permanent anzustrengen zu müssen und nie kommt ein Zwischenstopp, nie kommt eine Pause, nie kommt ein Stückchen Schatten, immer ist nur Sonne, Sonne, Sonne. Der Track 'Maschinen' handelt davon, dass man sich in einer Maschinerie befindet und das Gefühl hat, nicht anhalten zu können, was natürlich auch ein Stück Gesellschaftskritik beinhaltet, aber natürlich auch von uns handelt. Also wie fühlt man sich persönlich als Maschine, im Job, in der eigenen Familie, aber manchmal auch nur im eigenen Kopf, also das diese Maschine gar nicht aufhört zu laufen", erzählte die 32-jährige Frontfrau. "'Woanders zu Hause' handelt auch von so einer Entwurzelung, aber auch von Liebe."

Im November gehen Juli mit "In Love" auf Tour. Trotz Baby seien die Konzerte für Briegel kein Problem. "Der Papa kommt ja mit!"

Tourdaten: 18.11. Olsberg (Konzerthalle), 19.11. Köln (E-Werk), 22.11. München (Muffathalle), 24.11. Dortmund (FZW), 25.11. Stuttgart (LKA Longhorn), 26.11. CH-Zürich (Kaufleuten), 27.11. Leipzig (Werk II), 29.11. Neu-Isenburg (Hugenottenhalle), 30.11. Hamburg (Große Freiheit 36) und 01.12. Berlin (Astra Kulturhaus).

(apd/csr)
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