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Iron Maiden Konzert in Köln im Rheinenergie-Stadion - Kritik

Iron Maiden in Köln : Im Heavy-Metal-Himmel

Die britische Heavy-Metal-Band Iron Maiden reißt im voll besetzten Rheinenergie-Stadion die Menge mit. Zu Hits wie „The Number of the Beast“ und „Fear of the Dark“ recken die Fans die Fäuste empor – und bei manchen Songs macht sich Gänsehaut breit.

Endlich sagt er es – nein, er schreit es, er muss es hören: „Scream for me, Cologne!“ Bruce Dickinson, 63 Jahre alt, beschwört die Abertausenden im Rheinenergie-Stadion. „Scream for me, Deutschland!“ Und das Publikum antwortet, streckt dem Sänger die Arme entgegen. Es springt, bejubelt das Bataillon an Gitarristen auf der Bühne und feiert den Höhepunkt des Songs „Hallowed Be Thy Name“. Bassist Steve Harris rennt in kurzen Hosen herum, während er an den Saiten reißt, Janick Gers lässt seine Gitarre buchstäblich fliegen – Iron Maiden sind wieder da, mit neuen Songs, sie sind ausgeruht und in Top-Form.

Dabei hat die Heavy-Metal-Band gleich zu Beginn ein wenig mit der Stimmung im voll besetzten Fußballstadion zu Köln gepokert. Nach dem vor jedem Konzert vom Band eingespielten „Doctor, Doctor“ der britischen Band Ufo – die Fans applaudierten schon, als sei Maiden bereits auf der Bühne – hört man zunächst drei erzwungenermaßen kaum konzerterprobte Songs aus dem vergangenen Jahr. Doch die Zuschauer singen „Senjutsu“, nach dem das 17. Album der Band benannt ist, mit, als würden sie es schon ewig kennen. Das drei Meter große Band-Maskottchen Eddie schwingt ein riesiges Samurai-Schwert vor einer Kulisse aus Pagoden und Feldsteinmauern, und vor seinen Füßen singt ein agiler Bruce Dickinson in schwarzer Lederhose und Piratenhemd, seine wieder überraschend lang gewachsenen Haare zu einem Dutt gebunden.

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Nach einer seltsam langen Umbaupause erscheint der Sänger dann für „Revelations“, vom inzwischen 38 Jahre alten Album „Piece of Mind“, im seidenen Kapuzenumhang, das Gesicht verhüllt. Das dreistimmige Riff aus Bass und Gitarren versetzt sofort in die Vergangenheit, in das goldene Zeitalter der Band. Gänsehaut, trotz der sommerlichen Temperaturen. Ein Fan in „Kutte“, der Jeansweste mit zahlreichen Band-Aufnähern, lässt den Arm nach oben schnellen, schaut sich kurz und verstohlen um, ob auch alle mitmachen, und dreht sich lächelnd wieder zur Bühne – natürlich machen sie mit.

Das Glück in die Reihen bringt auch der Song „Blood Brothers“. Zwei Zuschauer um die 60 versuchen, sich über die teils brutale Lautstärke der Band und des gewaltigen Fan-Chors zu unterhalten. Im schönsten Part, als Gers gerade wieder seine Gitarre vertikal hält, um ein Solo Richtung Himmel zu schicken, besinnen sie sich auf gegenseitiges Schulterklopfen, einer der beiden sagt dann noch ein Wort, man muss es gar nicht hören, um es an den Lippen abzulesen: „Geil!“

Dem gut zehn Minuten langen „Sign of the Cross“ von 1995 – ein Fan dirigiert die düster-melodiösen Gitarren genussvoll von seinem Stehplatz aus – folgt das flockig-rockige „Flight of Icarus“. Mit Flammenwerfern in den Händen rennt Dickinson die Bühne ab, schickt Feuerstöße in alle Richtungen, während Harris sein Instrument wie eine Waffe über die Publikumsreihen hält und seinen Bass galoppieren lässt. Alle vier Gitarristen stürmen gleichzeitig an die Bühnenkante, um für den Song „Fear of the Dark“ ganz nah bei den Menschen zu sein. Die bilden erste Moshpits, laufen im Kreis, um bei „Hallowed Be Thy Name“ – klammheimlich eines der schönsten Lieder der Band – wieder die Fäuste mit hervorgestreckten Zeige- und kleinem Finger emporzustrecken.

10 Fakten über Iron Maiden

Die Gitarren singen zwei- bis dreistimmig, tragen den typischen Maiden-Sound durch das Stadion; und die Musiker haben sichtlich Spaß – allen voran der dauergrinsende Dave Murray. In schneeweißen Turnschuhen stolziert, hüpft und tänzelt der 65-Jährige, lässt sein Instrument wie einen Hoola-Hoop-Reifen mehrfach um seine Hüfte kreisen. Humoresk spielt auch Maskottchen Eddie – für „The Trooper“ wie Dickinson mittlerweile in einer britischen Uniform – auf seinem Säbel Luftgitarre, während der Sänger die britische, später auch die deutsche Flagge schwenkt.

Als Harris auf einem ausladenden, zweihalsigen E-Gitarren-Bass „The Clansman“ anstimmt, steigt ein Fan auf die Sitzlehnen, breitet die Arme aus, um das „Freedom!“ im Refrain besser schmettern zu können. Nach einer kurzen Pause, alle denken, das Konzert sei vorbei, legen sie noch eins drauf. Den Kracher „Aces High“ erkennen Kundige schon nach den ersten Worten der vorangestellten Churchill-Rede, im Song senkt sich dann ein Spitfire-Kampfflugzeug in Originalgröße (nur echt mit drehendem Propeller) an Seilen von der Bühnendecke. Gers macht an seiner Gitarre die „Windmühle“, lässt seinen Arm kreisen und die Hand mit dem Plektrum nur an den Saiten vorbeischrammen, und mit dem Jäger heben im letzten Lied auch die Zuschauer ab.

S-Bahn, gut zwei Stunden nach dem Konzert, nach dem dritten Umstieg auf dem umständlichen Weg über Neuss nach Düsseldorf. Ein Mann schaut selig auf sein Handy, es spielt eine frische Aufnahme von „Run to the Hills“. Plötzlich schreckt er hoch, blickt sich um: „Welche Station war das?“ Beruhigt durch die Antwort sinkt er wieder in den Sitz. Das Video auf seinem Handy geht weiter.

Das Konzert im Kopf auch.